So funktionieren chinesische Schreibmaschinen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie eine Schreibmaschine funktioniert? Das war früher noch eine richtig schwere körperliche Arbeit, denn man musste die Tasten mit Kraft herunterdrücken, damit die Typen auf das Farbband und das Papier flogen. Die latinisch und kyrillisch schreibenden Kulturen mit ihren recht wenigen Buchstaben hatten es dabei noch relativ einfach. Deutlich umständlicher war es für chinesisch Schreibende, die ein paar mehr Zeichen benutzen müssen.

Doch kann man sich eine Tastatur mit über 50.000 Tasten in keinem Büro vorstellen, zumal das auch eine extreme Laufarbeit für die Sekretärinnen bedeutet hätte? Zum Glück sind aber im Chinesischen nicht alle Zeichen ständig im Gebrauch, weshalb die chinesische Schreibmaschine standardmäßig mit "nur" 3000 Zeichen ausgestattet war.


Zunächst musste man sich entscheiden, ob man lieber von oben nach unten, von rechts nach links oder von links nach rechts schreiben wollte und dies an dafür vorgesehenen Hebelchen einstellen. Dann begann das große Suchen: Über einem Setzkasten mit den Bleilettern war die Rolle, in die das Papier eingespannt war, mitsamt einer Taste auf einem Wagen befestigt. Mit dieser fuhr man über die Lettern, bis das gesuchte Zeichen gefunden war und drückte ab.

Jetzt ließ eine Mechanik das Schriftzeichen aus dem Kasten heben, an einer mit Farbe getränkten Filzrolle vorbeilaufen und auf die Rolle mit dem Papier schlagen. Wenn die Letter wieder zurück an ihren Platz gefallen war, ging die Suche nach dem nächsten Schriftzeichen von vorne los.

Besonders schnell konnte niemand auf diese Weise schreiben, doch die höchstens 10 Anschläge pro Minute waren doch deutlich zügiger, als den Text kunstvoll mit dem berühmten Marderhaarpinsel zu kalligraphieren. Und sollte mal ein Zeichen nicht im Standardkasten vorhanden sein, gab es diverse Ersatzkästen, auf die dann der Wagen mit der einen Taste aufgesetzt wurde.

Durch die Einführung des Computers hat sich das System jedoch geändert: Mit der normalen lateinischen Tastatur geben chinesische Schreiberlinge die Lautfolge des Wortes ein und eine automatische Worterkennung schlägt dann die Schriftzeichen vor, aus denen sich der Nutzer das gewünschte auswählen kann.

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