L’chaim

So feierte die jüdische Gemeinde in Freiburg am Donnerstag ihren Karneval

Jannis Jäger

Purim: Das ist der Name des jüdischen Karnevals. Wie das auch in Freiburg gefeiert wird und worum es dabei genau geht, erklärt Jakob Gitler, Rabbi von der jüdischen Gemeinde Freiburg.

Jakob Gitler ist 31 Jahre alt, seine Frau Chava 29 und zusammen sind sie gut eingebunden in die jüdische Gemeinde in Freiburg. Vor allem ihre vier Kinder freuen sich immer sehr auf Purim. So wird das jüdische Fest genannt, an dem sich die Kinder verkleiden, alle zusammen tanzen und dabei das eine oder andere Glas Wein leeren. Von außen betrachtet zieht es einen in den Bann, besonders, wenn man vorher noch nie etwas davon gehört hat. Fudder hat genauer nachgefragt.


Was ist Purim?

Purim ist ein großer jüdischer Feiertag. Seinen Ursprung hat er in der Geschichte, wie einmal alle Juden im Persischen Reich vor der Vernichtung bewahrt wurden. Um dies zu feiern, verkleiden wir uns und kommen als Gemeinschaft zusammen. Wir tanzen, essen gut und trinken etwas Wein. Die Verkleidung soll daran erinnern, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Wie läuft eine Purimfeier ab?

Zuerst gibt es ein Morgengebet und wir lesen aus der Schrift. Im Anschluss besuchen wir Häuser von Menschen, die ihr Haus nicht mehr verlassen können, weil sie zum Beispiel alt oder krank sind. Es geht darum, Purim zu Leuten zu bringen, die sonst nicht teilhaben könnten. In Freiburg sind das oft ehemalige russische Emigranten. Man bringt ihnen Geschenke und beschenkt sich gegenseitig. Man betet und versucht, ihnen Freude zu schenken. Für die Kinder gibt es noch ein Puppentheater und dann wird gefeiert. Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel auch ein Bier-Bike von der Brauerei Ganter gemietet.

"So wie es ist, können wir es sehr genießen."

Wie sind Sie eingebunden in die jüdische Gemeinschaft hier in Freiburg?

Ich bin hier Rabbi und ein Organisator im Rahmen von "Beit Chabad". Das ist eine Organisation, die viele jüdische Gemeinden auf der Welt dabei unterstützt, ihre Traditionen zu leben. Aus diesem Grund haben wir auch immer viele Gäste in unserem Haus.

Was verbinden Sie mit Purim?

Es ist einfach ein besonderer Tag. Alle sind ein wenig ausgeflippt und ich liebe es einfach Freude zu verbreiten, wenn man zu den Leuten geht. Alles ist ganz offen. Niemand muss sich verstellen und man kann viel Schlechtes für einen Tag vergessen. Gemeinschaft, Tanzen, Wein: Das bringt einen weg von vielen persönlichen Problemen.

Ich habe auch wunderbare Kindheitserinnerungen an Purim. Ich bin in New York, beziehungsweise Brooklyn, aufgewachsen und weiß noch, wie man sich verkleidet und mit seinen Freunden Süßigkeiten gegessen hat. Allerdings war alles etwas anders, da die jüdische Gemeinde in Brooklyn damals schon größer war als es Freiburg heute ist.

"An Purim lässt man sein Ego fallen und gewinnt ein wenig Abstand zu sich selbst."

Gibt es Schwierigkeiten, auf die Sie stoßen?

Nein, eigentlich nicht. Es ist in einer Stadt wie Freiburg nur etwas anders. In Jerusalem zum Beispiel ist einfach die ganze Stadt auf den Beinen und es ist ein riesiges Fest. Bei uns hier ist alles ein wenig kleiner und es ist weniger leicht, das koschere Essen zu besorgen. Aber wir bekommen immer sehr viel Besuch zu Purim, das freut uns sehr. So wie es ist, können wir es sehr genießen.

Wie steht es denn nun genau mit dem Wein?

In der Überlieferung heißt es: "Jeder muss so viel Wein trinken, bis er nicht mehr unterscheiden kann zwischen ’Verflucht sei Haman’ und ’Gelobt sei Mordechai’". Also in etwa zwischen Gut und Böse. Und für manch einen bedeutet das eben möglichst viele Trinksprüche auszubringen – l’chaim. Aber es ist mehr als sich bloß zu betrinken. An Purim lässt man sein Ego fallen und gewinnt ein wenig Abstand zu sich selbst. Dabei spielt ein spiritueller Gedanke eine viel größerer Rolle.

Sehen Sie Gemeinsamkeiten zur Fasnacht?

Die Kostüme sind natürlich eine Gemeinsamkeit. Und auch, dass man viel Lärm macht und lacht. Aber was dahinter steht, unterscheidet sich sehr. Heute würde ich sagen, dass Purim eine etwas tiefere Bedeutung hat.

Haben Sie schon einmal Purim in Jerusalem gefeiert?

Oh ja, ich war einmal dort. Das war kurz nachdem wir geheiratet hatten, also vor acht Jahren. Ich erinnere mich daran gerne. Das war ein riesiges Fest.
Jakob Gitler, 31 Jahre alt, ist Rabbi in der jüdischen Gemeinde in Freiburg und engagiert in der Organisation "Beit Chabad". Diese ist dazu da, jüdisches Brauchtum auf der ganzen Welt zu unterstützen.Geboren in Brooklyn, lebt er mit seiner Frau und seinen vier Kindern seit bald vier Jahren in Freiburg.