So erlebte ein Fudder-Mitarbeiter die Nacht im Pariser Stadion

Bernhard Amelung

80.000 Zuschauer waren am Freitagabend im Stade de France, um das Spiel Frankreich – Deutschland zu erleben. Einer von ihnen: Fudder-Mitarbeiter Benedikt Nabben. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen:

 

fudder: Du warst mit Freunden im Stade de France. Wie viel hast Du im Stadion von den Anschlägen mitbekommen?

Benedikt Nabben: Zunächst einmal nicht viel. Wir haben zwar die Explosionen gehört, haben uns zuerst aber nicht nicht wirklich Gedanken gemacht. Wir dachten, es habe sich um Böller gehandelt. Erst viel später haben wir realisiert, dass wir vom Detonationsort nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt waren.
 

fudder: Wann hast Du erfahren, was draußen gerade passiert?

Benedikt Nabben: In der Halbzeitpause haben wir die Sicherheitsleute gefragt, was los sei. Sie haben uns von den Bomben erzählt, uns aber gleichzeitig wieder zurück auf unsere Plätze geschickt. Wir sind allerdings nicht mehr in den Innenraum gegangen, sondern bei den Stadiontoren geblieben und haben die Situation beobachtet. Die ganze Zeit haben wir versucht, über Facebook und Twitter mehr Informationen zu bekommen. Wir haben aber direkt gemerkt: Die Verbindung baut sich langsam auf, das Netz ist überlastet.

Und dann kamen langsam die ersten Nachrichten und wir haben realisiert, dass etwas Furchtbares passiert sein musste. Nach dem Spiel haben meine Freunde und ich dann unzählige Nachrichten geschickt bekommen: Freunde und Bekannte, die uns gefragt haben, ob alles in Ordnung sei und ob es uns gut gehe.

fudder: Wie war die Stimmung im Stadion?

Benedikt Nabben: Eigentlich war es sehr ruhig. Auch nach den Explosionen haben die meisten Zuschauer das Spiel weiter verfolgt. Erst nach der Halbzeitpause, also weit nach den Explosionen, haben sich die Nachrichten verbreitet und immer mehr Menschen wurden unruhig. Viele versuchten, Kontakt nach draußen, zu ihren Freunden und zu ihrer Familie herzustellen. Manchen hat man die Angst auch angesehen. Aber als wir noch im Stadion waren, hat um uns herum niemand panisch reagiert. Erst auf dem Weg nach draußen wurde es hektisch.

fudder: Wie hast du  dich verhalten?

Benedikt Nabben: Wir wollten nach der Halbzeitpause auf keinen Fall mehr zurück auf unsere Plätze ins Stadion. Wir wollten nur noch nach draußen und zurück ins Zentrum von Paris. Wir sind sofort in Richtung Ausgang los. Am Ausgang angekommen, haben wir gemerkt, dass diese abgeriegelt waren. Wir konnten nicht nach draußen, wir wollten nicht mehr zurück. Wir fühlten uns wie gefangen. Erst gegen Ende der zweiten Halbzeit hat die Polizei die Ausgänge geöffnet. Die Beamten standen rechts und links auf dem Weg zur Metro, leuchteten uns mit Taschenlampen ins Gesicht. Sie schrien: "Hände hoch, Hände hoch". Wer die Hände nicht hochhielt, wurde noch lauter angeschrien.

fudder: Und draußen?

Benedikt Nabben: Draußen herrschte Schockstarre. Geschrien hat eigentlich niemand. Dass in der Stadt die Hölle los war, haben wir erst mitbekommen, als die S-Bahn nicht den Gare Du Nord angefahren ist, sondern in Richtung Les Halles umgelenkt wurde. Dort sind wir dann ausgestiegen. Nachträglich hat uns das aber auch schockiert, denn dort soll es ebenfalls zu Schießereien gekommen sein. Zu dem Zeitpunkt wussten wir nichts von den Vorfällen in der Stadtmitte und wollten einfach nur ins Zentrum und dachten, dort wären wir sicher. Erst als wir dort waren, haben wir mitbekommen, dass auch dort Anschläge verübt wurden.

fudder: Noch ist es zu früh für eine Einordnung. Aber was denkst du, wie sich Paris und Frankreich verändern werden?

Benedikt Nabben: Auf politischer Ebene lässt sich das schwer beurteilen. Was den Alltag betrifft, herrschte ja spätestens seit den Anschlägen vom 9. Januar so etwas wie ein Alarmzustand. Man hat die Angst an vielen Momenten im Alltag gespürt. Bei uns an der Universität zum Beispiel wurde an den Eingängen bereits häufig die Taschen kontrolliert. Überall in der Stadt patrouillierte viel Sicherheitspersonal. Ich denke, das wird jetzt leider noch weiter zunehmen.

Zur Person:
Benedikt Nabben, geb. 1990, hat in Konstanz Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert. Derzeit belegt er einen Master-Studiengang in Communications an der Universität SciencesPo in Paris. Er war Hospitant beim ZDF, freier Mitarbeiter beim Trierischen Volksfreund, der Badischen Zeitung und fudder.de.