So bösartig kommentieren Facebook-Nutzer den Fahrradunfall einer Teenagerin

Felix Klingel

Eine 13-Jährige wird in Freiburg von einer Bahn erfasst und schwer verletzt. Wir berichten über den Unfall, auch auf Facebook. Statt Anteilnahme gibt es dort bösartige Kommentare – obwohl kaum etwas über den Unfall bekannt ist. Ein Appell.

"Wieder bei rot bestimmt", "Radfahren sollte man lernen", oder "Kopfhörer aufgehabt?". Das sind noch die harmloseren Kommentare einiger Facebook-Nutzer zu dem Fahrradunfall einer 13-Jährigen. Sie war am Mittwochabend von einer Straßenbahn erfasst und schwer verletzt worden. Obwohl einige Leser über den Unfallhergang nichts wissen, beginnen sie auf Facebook unnötige Kommentare zu schreiben.


Weder ist bekannt, ob das Mädchen Musik über Kopfhörer gehört hat, noch, ob sie unachtsam auf ihr Handy geschaut hat. Auf Facebook wird ihr genau das vorgeworfen. Noch unpassender sind Kommentare, die sich über den Unfall lustig machen ("Ohh, schau mal ein Radfahrer ... bobop .. bobop"). Andere regen sich darüber auf, dass es wegen dem Unfall – den sicher niemand so wollte – zu Verspätungen kam.

Nachdenken vor dem Kommentieren

Wir wollen diese Kommentare hier öffentlich machen. Nicht, um die Schreiber zu diskreditieren. Wir veröffentlichen alles anonymisiert, die Originale sind längst gelöscht. Wir wollen viel mehr auf ein Problem aufmerksam machen, dass es auf Facebook gibt.

Kommentare werden impulsiv geschrieben, ohne über die möglichen Konsequenzen eines solchen Unfalls nachzudenken. Die können deutlich schlimmer sein, als mal 15 Minuten später nach Hause zu kommen. Menschlichkeit und Mitgefühl scheinen einige vor ihren Bildschirmen vergessen zu haben. Jeder sollte sich vor dem Kommentieren fragen: Würde ich das persönlich zu einem Unfallopfer sagen? Zu Angehörigen? Die Antwort ist meistens nein. Dann gehört der Kommentar auch nicht in ein öffentliches soziales Netzwerk.