Sitzen ein Hirsch und ein behaarter Stein in der WG zusammen

Daniel Laufer

Der Freiburger Philip Jan Krajewski hat eine Webserie gedreht. Ende Juli ist die absurde Seifenoper "Himmel, Arsch & Zwirn" auf YouTube gestartet. Ein Interview:

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"Himmel, Arsch & Zwirn" spielt in einer WG. Wohnst Du selbst in einer?

Philip Jan Krajewski: Ja, in einer Neuner-WG, in der gerade eigentlich zehn Leute wohnen - im Studentendorf im Vauban. Ich bin mit dem Gedanken in eine so große WG gezogen, dass man immer Leute um sich herum hat. Man kann jederzeit ein Gespräch führen, banal weil nur Smalltalk oder unter Studenten natürlich auch mal tiefer.

Gleichzeitig ist es bei so einer großen WG auch selbstverständlich, dass nicht jeder an solchen Abendgesprächen grundsätzlich teilhaben will. Man kann sich auch mal zurückziehen. In einer Dreier-WG ginge das schlecht, weil sich die beiden Mitbewohner dann schon langweilen würden.

Wie kamst Du darauf, diese Serie zu drehen?

An Weihnachten war viel Fantasy im Kino und Fernsehen. Da habe ich überlegt, wie man ein neues Fabelwesen erschaffen könnte. Funktioniert das überhaupt? Plötzlich hatte ich die Idee zu einem: "Pelzfels". Ich fand das so absurd und bescheuert, dass der Rest einfach nachkam.

Was ist ein "Pelzfels"?

Der "Pelzfels" ist so groß wie ein Kaninchen, hat aber weder Gliedmaßen noch ein Gesicht. Eigentlich hat er nichts, was erkennen lassen würde, dass er ein Lebewesen ist. Er wirkt wie ein behaarter Stein, daher der Name.

Spielst Du selbst einen Hirsch oder einen Mensch, der sich bloß als Hirsch ausgibt?

Ich betrachte ihn als Hirsch. Ob es in dem Universum, das ich da geschaffen habe, überhaupt Menschen gibt, bleibt offen. Man sieht sie nie.

Die Künstlerfrage: Wie viel von Dir steckt in diesem Hirsch?

Sehr viel. Die Folgen beruhen auf meinen Ideen oder Witzen. Das sind Themen, die ich in meinem Umfeld gerne anspreche, manchmal ungewöhnliche. Alles, was in der Serie vorkommt, habe ich schon mal so gesagt - ob ernst gemeint oder nicht.

Wie erklärst Du Deinem Umfeld, was für eine Serie "Himmel, Arsch & Zwirn" ist?

Auf Facebook habe ich sie als "Seifenoper" beschrieben, weil sie sehr "clean" gehalten ist: Es gibt keine Farbkorrektur, keine Schnitte und nur eine einzige, statische Kameraeinstellung - wie in einer Soap. Gezeigt wird der normale Alltag von zwei Personen. Wenn die Leute dann fragen, was für Personen das sind, sage ich immer: Das kann ich nicht verraten, sonst geht der Witz verloren. Dann haken sie nicht mehr nach.

Was waren Deine Vorbilder? Das Ganze erinnert zum Beispiel ein wenig an "Rabbits" von David Lynch.

Stimmt - aber das war es höchstens unterbewusst. Es gibt natürlich einen Haufen Vorbilder, Sachen wie "Bernd das Brot". Dieser Charakter ist ungewöhnlich. Ich schaue selbst gerne Serien, wie den "Tatortreiniger". Da gibt es nur ein Setting, wenig passiert, eigentlich wird nur geredet. In "Himmel, Arsch und Zwirn" ist das ja ähnlich. Der Ort bleibt, die Folgen unterscheiden sich nur im Thema.

Im Prinzip wäre Deine Serie dann ja wie für die Bühne gemacht.

Stimmt, das könne man eigentlich machen. Das Ganze als Live-Performance. Wäre glaube ich witzig.

Wir wird es nun weitergehen?

Ich habe "Himmel, Arsch & Zwirn" lange vorbereitet und an einem Tag schließlich alle Folgen abgedreht. Den Text kannte ich in und auswendig, teilweise ist er auch improvisiert. Es gibt auch rund 20 Videos als Bonusmaterial. Das gehört nicht explizit zur Serie, aber in dieselbe Welt.

Ob ich mit der Serie weitermachen werde, weiß ich noch nicht. Würde ich weitere Folgen drehen, wäre das mehr vom Gleichen und ein bisschen öde. In einer zweiten Staffel müsste etwas komplett Neues her.

Zur Person



Philip Jan Krajewski ist 24 Jahre alt. An der Uni Freiburg studiert er Kunstgeschichte im bald siebten Semester.

Webserie: Himmel, Arsch & Zwirn



Mehr dazu:

[Fotos: Philip Jan Krajewski]