Sind Drohnen-Attacken auch im Schwarzwald-Stadion möglich?

Martin Herceg

Weil beim EM-Quali-Spiel zwischen Serbien und Albanien eine Drohne mit provokantem Banner durchs Stadion schwebte, brach eine Prügelei zwischen Fans und Spielern aus. Die Folge: Spielabbruch! Theoretisch wäre ein ähnliches Szenario auch bei einem Spiel des SC Freiburg möglich:



Ferngesteuerte Drohnen sind spottbillig: "Mit 200 Euro in der Tasche bekommt man im Internet ein Outdoor geeignetes Fluggerät", sagt Modellflug-Experte Otto Köddermann. Seit 1983 leitet er die Deutsche Modellsport Organisation in Wuppertal. Mit unbemannten Flugobjekten kennt er sich aus. Die Drohne, die in Serbien im Einsatz war, ist laut Köddermann eine "DJI Phantom". Das Modell gibt es in diversen Online-Shops für unter 1000 Euro.


Die Phantom-Drohne kann bis zu 500 Gramm Gewicht transportieren und hat dank leistungsfähiger Akkus eine maximale Flugdauer von 30 Minuten. Eine Fahne oder eine Kamera daran zu montieren ist kein Problem. "Das besondere an der Phantom-Drohne ist die simple Steuerung", sagt Köddermann.

"Nach ein paar Übungsflügen, kann eigentlich jeder mit so einer Drohne durch die Gegend fliegen." Der Clou: Der Quadcopter kann aus bis zu zwei Kilometer Entfernung ferngesteuert werden und bis zu 300 Meter hoch fliegen - einen Flugschein braucht man dafür nicht.

Polizei: Drohnenattacke theoretisch auch in Freiburg möglich

"Bei so vielen Drohnen in Privatbesitz wundert es mich eigentlich, dass bislang so wenig passiert", sagt Stephan Eckenfels vom Polizeipräsidium Freiburg. Theoretisch sei auch bei einem Heimspiel des SC Freiburg ein Drohnenflug ins Stadion möglich. "Verhindern lässt sich das nur schwer", so Eckenfels.

Ist eine Drohne erst einmal in der Luft kann die Polizei nur wenig unternehmen: "Die Drohne per Schusswaffengebrauch vom Himmel zu holen, geht nicht, da wir dadurch ja die Gesundheit der Menschen, die sich darunter befinden, gefährden." Eigentlich könne nur ein geschlossenes Stadiondach für absolute Sicherheit sorgen. "Das hätte dann aber nicht mehr viel mit Freiluftsport zu tun", so Eckenfels.

Um eine Drohne ins Schwarzwald-Stadion zu steuern, müsste sich der Pilot allerdings außerhalb der Arena positionieren und das Fluggerät über eine Onboard-Kamera steuern. "Die Sicherheitskontrollen an den Stadioneingängen sind streng. Eine Drohne, die in der Lage ist eine Fahne zu transportieren, auf die Tribüne zu bekommen ist eigentlich unmöglich", so Eckenfels.

Klar ist auch, dass ein unangemeldeter Drohnenflug während eines Fußballspiels illegal ist: Wer eine Drohne ohne ausdrückliche Genehmigung durch die Landesbehörde für Luftfahrt über bewohntes Gebiet oder Menschenansammlungen lenkt, macht sich strafbar, sagt Eckenfels. Bis zu 50.000 Euro kann das Bußgeld für einen Verstoß gegen das Luftverkehrsgesetz betragen.

Nur Flüge in freigegebenen Lufträumen mit einer Flughöhe von 100 Metern sind ohne Flugschein und Genehmigung erlaubt. "Wenn dann auch noch eine Kamera, oder ein politisches Statement in Form von einer provokanten Fahne an der Drohne befestigt sind, kann es noch teurer werden", so Eckenfels.

SC Freiburg sieht keine neue Gefahr aus der Luft

Beim SC Freiburg gibt man sich derweil gelassen. "Wir glauben nicht, dass jetzt plötzlich Drohnen mit irgendwelchen politischen Statements bei unseren Heimspielen für Abbrüche sorgen", so der stellvertretende SC-Pressesprecher Sascha Glunk. Der SC habe erst ein Mal Kontakt mit einer Drohne gehabt. "Da hat der SWR uns im Trainingslager von oben gefilmt – allerdings mit Genehmigung", so Glunk. Die aufkommende Debatte um Drohnen-Attacken in der Bundesliga hält Glunk für übertrieben: "Ich glaube es gibt da ernsthaftere Probleme in Stadien, als mögliche Drohnenflüge."

Außerdem stellt sich die Frage: Welches politische Statement soll eine Drohne ins Stadion an der Dreisam transportieren? "Wir sind Finke", "Nieder mit den Schwaben", oder "Wolfswinkel - nein danke"?


In Serbien sorgte diese Drohen jüngst für einen Spielabbruch in der EM-Quali.

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[Fotos: Carlotta Huber/Martin Herceg/dpa] [Montage: Daniel Laufer]