Stühlinger Kirchplatz

Sexuelle Nötigung am Stühlinger Kirchplatz: Verfahren eingestellt

Yvonne Weik

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat das Verfahren gegen drei Männer eingestellt. Der Vorwurf, dass sie im Oktober am Stühlinger Kirchplatz Frauen belästigt haben, bestätigte sich nicht. Der Vorfall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelte wegen sexueller Nötigung von zwei Frauen und gefährlicher Körperverletzung. Die drei Männer, die zwischen 18 und 20 Jahre alt sind und gambische Staatsangehörige sind, bestritten die Tatvorwürfe von Anfang an.


Zeugen oder sonstige objektive Beweismittel wie Videoaufnahmen oder beispielsweise Verletzungen gibt es laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft nicht, nur die Angaben der zwei betroffenen Frauen. "Es steht Aussage gegen Aussage", sagt Michael Mächtel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg.

Die 21-Jährige und die 29-Jährige hätten laut Mächtel unterschiedliche Aussagen gemacht, sowohl zur Vorgeschichte als auch zum Ablauf und Verlauf der angeblichen Tat.

Widersprüchliche Aussagen – und keine Beweise auf Überwachungskameras

Anfangs teilten die Frauen mit, dass ein zur Hilfe eilender Radfahrer von den angeblichen Tätern angegriffen worden sei. Der Mann konnte trotz Öffentlichkeitsaufruf nicht ermittelt werden. "Wenn es ihn überhaupt gegeben hat, daran haben wir Zweifel", sagt Mächtel.

Auch die ausgewerteten Videosequenzen der Überwachungskamera eines Supermarkts, der direkt an den Stühlinger Kirchplatz angrenzt, konnten die Aussagen der Geschädigten nicht stützen. Mächtel betonte, dass zunächst jedem Opfer von sexueller Gewalt geglaubt werde. "Aber wir wissen nicht, wie es wirklich war", sagt er. Da Zeugen und objektive Beweise fehlen, wird das Verfahren mangels hinreichender Verurteilungswahrscheinlichkeit eingestellt. "Jeder Richter wird in diesem Fall sagen: Das reicht nicht für eine Verurteilung", erklärt Mächtel.

Die Tatvorwürfe sorgten für Diskussionen in Freiburg. Verwirrung stifteten zudem unterschiedliche Mitteilungen zweier Polizeibehörden. Während die Freiburger Polizei am Dienstag von drei Verdächtigen gesprochen hatte, teilte die Bundespolizei Potsdam einem Berliner Journalisten mit, dass die Frauen von einer 17-köpfigen Gruppe begrapscht worden seien. Diese Information verbreiteten Medien rasant.

Freiburg wurde zum zweiten Köln, wo es Silvester 2015 massenhaft sexuelle Attacken auf Frauen gegeben hatte. Das löste große Diskussionen aus – über ein mögliches Versagen der Polizei und das Verhalten von Flüchtlingen.

Mehr zum Thema: