Seminar: Landwirt werden leicht gemacht

Ruben Sakowsky

Arbeiten auf dem Bauernhof: viel frische Luft, körperliche Arbeit und garantiert keine viereckigen Augen vom Bildschirmstarren. So zumindest das Idyll. Die Badische Landjugend möchte jungen Menschen das Landleben schmackhaft machen. Auf einem Seminar in Bollschweil können Schüler Anfang September herausfinden, ob die so genannten Grünen Berufe rund um die Land- und Forstwirtschaft zu ihnen passen.



Schülern, die sich für die so genannten Grünen Berufe interessieren, also Landwirt, Forstwirt, Winzer, Gärtner, Pferdewirt oder Hauswirtschafter werden möchten, bieten der Bund Badische Landjugend (BBL) und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband Anfang September ein Seminar zur Berufsorientierung an.


Auf dem Seminarprogramm stehen Besichtigungen von verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben und einem Weingut sowie Gespräche mit Referenten, die von ihren Berufen in der Landwirtschaft berichten. Zu Beginn und zum Abschluss des Seminars ist eine Gesprächsrunde mit den Eltern geplant.

Der BBL, ein Verband, in dem Jugendvereine aus dem ländlichen Raum und junge Landwirte organisiert sind, möchte mit der Veranstaltung nicht nur Nachwuchs gewinnen, sondern auch Werbung für die Landwirtschaft machen. fudder hat mit dem Geschäftsführer Stefan Vogel gesprochen.



Herr Vogel, was sind überhaupt Grüne Berufe?

Stefan Vogel: Grüne Berufe sind Lehrberufe im Bereich der Land-, Haus- und Forstwirtschaft sowie im Garten- und Weinbau. Auch spezielle Berufe wie Fischwirt und Pferdewirt sind dabei. Diese Arbeitsfelder sind sehr vielfältig und man sollte verschiedene Dinge mitbringen: Zum Beispiel die Bereitschaft, körperlich und im Freien zu arbeiten. Auch sollte man handwerklich begabt sein und schon mal etwas reparieren können. Man sollte sich außerdem für biologische Abläufe interessieren und gut mit Tieren und Menschen umgehen können.

Sind diese Berufe überhaupt noch attraktiv für Jugendliche?

Ich denke, dass gerade die Landwirtschaft auch in Zukunft jungen Menschen viele Möglichkeiten bietet. Derzeit sorgt beispielsweise der steigende Ölpreis dafür, dass der Warentransport teurer wird und die Märkte regionalisiert werden. Das ist eine große Chance für Landwirte aus der Region. Was junge Leute angeht, ist unser Anliegen aber viel grundlegender: Viele Jugendliche wissen gar nicht mehr, wo ihr Essen eigentlich herkommt. Da gibt es ein verzerrtes Bild von der Landwirtschaft.

 



Hat die Landwirtschaft ein Imageproblem?

Die Landwirtschaft wird häufig nur noch als Störfaktor wahrgenommen. Den Menschen ist oft gar nicht bewusst, dass die miefenden Traktoren auf den Landstraßen dafür sorgen, dass es etwas zu essen gibt. Diese Entfremdung liegt auch daran, dass solche Dinge im Unterricht und in den Elternhäusern oft nicht mehr vermittelt werden. Dem treten wir mit Projekten wie „Schüler auf dem Bauernhof“ entgegen, in dessen Rahmen wir mit den Schulen jedes Jahr Bauernhof-Besuche für rund 10.000 Schüler organisieren. Oder aber wir richten uns, wie jetzt mit dem dreitägigen Seminar, direkt an den Nachwuchs.

Woher weiß ich, ob das Seminar etwas für mich ist?

Das Seminar richtet sich an alle Jugendliche, die sich Gedanken darüber machen, welchen Beruf sie einmal ausüben möchten. Das sind meistens Schüler, die kurz vor dem Schulabschluss stehen. Das können also eher jüngere Hauptschüler oder entsprechend ältere Realschüler sein. Wir möchten aber ausdrücklich auch Gymnasiasten ansprechen, die Lust haben, etwas Neues auszuprobieren.

Mehr dazu:

Web: Bund Badische Landjugend

Was:
Seminar zur Berufsorientierung
Wann: Montag, 1. bis Mittwoch, 3. September 2008
Wo: Landvolkshochschule St. Ulrich in Bollschweil
Kosten: 45 Euro (inklusive Übernachtung und Verpflegung)