Selbstversuch: So funktioniert der Rasante Orientierungslauf in Freiburg

Sarah Metzger

Mit dem Rasanten Orientierungslauf Freiburg ("ROLF") gibt es zum ersten Mal einen regelmäßigen Orientierungslauf in und um Freiburg. Am Sonntag fand die zweite Ausgabe im Sternwald statt. fudder-Autorin Sarah Metzger war dabei.

Es ist Sonntagmorgen, knapp 30 Grad – und ich stehe auf der kleinen Insel im Waldsee und finde die Zange nicht. Die Zange ist Teil des Checkpoints "Ewige Liebe zu ROLF" und das hier ist mein erster Orientierungslauf.


Das Prinzip dieser Sportart ist einfach: Kurz vor dem Lauf bekommen alle Teilnehmer einen Laufzettel mit Checkpoints und eine topographische Karte, anhand derer sie sich im Gelände orientieren müssen.

Wer die meisten Checkpoints erreicht, gewinnt

Im klassischen Orientierungslauf müssen alle Checkpoints in einer vorgegebenen Reihenfolge abgelaufen werden, und es gewinnt, wer das am schnellsten schafft. Bei diesem Lauf im Sternwald gilt das allerdings nicht. Statt der Strecke ist hier die Zeit vorgegeben: Wer in einer Stunde die meisten Checkpoints erreicht hat gewinnt.

"Durch diesen Modus kann jeder sein eigenes Tempo laufen. Dadurch ist der Lauf für Spaziergänger und Profiläufer gleichermaßen geeignet", erklärt mir Lukas Paulun. Der Freiburger Student hat Orientierungslauf in Neuseeland kennen gelernt und den ROLF ins Leben gerufen.

Ich habe das Orientierungsgefühl eines blinden Feldhamsters

Bunt gemischt ist das Teilnehmerfeld an diesem Morgen tatsächlich: Der jüngste der gut vierzig Teilnehmer ist maximal ein halbes Jahr alt und sitzt in der Bauchtrage seiner Mutter, der älteste Mitte Fünfzig. Dazwischen finden sich zwei Familien mit Schulkindern, Marathonläufer und sogar erfahrene Orientierungsläufer und sehr, sehr viele studierende Freizeitläufer wie ich.

Mit dem Startsignal laufen alle in unterschiedliche Richtungen los – ein weiterer Vorteil dieses Modus, denn da jeder seine eigene Strecke läuft kann man nicht einfach dem Vordermann nachlaufen. Für mich als Orientierungslauf-Neuling mit dem Orientierungsgefühl eines blinden Feldhamsters wird das aber ziemlich schnell zum Nachteil.

Manchmal bleibt nichts anderes, als auf Gut Glück weiterzulaufen

Ich stehe im Wald und weiß nicht mehr wo ich bin. Das Gewirr aus Wegen und Höhenlinien auf meiner Karte hilf mir wenig: Es fehlen markante Punkte, an denen ich meine Position festmachen könnte. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als auf gut Glück weiterzulaufen.

Und tatsächlich finde ich mich auf der Karte wieder, als ich über ein kleines Rinnsal springe. Jetzt im Sommer ist es fast trocken und kaum als solches zu erkennen, aber bei Regen scheint es so groß zu werden, dass es tatsächlich in meiner Karte eingezeichnet ist.

Der erste Checkpoint hängt an einer Wurzel

Ich biege noch um eine Kurve und erreiche meinen ersten Checkpoint mit dem pragmatischen Namen "Wurzel". Mit einer roten Zange, die an eben dieser Wurzel hängt, stanze ich ein Lochmuster in meinen Zettel und laufe dann weiter in Richtung Waldsee.


Dabei habe ich alle Hände voll zu tun um auf Wege, Hinweise und Checkpoints zu achten. Außerdem merke ich ziemlich schnell, dass sich Kartenlesen und Bergauf-Rennen nicht besonders gut vertragen: Eine querliegende Wurzel reicht, und ich lande längs auf dem weichen Waldboden. Fortan halte ich also lieber an um mich zu orientieren und brauche deswegen ein bisschen länger, um zum Waldsee zu kommen – dem entferntesten Ziel auf meiner Strecke.

Die Zange am Waldsee ist nicht auffindbar

Und da steh ich nun auf dieser kleinen Insel mit dem Pavillon und finde den Checkpoint nicht. Auch keiner der anderen Teilnehmer, die in der Zwischenzeit ankommen und prompt bei der Suche helfen, können die rote Zange entdecken. So mache ich stattdessen ein Foto vom See und muss dann auch schon zurück.

Eine der größten Herausforderungen bei diesem Modus ist es, die vorgegebene Zeit einzuhalten, denn jede Minute mehr gibt Abzug. Also spute ich mich auf dem Rückweg, erkläre aber natürlich trotzdem den vielen fragenden Läufern und Spaziergängern unterwegs "was wir denn alle mit den Zetteln da machen".

In Skandinavien ist der Orientierungslauf Volkssport

Orientierungslauf ist in Deutschland immer noch ein Nischensport und kaum bekannt. In Skandinavien, wo er im 19. Jahrhundert entstand, ist Orientierungslauf hingegen längst Volkssport und an Wettkämpfen nehmen regelmäßig mehrere Tausend Teilnehmer statt. Die müssen neben körperlicher Fitness vor allem ein hohes Maß an Konzentration mitbringen.

Und das fällt mir nach einer knappen Stunde im fast schon tropisch warmen Wald zunehmend schwerer. Obwohl ich einen guten Teil der Strecke schon vom Hinweg kenne brauche ich noch eine ganze Weile, um zum Startpunkt zurück zu finden. Gerade rechtzeitig vor Schluss komme ich wieder am Wasserschloss an, und auch die anderen Läufer und Teams kommen nach und nach aus allen Richtungen.

Um den Wettbewerb geht es nicht wirklich

Die Zange am Waldsee hat niemand gefunden - aber wirklich schlimm findet das auch Keiner. Überhaupt ist der Wettbewerbsgedanke bei diesem Orientierungslauf nicht entscheidend. Die Zeiten und Punkte werden fast eher der Form halber notiert. Erschöpft und mit einem kühlen Bier oder Eis ausgestattet genießen wir alle den Blick auf Freiburg – und schmieden bereits Pläne für den nächsten Lauf.
Der nächste Orientierungslauf in Freiburg findet am 1. Juli bei der Zähringer Burg und im Wildtal statt. Treffpunkt ist auf dem Waldspielplatz Zähringen um 11 Uhr.