Brauerei Ganter

Selbstversuch als Oktoberfest-Bedienung in Freiburg

Sandra Henning

Beim Ganter-Oktoberfest müssen Bedienungen kräftig zupacken und gut gelaunt sein. BZ-Mitarbeiterin Sandra Henning half für ein paar Stunden mit – und hat Respekt vor der Leistung der Bedienungen.

Ob auf der Münchner Wiesn oder dem Stuttgarter Wasen – es sieht eigentlich ganz einfach aus: Stets gut gelaunt und lächelnd drängen die Bedienungen in Dirndl und Lederhosen durch die Reihen, tragen Maßkrüge und Hähnchenteller notfalls am ausgestreckten Arm über ihren Köpfen. Wie viel Anstrengung dahinter steckt, testete BZ-Mitarbeiterin Sandra Hennig und mischte sich dafür für ein paar Stunden unter die Bedienungen beim Oktoberfest der Brauerei Ganter.


Der "Orderman" erspart das Kopfrechnen

"Rechts Getränke, links Essen", erklären mir Toni Schlegel und Bela Gurath, zwei der Organisatoren des Ganter-Oktoberfests, am Mittwochabend hinter den Kulissen. Aufmerksam beobachte ich meine neuen Kolleginnen, wie sie wieselflink zwischen Bänken und Tischen verschwinden und nur wenige Augenblicke später wieder einsatzbereit sind.

Meine größte Sorge, als Bedienung an diesem Abend kopfrechnen zu müssen, bestätigt sich zum Vorteil aller Beteiligten nicht: "Das machen die Mädels mit dem Orderman", sagt Toni Schlegel, Geschäftsführer des Ganter Brauereiausschanks am Münsterplatz und Festwirt beim Oktoberfest.

Dank des sogenannten Ordermans, einem kleinen Gerät, das die Bestellungen aufnimmt, werden die Bons tischweise direkt in der Küche ausgedruckt. "So beschleunigen wir die Vorgänge", erklärt Schlegel. "Die einen laufen und bedienen, die anderen nehmen die Bestellungen auf und kassieren." Letztere seien aber alles Bedienungen, die bereits Erfahrung mitbringen, "die wissen auch, wie sie mit den Gästen nach der zweiten Maß umzugehen haben".

Um 18 Uhr soll es dann soweit sein: In Reih und Glied mit zwei Dutzend anderen Bedienungen bin ich als kompletter Gastronomie-Neuling vorne in der Schlange angekommen. "Service!" ruft es vom Tresen, mein Kommando zum Einsatz. Doch erstmal überhöre ich die Aufforderung wegen der Reizüberflutung: Tischnummern! Laufwege! Alles soll ich mir merken. Netterweise tippt mich ein Kollege von hinten an: "Du bist dran", sagt er.

Begleitet von den aufmunternden Lächeln Schlegels und Guraths und mit der Maß in der Hand bahne ich mir zum ersten Mal meinen Weg. Tisch 74 ist das Ziel – der Blick schweift nur kurz über die Übersichtskarte der Tischnummern, ich gebe die Maß ab, über Umwege findet sie ihren Besitzer: geschafft. Ein schnelles "Zum Wohlsein", und schon stehe ich wieder in die Reihe.

Im vergangenen Jahr gingen innerhalb von zehn Tagen 15.000 Liter Festbier über den Tresen – macht knapp zwei Maß pro Besucher. Als Bedienungs-Neuling beginnt man in den kurzen Augenblicken, in denen man auf den nächsten Einsatz wartet, zu überlegen: 15.000 Maßkrüge, die finden nicht alleine den Weg zum Gast. Die zurückgelegten Meter und Kilometer machen sich bemerkbar: Nicht nur die Arme, auch die Beine werden durch das zügige Hin und Her schnell ganz schön müde.

Wie trägt man acht Maßkrüge auf einmal?

Nach einer halben Stunde wird’s ehrgeiziger: Mit je zwei Maß rechts und links laufe ich stolz zum Tisch 54, als Kollegin Sabrina Hauser mit gleich acht Krügen vorbeiflitzt. Acht! "Ich zeig’ dir gleich, wie du mehr tragen kannst", ruft sie im Vorbeigehen. Gesagt, getan: Zwei Minuten später stehen wir zusammen an einem Tisch ganz hinten, zehn Krüge vor uns. Also: Sechs in einem Kreis mit der rechten Hand, einer auf die Henkel in der Mitte gestellt und drei in die linke Hand – "dann legst du den linken Arm um die sechs anderen Krüge und drückst das ganze Paket gegen den Körper", erklärt mir die 31-Jährige, die quasi als Nebenerwerbs profi seit Jahren in der Gastronomie tätig ist. Ich greife, ich halte, ich drücke, – ganze zehn Sekunden halte ich die zehn Krüge, die zusammen zwölf Kilo wiegen. Gefüllt wären es 22 Kilo – aber ich bin ziemlich sicher, dass sie mit mir nicht am Tisch angekommen wären.

Als die Gäste beginnen, auf den Bierbänken zur Livemusik zu tanzen, überlasse ich das Geschäft den Profis. "Jetzt wird es auch hektischer", weiß Sabrina Hauser, "sobald die Leute auf den Bänken stehen, muss man sich durch die Gänge drücken." Doch heute gibt’s keine Wunden, keine zerbrochenen Krüge und keine Hähnchen, die nochmal Fliegen lernen wollten. Beim Gehen denke ich, das war ein schöner Abend in einem Team, das vor positiver Energie nur so strotzt.

Was bleibt? Großer Respekt für all die, die in höchstem Tempo so anstrengende Arbeit machen, und das mit einem Lächeln, auch zu später Stunde. Und mir bleibt ein großer Muskelkater zwischen Daumen und Zeigefinger.
Termin

Oktoberfest der Brauerei Ganter noch bis zum Sonntag, 2. Oktober, täglich von 17 bis 23 Uhr. Eventuell gibt es noch Restplätze, Reservierungen sind möglich unter ticket@ganter-oktoberfest.de,

Tel. 0761/21440641

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