Jubiläum

Seit 50 Jahren wohnen Studierende im Collegium Sapientiae

Jonas Volkert

Im Collegium Sapientiae wohnen etwa 100 Studierende verschiedener Konfessionen. Getragen wird das Wohnheim von der Erzdiözese Freiburg – und die Miete beträgt gerade einmal 255 Euro.

Bierverkostungen, zusammen neue Folgen der US-Serie "Game of Thrones" gucken oder den neu angelegten Garten pflegen: Die Liste der möglichen Aktivitäten ist lang im Collegium Sapientiae ("Haus der Weisheit") an der Lorettostraße. Die Bewohner selbst bieten untereinander in sogenannten Tutoraten Projekte an, die das Zusammenleben bereichern sollen. In diesem Jahr wird in dem von der Erzdiözese Freiburg getragenen Wohnheim 50. Geburtstag gefeiert.


Die Miete beträgt 255 Euro

Miriam Kempkens kommt vom Bodensee und studiert Mathematik und Geografie auf Lehramt. Früher wohnte sie in einer Wohngemeinschaft. "Das war aber eher eine Zweckgemeinschaft." Ihr habe das Gemeinschaftsgefühl gefehlt, "das ist hier gerade das Schöne", sagt sie. Seit zwei Semestern wohnt sie im "CS". Medizinstudentin Katja Friedrich, die schon seit März 2013 dort lebt, hat bereits selbst eines der Tutorate geleitet, einen Literaturkreis. "Da haben wir zum Beispiel einen Roman von Daniel Kehlmann gelesen."

Die maximale Wohndauer beträgt eigentlich sechs Semester, kann laut Heimleiter Georg Rams aber auf zehn Semester ausgedehnt werden – "wenn die Bewohner sich aktiv einbringen und beispielsweise Tutorate veranstalten". Die Miete für ein Zimmer beträgt 255 Euro.

"Wir wollen die Pluralität der Studierendenschaft abbilden." Heimleiter Georg Rams
Der Andrang auf die Plätze im Wohnheim ist groß. Im kommenden Wintersemester werden etwa 25 Plätze frei. "Das ist auch der Durchschnitt", so Rams. Anfragen kämen in der Regel aber 60 bis 70 pro Semester. "Bei uns läuft die Auswahl der Bewohner etwas anders als in anderen Wohnheimen", berichtet Rams. Potentielle Bewohner müssen sich schriftlich bewerben – samt Lebenslauf und Motivationsschreiben.

Welcher Religion oder ob man überhaupt einer Religion angehört, spiele bei der Auswahl der künftigen Bewohner aber nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn man seine Konfession bei der Bewerbung angeben soll. "Wir wollen die Pluralität der Studierendenschaft abbilden", sagt Rams.

Der jüngste Bewohner kam an Weihnachten zur Welt

In dem Gebäudekomplex, der der Erzdiözese gehört, hat auch die Verwaltung der Katholischen Hochschulgemeinde ihren Sitz. Studierende haben jeden Mittwochabend die Möglichkeit, Gottesdienste in der hauseigenen Kapelle zu besuchen und an Taizé-Gebeten teilzunehmen. Vor allem zur Adventszeit gibt es auch Morgengebete. "Ganz schön erstaunlich, wie gut besucht die manchmal an einem Dienstagmorgen um 6.30 Uhr sind", findet Benjamin Torn, der Mittelalterliche Geschichte studiert.

Die Geschichte des "Collegium Sapientiae" reicht weit zurück: 1497 gründete Münsterpfarrer Johannes Kerer eine Burse an der Herrenstraße für Studenten mit kleinem Budget und nannte das Wohnheim "Collegium Sapientiae", übersetzt heißt es "Haus der Weisheit’". Die Burse bestand bis 1775. Als Wohnheim an der Lorettostraße gibt es das Collegium Sapientiae seit dem Wintersemester 1967, vor knapp 15 Jahren wurde das Gebäude komplett renoviert. Im Laufe der Zeit haben laut Rams etwa 2500 Studierende im Haus in der Unterwiehre gewohnt.

Zurzeit leben rund 100 Bewohner in den zwei Flügeln des Gebäudes. Bis 1991 mussten Frauen und Männer noch getrennt wohnen. "Das gab damals ganz schöne Diskussionen", berichtet Rams. Heute sei eine solche Aufteilung undenkbar – auch wenn die Gebäudeteile noch immer "H- und D-Flügel" genannt werden. 15 bis 17 Studierende wohnen auf einem Flur, teilen sich Küche und Bad. "Richtig Knatsch gibt’s aber selten, die Leute hier haben eine offene Einstellung", berichtet Benjamin Torn. "Es hilft wahrscheinlich auch, dass jeder sein eigenes Waschbecken im Zimmer hat", fügt Katja Friedrich an und lacht.

Seit Kurzem gibt es auch die erste Familie im Haus. In einem Apartment im oberen Teil des Gebäudes wohnen zwei Studierende mit dem jüngsten Bewohner des katholischen Wohnheims. Passend: Das Kind kam an Weihnachten 2016 zur Welt.