Sebastian Margenfeld setzt sich für gefolterte Hunde in Asien ein – und vermittelt sie in Freiburg

Sarah Röser

Sebastian Margenfeld kickt beim FC Denzlingen und ist eigentlich Physiotherapeut. Ende 2016 gründete der Fußballer "Animal Hope & Wellness e.V.", um misshandelten Hunden aus Asien zu helfen. fudder-Autorin Sarah Röser sprach mit ihm.

Sie werden bei lebendigem Leib tot geprügelt oder verbrannt: Hunde in asiatischen Schlachthäusern. Anfangs wollte Verbandsliga-Kicker Sebastian Margenfeld nur Geld spenden – jetzt reist er selbst nach China, um gerettete Hunde zu versorgen und in den Breisgau zu holen. Margenfeld opferte sein Geld und seine Zeit: Er gründete eine Organisation. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam.


Wie hast Du erfahren, dass Hunde in Asien für den Fleischhandel gefoltert und anschließend getötet werden?

Im Winter 2016 bin ich im Internet auf ein Video der amerikanischen Tierschutzorganisation Animal Hope & Wellness Foundation gestoßen. Da wird gezeigt, wie in China Hunde für das Hundefleisch-Festival in Yulin und den ganzjährigen Hundefleischhandel auf brutalste Weise gequält werden. Die Fleischhändler sind der Überzeugung, das Fleisch der Tiere werde durch Angst und Schmerz kurz vor ihrem Tod besser. Das Video zeigte mir, wie diese Lebewesen lebendig gehäutet, gekocht oder verbrannt werden - die schlimmsten Szenen, die ich je sah. Ich konnte tagelang kaum schlafen.

Wie kam es dann dazu, dass Du "Förderverein Animal Hope & Wellness e.V." gegründet hast?

Als ich an die Animal Hope & Wellness Foundation Amerika spenden wollte, merkte ich, dass es für Bewohner aus Deutschland auf Grund der Steuer komplizierter ist, Geld nach Amerika zu senden. Ich wollte dieses Problem lösen und hier ein leichteres Spenden ermöglichen. So kam mir Ende 2016 die Idee, den deutschen Förderverein Animal Hope & Wellness e.V zu gründen. Ich schlage die Brücke zwischen Deutschland und Asien.

Welche Ziele verfolgst Du mit Deiner gemeinnützigen Organisation?

Ich möchte aufklären und helfen: Denn in Deutschland gibt es keinen Förderverein für gefolterte Hunde in Asien. Nicht einmal große Umwelt- oder Tierschutzorganisationen klären uns mit diesen harten aber auch ehrlichen Bildern auf. Deshalb will ich uns die brutale Realität vor Augen führen und Aufmerksamkeit erzeugen. Hunde werden in asiatischen Schlachthäusern gefoltert und unter schlimmsten Bedingungen gefangen gehalten – bis sie sterben. Diese Wahrheit möchte ich publik machen. Und ich möchte den Hunden, die aus den Schlachthäusern befreit wurden, mit Spenden helfen. Sie benötigen zum Beispiel Mittel gegen Parasiten und Würmer.

Neben Aufklärungsarbeit und der Vermittlung von Spendengeldern – wie setzt Du dich noch ein?

Ich bin nach China geflogen, um auf einer Hunde-Auffangstation auszuhelfen. Dort sind knapp 400 Hunde untergebracht, die von Marc Ching, dem Gründer der Animal Hope & Wellness Foundation Amerika, gerettet wurden. Ich habe die Tiere gefüttert und bin mit ihnen Laufen gegangen. Die Helfer sind dort mit so vielen Dingen beschäftigt, ihnen bleibt kaum Zeit zum Gassi gehen.

Was hat Marc Ching noch bewirkt?

Marc Ching arbeitet in Asien undercover. So konnte er letztes Jahr 1000 Hunde befreien. Marc hat schon vieles bewirkt und das motiviert mich sehr. Mittlerweile hat er es sogar geschafft, Hunde-Schlachthäuser schließen zu lassen. Zum Teil sogar einvernehmlich mit den Betreibern: Statt einem Schlachthaus steht in Kambodscha jetzt ein vegetarisches Nudelrestaurant.

Denkst Du, es wären mehr Betreiber dazu bereit, ihre Schlachthäuser schließen zu lassen?

Es kommt drauf an. Einige Fleischhändler lassen mit sich reden, man muss nur wissen wie. Nicht das Beenden, sondern eine Umwandlung ihrer Betriebe, wie das Beispiel von Marc zeigt, wäre eine Option. Gemeinsam sollten Lösungen gefunden werden. Die Fleischhändler müssen sich bewusst werden, dass sie auch auf anderen Wegen Geld verdienen können – ohne das Quälen und Töten von Tieren. Die traurige Wahrheit ist aber: Ganz stoppen lässt sich dieser Handel noch nicht. Für einen toten Hund bekommt der Händler umgerechnet 100 Euro. Das für asiatische Verhältnisse eine Menge Geld.

Hast Du die Schlachthäuser auch schon vor Ort gesehen?

Nein. Menschen mit europäischem Aussehen werden gar nicht erst in die Nähe gelassen. Die Händler wissen schon, was jemand wie ich dort vorhaben könnte. Da bewegt man sich auf sehr gefährlichem Terrain. Helfen kann ich kann im Moment nur in den Auffangstationen vor Ort.

Du hast im Februar Hunde von solch einer Auffangstation nach Deutschland gebracht. Wie läuft die Hunde-Vermittlung in Freiburg ab?

Die Tiere werden Dank der Hilfe einer Flugpatin von Shanghai nach Frankfurt geflogen. Ich hole sie dann ab und vermittle sie zunächst an Pflegestellen in Freiburg und Umgebung. Dann kümmert sich die Pflegefamilie oder ich um eine Endstelle. In der Regel sind das zwei bis vier Hunde, die aus Asien zu uns in die Vermittlung kommen. Vorausgesetzt, wir haben eine verfügbare Pflegestelle und genügend finanzielle Mittel.
Sebastian Margenfeld (30) ist Physiotherapeut und Fußballer beim FC Denzlingen. Gemeinsam mit seiner Frau Janina Gill-Margenfeld hat er bereits zwei Hunde aus Spanien adoptiert. Im Februar hat das Ehepaar Zuwachs bekommen: Suki, eine befreite Hündin aus China.

Förderverein Animal Hope & Wellness e.V.Kontakt: info@animalhopeandwellness.de

Web: Animal Hope & WellnessSpenden: Per Bankeinzug unter http://animalhopeandwellness.de/de/spenden/ oder per SMS mit HOPE an die 81190 (5 Euro; mehr Infos auf http://animalhopeandwellness.de/de/spenden/

Adoptionsanfrage: http://animalhopeandwellness.de

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