Sea You 2014: Starkregen verursacht Mehrkosten für den Veranstalter

David Weigend

Die Regenfälle haben den Organisatoren des Sea-You-Festivals schwer zu schaffen gemacht. Sie reagierten vorbildlich, müssen nun aber deutlich mehr bezahlen, um wieder Ordnung herzustellen.



"Die ganze Sache war extrem arbeitsintensiv", sagt Robin Ebinger, der als Chef-Organisator für den Ablauf des ersten Sea-You-Festivals am Tunisee verantwortlich zeichnet (Interview mit Robin Ebinger: "Das Festival wird den Cosmopop-Stempel tragen", Dezember 2013). Freitag und Samstag verliefen relativ reibungslos, doch der Sonntag stellte wegen des Starkregens für die Veranstalter eine Herausforderung dar.


"Gegen 17 Uhr haben wir den Bay-Floor an der Südwestecke des Tunisees geschlossen und dafür gesorgt, dass alle Leute aufs Hauptgelände kommen", sagt Ebinger. Diese Maßnahme sei notwendig gewesen, um die Sicherheit der Gäste zu garantieren.

Die DJs Adam Port und Rampa mussten ihr Set abbrechen, auch Moonbootica konnten später nicht mehr auftreten. "Die Künstler und die meisten Gäste hatten aber volles Verständnis. Sicherheit geht vor", so Ebinger. Produktionsleiter Jan Schneider ergänzt: "Wir haben die windanfälligen Bauten und Flächen gesichert sowie Shuttlebusse in ausreichender Menge zum Ausgang bestellt."

Gewitterprognosen im Fünfminutentakt

Ein Meteorologe informierte die Veranstalter am Sonntagmittag vor Ort über die aktuelle Wetterlage – im Fünfminutentakt. " Gewitterzellen muss man sich vorstellen wie eine Popcorn-Maschine: Du weißt nie, wo das nächste Maiskorn aufplatzt", sagt Ebinger. Nach den Berechnungen des Fachmanns hätte ein schweres Unwetter das Festivalgelände treffen können. Für kurze Zeit stand die Frage im Raum, das Festival abzubrechen. Doch soweit kam es dann doch nicht.

Übers Wochenende verteilt besuchten etwa 15.000 Menschen das Sea You, das Gewitter am Sonntag verhagelte die Bilanz: Nur schätzungsweise 4000 bis 5000 Personen kamen am Sonntag. Für ein Fazit sei es noch zu früh, meint Ebinger. Er könne noch nicht einmal sagen, ob man bei Null herausgekommen sei. "Denn das Wetter hat jetzt beim Abbau einen erheblichen Mehraufwand verursacht. Das Gelände gleicht einer Schlammwüste. Einige Zelte haben in der vergangenen Nacht die Regenlast nicht mehr ausgehalten, auch Fahrzeuge gingen kaputt."

Cosmopop will weitermachen

Trotz des schwierigen Sea You-Debüts steht es für Ebinger und sein Cosmopop-Team fest, das Festival 2015 fortzuführen. In welcher Kapazität, bleibt abzuwarten. "Unsere Investitionen standen dieses Jahr Spitz auf Knopf." Einmal mehr zeigt sich: Das Gelände am Tunisee ist schön, aber schwer zu bespielen. Der logistische Aufwand ist hoch und teuer. Bereits 2013 meinte Koko-Chef Marc Oßwald, nachdem er die Vorgänger-Veranstaltung Sea of Love einmal organisiert hatte: "Wir haben ziemlich viel Geld verloren." Folgerichtig zog er sich als Veranstalter zurück.

Ob Cosmopop das Festival ausbaut oder auf zwei Tage abspeckt, wird wohl erst der Kassensturz nach der gestrigen Schlammschlacht entscheiden. Denkbar ist beides.

Die Polizei zieht nach der dreitägigen Techno-Sause eine recht zufriedene Bilanz und attestiert dem Veranstalter "hohe Kooperationsbereitschaft". Insgesamt registrierte die Polizei 73 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Davon handelte es sich allerdings in 59 Fällen um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz - bei einem Technofestival mit 15.000 Besuchern eine eher moderate Zahl.



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[Foto: Miroslav Dakov]