Schulden - ein Thema für Schulen?

Anja Bochtler

Manche Jugendliche lernen in der Familie den Umgang mit Geld - andere aber nicht. Sollten Schulen Finanzerziehung anbieten? Melanie Cuadros von der "Projektstelle Schuldenprävention" des Caritasverbands bietet darum Schulen Zusammenarbeit an. Doch das nutzen bisher wenige.

Wenn die Sozialpädagogin Melanie Cuadros (Bild rechts) neu in eine Klasse kommt, teilt sie Teilnehmerlisten  aus. Irgendwo  im Kleingedruckten auf der ersten Seite steht da die Einwilligung, dass sie das nächste Monatsgehalt oder Taschengeld bekommt.  Was passiert? Fast alle unterschreiben. Ein  Beispiel für die Fallen, die gerade für Jugendliche in einer immer komplexer werdenden Konsumgesellschaft lauern.


Es ist eine Erfahrung, die  auf die meisten Eindruck macht: Sie lesen nicht genau und unterschreiben einfach. Später kommt der Schock – und der ist oft so groß, dass viele Jugendliche  nicht mal auf die Idee kommen, sich zu wehren, nachzufragen, sich über ihre Rechte zu informieren.

An diesen Punkten setzt Melanie Cuadros an. Sie informiert über Fallen, die überall lauern und ständig mehr werden: Vom fragwürdigen Abovertrag im Internet über Phishing  beim Onlinebanking bis zur steigenden Zahl der Kreditinstitute, die immer mehr Kredite loswerden wollen – egal wie.

Vor allem aber regt sie Jugendliche an, sich damit auseinanderzusetzen, was Konsum und Geld für sie bedeuten und welche Kauftypen sie sind: Kaufen sie alles sofort, ohne nachzudenken? Versuchen sie, mit Konsum ihren Frust zu bekämpfen? Sparen sie? Wie und worauf? Melanie Cuadros  will rechtzeitig  ansetzen, wenn solche Fragen  relevant werden, zum Beispiel weil der erste Nebenjob oder das erste Ausbildungsgehalt anstehen. Das war von Anfang an die Idee der „Projektstelle Schuldenprävention“ des Caritasverbands, die 2008 mit einer Dreiviertelstelle eingerichtet wurde.  Als das Projekt im Frühling auslief, schrumpfte sie auf eine 400-Euro-Stelle. Das große Ziel aber bleibt trotz schlechter Bedingungen – möglichst viele zu erreichen, bevor es anfängt schief zu laufen.

Bisher ist das  nur ansatzweise gelungen: Mit vielen kommt Melanie Cuadros erst in Kontakt, wenn es brennt. Dann melden sich Sozialarbeiter oder Betreuer bei Berufsvorbereitungsjahren und Trainingsmaßnahmen  und sagen: „Wir haben junge Leute mit Schulden, wir brauchen Unterstützung.“  Bei ihren Gesprächen merkt Melanie Cuadros, wie unterschiedlich die Voraussetzungen von Jugendlichen sind, je nachdem, aus welcher Familie sie stammen. Manche haben früh ein  Girokonto und teilen ihr Geld ein. Andere bekommen daheim nicht mal  grundlegendste Dinge vermittelt.

Es gibt nur einen Weg, alle zu erreichen: an den Schulen. Doch von denen haben bisher die wenigsten Interesse am Angebot der Caritas gezeigt, obwohl Melanie Cuadros ihnen sowohl Infoveranstaltungen zu einzelnen Themen als auch „Gesamtpakete“ anbietet. Meist antworten die Schulen nicht mal, sagt sie. Etabliert hat sich die Zusammenarbeit bisher nur im Schulzentrum von Gertrud-Luckner-, Friedrich-Weinbrenner- und Edith-Stein-Gewerbeschule, an anderen Schulen gibt es einzelne Lehrer, in deren Klassen sie regelmäßig vorbeikommt. Sind die Schulen so überladen mit anderen Themen, dass keine Zeit bleibt? Andere Stellen, die sich auf die Aufklärung speziell von Schülern konzentrieren, gibt es laut Melanie Cuadros nicht.

Natürlich lässt die zurückhaltende Reaktion der Schulen nicht darauf schließen, dass Finanzkompetenz, die in den Lehrplänen verankert ist, im Schulalltag überhaupt nicht auftaucht. Doch auch die Resonanz auf eine  BZ-Umfrage war gering, von elf angefragten Schulen haben nur drei geantwortet. An der Hansjakob-Realschule in Haslach und am Theodor-Heuss-Gymnasium in St. Georgen  kümmern sich Gemeinschaftskundelehrer um das Thema, beide Schulen hatten Melanie Cuadros auch schon eingeladen. An der Albert-Schweitzer-Förderschule in Landwasser arbeiten alle Siebtklässler in Schülerfirmen mit und lernen so ganz praktisch den Umgang mit Geld. Auch in allen anderen Klassen taucht dort das Thema auf, zudem berät die Sozialarbeiterin einzelne Schüler bei Geldproblemen.

Mehr dazu:

Caritas Freiburg-Stadt
Herrenstraße 6, 79098 Freiburg
0761.31916-66 und -23
csd-schuldnerberatung@caritas-freiburg.de

[Fotos: Thomas Kunz, BZ; Dieser Text erscheint heute ebenfalls auf der 'Frisch gepresst'-Seite der Freiburger Lokalausgabe der Badischen Zeitung.]