Schick' Deiner Oma Deine Facebook-Updates per Post

Christoph Müller-Stoffels

Das Social Network Facebook hat nach eigenen Angaben mittlerweile 400 Millionen aktive Nutzer rund um den Globus. Für viele läuft die Kommunikation nur noch über Nachrichten und Statusmeldungen im Netzwerk. Und trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die dort kein Profil haben und deshalb von den Neuigkeiten anderer ausgeschlossen bleiben. Ein Dienst aus den USA will Abhilfe schaffen und verschickt Facebook-Updates ausgedruckt per Post.



Oma soll wissen, was man über Facebook verbreitet? Aber Oma ist nicht bei Facebook dabei? PostEgramhilft. „Der Dienst wurde für ältere Leute von ihren erwachsenen Kindern gegründet“, erläutert Judy Davids. „Die 30- bis 50-Jährigen veröffentlichen oft Fotos ihrer Kinder in ihrem Facebook-Status. Die Großeltern wollen genau diese Fotos sehen.“


Die Oma sieht dabei nur, was man selbst geschrieben hat. Kommentare werden nicht mit abgedruckt, auch aus Platzgründen. Allerdings kann man auch die Meldungen von Freunden integrieren, wobei klar ist: Je mehr Freunde, desto weniger Nachrichten von jedem einzelnen. Allerdings stehen durchaus zwölf Seiten für die Meldungen zur Verfügung.Die Kosten dafür variieren mit der Häufigkeit, mit der man seine Lieben mit den Facebook-Meldungen bedacht wissen möchte. Die günstigste Lösung ist, einen Vertrag über ein Jahr abzuschließen und nur monatlich die Post verschicken zu lassen. Das kostet knapp 54 US$. Allerdings sind auch Verträge über drei und sechs Monate im Angebot. Bei wöchentlichem Versand über drei Monate muss man gut 44 US$ berappen.

Das Unternehmen aus Detroit, Michigan, wurde erst vor vier Wochen von Davids und Ken Bloink gegründet und hat bereits fast 600 Kunden. „Bislang sind alle unsere Kunden aus den USA und Kanada, aber wir verschicken die PostEgrams auch in Länder wie Kenia. Natürlich würden wir Deutschland gerne hinzufügen, auch wenn die Post wohl mit einer Woche Verspätung eintreffen würde.“

Das sollte aber das kleinste Problem sein, denn in gewisser Weise ist die Idee paradox. Facebook ist darauf ausgerichtet, in jedem Moment darüber zu informieren, was in der Welt passiert, und sei diese Welt noch so klein. Selbst wöchentliche Updates führen diese Idee ad absurdum. Eben das macht viel vom Charme dieses Dienstes aus. Denn Leuten außerhalb der Facebook-Welt dürfte es egal sein, wie aktuell die Neuigkeiten sind.

Neben Senioren gibt es laut Davids noch eine andere Zielgruppe. „Wir versenden die PostEgrams auch an Leute im Militär und im Gefängnis. Einer unserer Kunden ist ein Patient mit Gehirnverletzungen, der lange im Krankenhaus bleiben wird. Die PostEgrams sind also nicht nur für die Oma, auch wenn die größte Empfängergruppe die über 62-Jährigen sind.“



Für die Oma bleibt zu hoffen, dass es nicht gerade die Enkelin im Teenageralter ist, die ihr das PostEgram zukommen lässt. Denn manche Statusmeldung, die von Jugendlichen in den Äther geschickt wird, könnte bei so manchem Senior zu einem mittleren Herzinfarkt führen. Oder zu völliger Verständnislosigkeit ob der Abkürzungen, Emoticons, Wortneuschöpfungen und elliptischen Sätze.

PostEgram ist ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht viele Menschen braucht, um ein Unternehmen auf den Weg zu schicken. Bislang arbeiten Davids und Bloink ohne weitere Hilfe, den Druck übernehmen andere Unternehmen. Sollte der Service erfolgreich sein, wird sich das wohl ändern, aber schon jetzt können die Gründer davon leben.

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