Schaufenster-TV in Freiburg

Markus Hofmann

Werbespots im Schaufenster: Freiburger Studenten möchten in den Schaufenstern von fast 20 Innenstadt-Geschäften Flachbildschirme aufstellen und dort Dauerwerbesendungen ausstrahlen. Ad-Screen nennt sich diese Werbeform, "Werbe Mit Uns" heißt die Firma, die mit dieser innovativen Geschäftsidee Geld verdienen will. In wenigen Tagen wird das Werbefernsehen erstmals in Freiburgs Einkaufstraßen zu sehen sein.



Das Schaufensterfernsehen funktioniert so: Freiburger Einzelhändler stellen "Werbe mit uns" eine ungenutzte Schaufensterfläche zur Verfügung. Dort deponiert das Studentenunternehmen Flachbildschirme (Foto-Monatage: unten), auf denen Dauerwerbesendungen ausgestrahlt werden - 24 Stunden täglich.


Die einzelnen Werbeclips, auf denen sich Freiburger Unternehmen mit konvertierten Powerpoint-Slides präsentieren können, dauern zwischen 5 und 30 Sekunden. Sie werden über einen DVD-Player eingespielt. Ein Clip soll mindestens alle zehn Minuten wiederholt werden. Redaktionelle Inhalte sind vorerst nicht geplant.

Nach den Worten von Firmengründer Gabriel Ploch (26, Foto oben links) sind gegenwärtig 18 Schaufenster-Locations vertraglich unter Dach und Fach. Zu Beginn des Testlaufs in der zweiten Novemberhälfte werden die Werbeclips unter anderem im Kinderschuhgeschäft Pross (Martinstor) sowie im Bettenfachgeschäft Traum Land (Merianstraße) zu sehen sein.

Neben solchen kleineren Einzelhändlern liegt laut Ploch auch die vertragliche Zusage von großen Locations wie dem Kaufland, dem Zentrum Oberwiehre (ZO) und dem Freiburger Hauptbahnhof vor. Der eigentliche Start ist für den 1. Januar vorgesehen. Bedingung: Es finden sich weitere Werbepartner, durch die sich die Investition in die teuren Flachbildschirme refinanzieren lässt.



Die Geschäftsidee hat Ploch, der Informatik studiert und in Zähringen einen PC-Notdienst betreibt, im Februar 2006 entwickelt. Am Amfang stand die Frage: "Wie kann man speziell für Existenzgründer eine bezahlbare und effektive Werbeplattform schaffen?"

Seit März arbeitet er mit Holger Hoppe (25, Germanistik, Foto rechts) an der Umsetzung. Hoppe glaubt, dass die Idee Erfolg haben kann: "Weil sie Unternehmen die Möglichkeit bietet, flächendeckend in der Innenstadt Werbung zu zeigen." Ein ähnliches Geschäftsmodell betreibt der Luzerner Ad-Screen-Spezialist Screen Image seit Dezember 2003 in der Schweiz - angeblich recht erfolgreich.

Dort sind die Flachbildschirme allerdings nicht auf der Straße, sondern in 50 hippen Bars und Clubs anzutreffen. Zahlen über das Geschäftsvolumen nennt Manuel Wyss, Inhaber von Screen Image, nicht. Nach seinen Worten habe sein Unternehmen aber bereits im dritten Quartal 2006 den geplanten Umsatz für das gesamte Jahr erreicht. Mittlerweile begegnet man Ad-Screen-Werbung in der Schweiz auch in Tankstellen, Bussen und öffentlichen Toiletten über dem Pissoir. Schaufensterwerbung in Einkaunfsstraßen scheitert in der Schweiz nach den Worten von Wyss an der komplizierten heterogenen Gesetzeslage der Kommunen.

Weniger lukrativ für den Betreiber sind die öffentlichen TV-Spots in Berlin, wo die Bewegtbilder in der U-Bahn auf mehr als 3700 Monitoren als Fahrgastfernsehen zu sehen sind. In der Hauptstadt hatte die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) in 2004 fast vier Millionen Euro Verlust mit seinem U-Bahn-Fernsehen erwirtschaftet, das unter anderem lokale Berliner Inhalte von N-TV und der Boulevardzeitung BZ ausstrahlt.

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