Studentisches Theater

Schall und Rauch zeigt "Jelena" von Michail Bulgakov

Stefan Mertlik

Die studentische Theatergruppe "Schall und Rauch" spielt am Wochenende das Stück "Jelena". Regisseur Jan Santner erzählt von der Entstehung und der Buchvorlage.

Eine dunkle Bedrohung nähert sich. Erst umschließt sie die Stadt, dann das Haus. Die Angst vor dem Unbekannten draußen treibt Jelena Turbin und ihre Geschwister immer weiter in den Wahnsinn. Das neue Stück der studentischen Theatergruppe "Schall und Rauch" ergründet, wie sich Menschen in Situationen verhalten, über die sie jede Kontrolle verloren haben. "Jelena – die Tage der Turbins" basiert auf der 1926 erschienenen Bühnenadaption von Michail Bulgakovs Roman "Die weiße Garde".


Doktorand Jan Santner (26), der zusammen mit Linguistik-Student Christian Feige (26) Regie führte, ist begeistert von der Geschichte: "Man kann unglaublich viel aus dem Stück ziehen, wenn man es seiner historisch-politischen Dimension entkleidet." Bulgakovs Roman spielt während der Oktoberrevolution. Santner und Feige wollten jedoch ein zeitloses Stück schaffen, weshalb aus einer militärischen, eine abstrakte Bedrohung wurde. Auf der Bühne stellen sie diese durch intensiver werdende Licht- und Soundeffekte dar.

Das Stück spielt nur an einem Ort

Auch wenn die "Schall und Rauch"-Version dem Original weitgehend treu bleibt, veränderten Santner und Feige einige Inhalte. Das sei der mangelnden Umsetzbarkeit auf der Bühne geschuldet. So gibt es beispielsweise keine Ortswechsel. Wie in einer Sitcom dreht sich alles um das Wohnzimmer der Turbins. Positiver Nebeneffekt: Die bewusste Entscheidung für ein Kammerspiel unterstreicht das Eingesperrtsein der Figuren.

"Texte sind ein Angebot des Autors", sagt Santner. Der Regisseur könne damit anstellen, was er möchte. So tauchen in "Jelena" nur neun der ursprünglich 23 Figuren auf. Die erste Fassung des Stücks stand bereits im Sommersemester 2016. Damals schrieb Santner noch alleine, tat sich für den zweiten Anlauf jedoch mit der "Maniacts"-Bekanntschaft Christian Feige zusammen. Im April 2019 begann die Theatergruppe mit den Proben.

In Deutschland sei eine Bühneninszenierung dieses Stoffs neu. Bei der Recherche habe Santner, der am deutsch-russischen Graduiertenkolleg promoviert, nur eine Aufführung aus den Siebzigerjahren gefunden. In der Sowjetunion war dies anders, wie Santner berichtet. Knapp tausendmal wurde das Stück aufgeführt. Josef Stalin soll ein so großer Fan gewesen sein, dass er sich die Vorführung angeblich 15 Mal ansah.
  • Was: Jelena – nach Michail Bulgakov: Die Tage der Turbins
  • Wann: 19. Juli bis 22. Juli, jeweils 20 Uhr
  • Wo: Theater Fistung (Friedrichstraße 39)
  • Karten: 4 EUR/6 EUR
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