SC nach Heimsieg auf Aufstiegsplatz

Clemens Geißler

Gegen insgesamt enttäuschende Rostocker gelang dem Team von Robin Dutt ein verdienter 1:0 Heimsieg. Der Sportclub dominierte dabei die ersten 45 Minuten klar, baute aber in Hälfte zwei merklich ab. Mit sieben Punkten nach drei Spielen ist man nun punktgleich mit Mainz und dem 1.FC Kaiserslautern auf Platz 3.



Der blau-weiß-rote Längsstreifen auf dem Trikot der Gäste erinnert an die Schärpe der Revolutionäre von 1789. Doch die hanseatischen Sansculotten zeigen sich zu Beginn wenig umtriebig. Ganz anders der Sportclub, der konsequent die Zweikämpfe sucht und auf den Gegner schiebt.


Schnell kann man die Feldüberlegenheit auch in Chancen ummünzen: In Minute 9 zwingt Uzomas wohl als Flanke gedachter Versuch Rostocks Goalie Hahnel zu einer ersten Parade. Das Publikum ist früh bei der Sache, wiewohl noch eingangs dargebotene Transparente eher auf fußballerische Rahmenbedingungen zielten: „Sonntag 12:30 Uhr? Ohne uns!“ stand dort zu lesen und wurde sogleich verbal an die „Fußballmafia DFB“ adressiert.

In der ersten Viertelstunde fliegen einige ganz brauchbare Flanken (Idrissou, Schwaab, Türker) durch den Gästestrafraum, nach Ecken steht es bereits 3:0. Zerknirscht muss die Ostsee-Journalie zugestehen, dass von ihrem versprochenen Angriffsfußball wenig zu sehen ist. Ein Akteur zieht besonders den Zorn auf sich: „Schau dir das an: Rathgeb, der Rathgeb, der is völlich von der Rolle“. Auch Christian Rahn auf links hat allzuoft das Nachsehen gegen Freiburgs Jäger. Nicht nur, dass er dessen Tempo nicht mitgehen kann, fällt er auch noch auf beinahe jede Finte herein.

Nach 26 Minuten durchbricht ein 35-Meter-Freistoß von Kevin Schindler die Rostocker Lethargie. Pouplin kann ihn nur abklatschen, doch der überraschte Enrico Kern tritt den Abpraller über den Kasten. Viel mehr kommt von den Gästen nicht. In Minute 33 pfeift Schiedsrichter Gagelmann einen Freistoß. Bevor sich Orestes wieder nach hinten orientiert, lässt er es sich nicht nehmen, seinem Mitspieler Rathgeb die Kugel aus fünf Metern noch schnell wuchtig ans Hirn zu donnern. Dann Minute 35: Endlich die Führung: Jäger zieht einen Freistoß von Halblinks auf den zweiten Pfosten und dort steht Idrissou goldrichtig und nickt den Ball über die Linie. Das 1:0 ist nicht aufgrund klarerer Chancen, aber aufgrund deutlicher Feldvorteile verdient.



Die 15.000 klatschen sich Richtung Pause, während es sich Rahn von Jäger ein ums andere Mal heftig einschenken lässt. Völlig zu Recht wird ihn Frank Pagelsdorf zur Pause in der Kabine behalten. Die Stimmung ist jetzt aber schon fast zu euphorisch und prompt werden die Dutt-Akteure vor der Pause etwas schlampig – allerdings ohne Folgen.

Das Breisgauer Pausen-Cheerleading ist nicht gerade kreativ, aber immerhin lustig: Wahllos werden Leute aus dem Publikum mit der Kamera eingefangen und erscheinen auf der Anzeigentafel. Die Reaktionen der Gefilmten reichen von aufgeregtem Winken über Lachen und verschämtem Kichern bis hin zu routiniertem Sich-Nichts-Anmerken-Lassen beziehungsweise es wirklich nicht merken.

Halbzeit zwei: Der Sportclub muss dem hohen Tempo sichtlich Tribut zollen. Die Spielkontrolle lässt nach, mancher Raum bleibt unbesetzt, die Pässe werden ungenauer. So kommen die Hanseaten zu einigen ansehnlichen Kombinationen, die jedoch meist 20 Meter vor dem Gehäuse von Pouplin versanden. In dieser Phase zeigen sich die Hausherren clever und begehen kleine taktische Fouls, bevor es richtig brenzlig wird. So bleiben auch die Karten meist aus.

Für Erregung sorgt nun vor allem Schiedsrichter Gagelmann: Mit erstaunlicher Konsequenz ignoriert er etwa die Vorteilsregel und liegt ferner mit einigen kleinen Entscheidungen auf beiden Seiten daneben. Besonders aufgebracht reagiert die Menge nach einer starken Stunde: Zunächst zeigt der Referee Simon Pouplin wegen Spielverzögerung die Gelbe Karte, sodann lässt er mit beschaulicher Hingabe einen Spielerwechsel ausführen. Neben einigen wüsten Schimpftiraden darf er sich – zur Melodie von „When the saint go marching in“ - auch noch anhören, dass er „ein Skandal“ sei. Highlights zählt man nur noch wenige: In der 70. Minute findet ein Schuss von Lechleiter seinen Weg über die Querlatte. Eine Minute danach verfehlt ein Aufsetzer von Heiko Butscher das Tor nur knapp. Der Kapitän gehört wieder zu den besten auf Freiburger Seite.

Erwähnenswert sind ferner die unermüdlichen Eke Uzoma und Jonathan Jäger sowie Suat Türker, der viele Bälle im Sturmzentrum behauptet und sich immer wieder zeigt.



In den letzten Minuten musste man zwar noch etwas durchatmen, aber dieser Heimauftritt ist doch deutlich entfernt von den gelegentlichen Zittersiegen aus der vergangenen Saison.

Durch couragiertes Auftreten gerade in der Anfangsphase nahmen die Breisgauer der Hansa-Kogge den Wind aus den Segeln und wirkten über 90 Minuten gefestigt.

Mehr dazu: