SC-Jena: Endlich wieder humba-tätärää!

Hanno Riethmüller

Gestern Nachmittag sah man auf der Nordtribüne wieder freie Oberkörper - mit jubelnden, hochgestreckten Armen, die von der warmen Aprilsonne beschienen wurden. Ivica Banovic intonierte mit herrlichem Kroatenakzent "Gäbd mir ein Ausrrufäzeichen!" ins Megafon und alles war in Butter. Hier gehts zur Spielanalyse.



Änderungen in der Startelf

Wie reagiert man auf eine 0:5 Klatsche in St. Pauli? Am besten gar nicht! Man besinnt sich auf seine Stärken und knüpft da an, wo man zuvor aufgehört hatte.

So einfach war’s für SC-Trainer Robin Dutt in der vergangenen Woche sicher nicht, aber auf dem Platz sah es am Sonntag danach aus.

Die Stärken, auf die man sich besinnen konnte, sind das Badenovastadion und der breite, ausgeglichene Kader. Für den gelbgesperrten Aogo spielte mal wieder Ali Günes von Beginn an. Für Akrout, Jäger und Uzoma kamen Henrich Bencik, Mohamadou Idrissou und Jonathan Pitroipa zum Einsatz. Im Defensivbereich vertraute Trainer Dutt den bewährten Kräften Langer, Schwaab, Krmas, Butscher, Schlitte und Banovic; auch der 19-jährige Andreas Glockner durfte auf der rechten Offensivposition erneut sein Glück versuchen.

Von Beginn an wurde Jena konsequent aber auch kontrolliert unter Druck gesetzt. Starkes Pressing und schnelle Vorstöße, vor allem von Glockner über die rechte Angriffsseite, brachten die Jenaer Abwehr ein ums andere Mal in Verlegenheit. Es war jedoch offensichtlich, dass die Angriffsbemühungen nicht auf Kosten des Abwehrverhaltens gehen sollten. Die Positionen wurden streng gehalten, um die Ordnung in der Mannschaft nicht zu verlieren. Die Viererkette stand konsequent defensiv.

Die Innerverteidiger Butscher und Krmas gingen nur bei Standardsituationen mit nach vorne, Schlitte versagte sich auf der linken Seite zumeist seinen Offensivdrang und räumte dafür in der Defensiv gut ab. Nur Schwaab erlaubte sich gelegentliche Vorstöße und zeigte dabei gutes Zusammenspiel mit Glockner und Pitroipa. So erarbeitete sich der Sportclub einige Chancen ohne dabei selbst in Bedrängnis zu geraten.



Führung und Gang zurück

Fast wäre es Andreas Glockner gewesen, der für die verdiente Belohnung der engagierten Leistung des SC gesorgt hätte. Nach einem langen diagonalen Pass von Günes ließ Glockner mit einer einfachen Körpertäuschung zwei Jenaer Spieler ins Leere laufen. Der anschließende stramme Linksschuss aus etwa 18 Metern landete jedoch nur am Innenpfosten. So musste wieder einmal eine Standardsituation herhalten, um den Sportclub in Führung zu bringen. In der 32. Minute flankte Banovic einen Freistoss auf den Kopf von Idrissou, der dem Jenaer Torwart Khamutouski keine Abwehrchance ließ.

Bis dahin war Idrissou der vielleicht am wenigsten auffällige Freiburger Spieler gewesen. Anders als in früheren Spielen hielt er diesmal konsequenter seine linke Offensivposition. Da beim SC aber viel über die rechte Seite lief, war Idrissou wenig ins Spiel eingebunden.

Statt die Gäste weiterhin unter Druck zu setzen, folgte nun die schwächste Phase des SC. Plötzlich schaltete die Mannschaft einen Gang zurück und überließ unverständlicherweise dem Gegner die Initiative. SC-Torwart Michael Langer war es zu verdanken, dass Jena nicht durch einen gefährlichen Kopfball zum Ausgleich kam. In dieser Phase hätte das Spiel kippen können, weil der SC zu passiv agierte. Mit etwas Glück rettete die Mannschaft aber das 1:0 in die Pause.



SC-Krankheit: Abschluss

Dutt wird seiner Mannschaft in der Kabine wohl deutlich gemacht haben, dass es so nicht weiter gehen kann. Jedenfalls kamen die Spieler wieder konzentriert auf den Platz zurück und schienen nun schnell alles klar machen zu wollen. Die erste dicke Chance verpassten Pitroipa und Bencik, doch nur drei Minuten nach Wiederanpfiff konnte Mannschaftskapitän Butscher einen von Günes getretenen Freistoß – wiederum per Kopf – zum 2:0 verwerten.

Eigentlich war damit die Partie entschieden. Jena war zu harmlos, um dem SC noch die Butter vom Brot zu nehmen. Insgesamt dominierte Freiburg auch die zweite Halbzeit, allerdings ohne groß zu glänzen. Zwar gab es noch die ein oder andere brenzlige Situation zu überstehen, aber der Sportclub war dem 3:0 immer näher als die Jenaer dem Anschlusstreffer.

Letztlich ärgert nur, dass der SC wieder mal zu freizügig mit seinen Torchancen umging. Die aufrückenden Jenaer ließen Platz zum Kontern, doch die Freiburger Mannschaft schaffte es erneut nicht, die Konter in Zählbares umzuwandeln. Ein 3:0 oder gar 4:0 hätte ein Befreiungsschlag sein können, der für das nötige Selbstvertrauen sorgt, das im schweren Auswärtsspiel übermorgen in Koblenz nötig sein wird.



Pit wieder motiviert

Immerhin: Der Sportclub kann nicht nur äußerst wichtige drei Punkte verbuchen, sondern hat auch ein sehr ordentliches Spiel abgeliefert. Die Innerverteidigung stand weitgehend sicher und hatte nur bei hohen Bällen gelegentlich Probleme. Schlitte und Schwaab ließen über die Außenbahnen wenig zu und konnten vor allem im späteren Verlauf des Spiels auch Akzente nach vorne setzen. Banovic hat noch immer nicht zur Form der Vorrunde zurückgefunden, zeigte sich aber verbessert.

Günes machte ein gutes Spiel, ackerte viel in der Defensive und öffnete immer wieder das Spiel mit klugen Flankenwechseln. Eine Viertelstunde vor Spielende wurde er für Oliver Barth ausgewechselt, weil Jena einen dritten Stürmer aufs Feld schickte und SC-Trainer Dutt darauf reagieren musste.

In der Offensive machten vor allem Pitroipa und Glockner von sich reden. Während Glockner bei seinem insgesamt sehr gelungenen Debüt im Badenovastadion nach starken 30 Anfangsminuten später etwas nachließ, zeigte sich der ins zentrale offensive Mittelfeld gerückte Pitroipa wieder deutlich stärker als zuletzt. Er hatte viele Ballkontakte, riss mit seinen Dribblings immer wieder Löcher in die gegnerische Deckung und arbeite auch viel nach hinten.

Idrissou wurde in der zweiten Halbzeit stärker und Alain Olle Olle sorgte nach seiner Einwechslung mit feinen Tricks für frischen Wind. Bencik machte seine Sache als Anspielstation in der Sturmmitte ordentlich, hätte aber seine Torchancen besser nutzen müssen.

Fazit: St. Pauli ist hoffentlich vergessen. Da die Konkurrenten um die Aufstiegsplätze Punkte liegen ließen, ist der Sportclub oben noch dabei.