Kaderplanung des Bundesligisten

SC Freiburg: Wer geht, wer bleibt?

Michael Dörfler

Bei einigen Leistungsträgern aus dem aktuellen Kader des SC Freiburg steht noch nicht fest, ob sie in der kommenden Saison an der Dreisam bleiben werden. Eine Bestandsaufnahme.

Mit dem FC Bayern dürfte der Meister der noch laufenden Bundesligasaison bereits feststehen. Immerhin 13 Punkte Vorsprung haben die Münchner neun Runden vor Schluss der Konkurrenz voraus. Und auch am Tabellenende spricht auf den ersten Blick einiges dafür, dass Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt in der kommenden Spielzeit mit der zweiten Liga werden vorlieb nehmen müssen. Bei 15 beziehungsweise 19 Punkten scheint der Rückstand auf den Drittletzten, den Hamburger SV (27 Zähler), schon immens zu sein. Kein Wunder machen jetzt wieder vermehrt Sprüche die Runde, dass die Bundesliga in dieser Saison drohe, zum Ende hin langweilig zu werden.


Jochen Saier kann da nur mitleidig lächeln. Langweilig? Bei diesem Wort zuckt der Sportvorstand des SC Freiburg geradezu zusammen. Gut, auf Rang acht der Tabelle notiert, scheinen die Breisgauer der gröbsten sportlichen Sorgen ledig zu sein. Läuft nichts mehr extrem schief, werden die Südbadener auch in der kommenden Spielzeit erstklassig daherkommen. Was Saier und Sportdirektor Klemens Hartenbach derzeit aber beschäftigt, ist die Frage, mit welchen Spielern es weiter gehen wird an der Dreisam. Es rumort gewaltig an der Wechselbörse, kaum ein Tag, an dem die Spekulationen – vor allem im Internet – nicht ins Kraut schießen. Mittendrin auch Akteure der Freiburger, die sich in den zurückliegenden Monaten ins Rampenlicht gespielt haben.

Maximilian Philipp und Vincenzo Grifo

Nimmt man Medienberichte als Grundlage, sind bei Maximilian Philipp (23) und Vincenzo Grifo (23) die Begehrlichkeiten anderer Klubs besonders groß. Das hat seinen Grund. Das Duo ist spielstark und torgefährlich, dazu jung und entsprechend weiter entwicklungsfähig. Dazu machen beide keinen Hehl daraus, auch mal mit Topklubs in internationalen Wettbewerben spielen zu wollen. Im Ausland nicht ausgeschlossen.

Beim Sportclub gibt man sich diesbezüglich keinen Illusionen hin. Saier weiß um die Attraktivität der Spieler, die beide in Freiburg noch über die kommende Saison hinaus Vertrag haben. Was bedeutet: Sowohl für Grifo als auch für Philipp ist eine erkleckliche Ablösesumme zu erwarten; für Philipp höchstwahrscheinlich sogar im zweistelligen Millionenbereich.

Ein Geschäft also, das sich der Sportclub wird nicht entgehen lassen können. Erstens kommt ordentlich Geld in die Kasse, mit dem eine vernünftige Reinvestition in den Kader finanziert werden kann. "Mit Fantasie was dazukaufen", wie sich Saier ausdrückt. Zweitens muss der Klub sehen, dass er eine kontinuierliche Weiterentwicklung betreibt. Den Kader auf Gedeih und Verderb zusammenzuhalten, wie es sich mancher Fan wünscht, ist ein gefährliches Unterfangen. Dann, wenn später irgendwann plötzlich sechs oder sieben anstatt lediglich ein oder zwei Leistungsträger dem Verein den Rücken kehren. "Wir müssen auf die Balance achten", sagt Saier. Über mögliche Interessenten mag sich der SC-Sportvorstand nicht auslassen. Vieles scheint möglich, an Gesprächspartnern fehlt es ihm offenbar nicht. Tendenz: Beide zusammen dürften nicht zu halten sein.

Caglar Söyüncü

Bei Caglar Söyüncü (20) sind die Spekulationswellen zuletzt etwas abgeebbt. Offenbar war die halbe europäische Fußballwelt hinter dem zweikampfstarken jungen Türken her, doch offiziell, sagt Saier, habe bis heute noch kein Klub bei ihm angerufen. Söyüncü sollte offenbar anders geködert werden. Der Sportclub, so versicherten die Nachfrager frech, habe ihnen gegenüber dem Wechsel bereits zugestimmt. Seine Haustürklingel und sein Telefon sollen jedenfalls eine Zeit lang gut in Betrieb gewesen sein, wobei sich auch die großen Berateragenturen ein Wettrennen geliefert haben. Doch dem darüber wegen seiner Zukunft unsicher gewordenen Söyüncü wurde von Seiten des Vereins mittlerweile mehrfach vermittelt, dass man gar nicht daran denke, ihn abzugeben. Er wird deshalb, Stand heute, im Breisgau bleiben.

Alexander Schwolow

Durch anhaltend gute Leistungen hat auch Alexander Schwolow (24) die Begehrlichkeiten der Branche geweckt – der Hamburger SV soll locken. Der Keeper, der noch einen Vertrag bis Sommer 2018 hat, müsste also jetzt verkauft werden, will der Sportclub für ihn noch etwas erlösen. Ansonsten wäre er in einem Jahr ablösefrei. Oder aber der Schlussmann setzt seine Unterschrift rechtzeitig unter einen neuen Vertrag. Gespräche darüber sind wohl bereits angelaufen.

Pascal Stenzel

Auch mit Borussia Dortmund. Mit den Westfalen wird zurzeit intensiv die Zukunft von Pascal Stenzel (21) erörtert. Die Freiburger würden den talentierten Defensivspieler, der bis Ende der Saison vom BVB ausgeliehen ist, gerne fest verpflichten. Es scheint ein nicht ganz einfaches Unterfangen. "Kompliziert", nennt Saier den Vorgang.

Florian Niederlechner

Gespräche über die weitere Zukunft von Angreifer Florian Niederlechner (26) stehen auch mit dem FSV Mainz an. Auch da endet die Ausleihe. Dass der Bayer gerne an der Dreisam bleiben würde, ist verbürgt. Ebenso, dass der SC ihn weiterbeschäftigen möchte. Dem dürfte auch nichts entgegenstehen. Die Verabredungen mit den Rheinland-Pfälzern sichern den Freiburgern eine entsprechende Option zu.

Klandt, Gikiewicz und Frommann

Vor einer Vertragsverlängerung steht auch Patric Klandt (33). Der 2015 vom FSV Frankfurt gekommene Torhüter ist Saier zufolge eine "sportlich wie menschlich ideale Besetzung", der mit seiner Rolle hinter Schwolow zurechtkommt. Über die Zukunft von Rafal Gikiewicz (29) werden noch zu führende Gespräche entscheiden. Ob sich der einst von Eintracht Braunschweig gekommene Schlussmann auf Dauer mit einer Rolle im zweiten Glied zufriedengeben wird, ist wohl eher nicht zu erwarten. Und nicht zu vergessen: Mit dem lange verletzt gewesenen, mehrfachen Junioren-Nationaltorhüter Constantin Frommann (18) hat der Sportclub noch ein großes Talent in der Hinterhand.

Guédé, Föhrenbach und Schuster

Zu Ende gehen dürfte in Freiburg die Zeit von Karim Guédé (32). Der in Hamburg geborene slowakische Nationalspieler war 2012 nach Freiburg gekommen, wo er sich hohe Reputation erwarb. Der Allrounder war immer zur Stelle, wenn man ihn gebraucht hat – 97 Ligaspiele (sieben Tore) zeugen davon.

Als offen bewertet Saier die Situation bei Abwehrspieler Jonas Föhrenbach (21) und Kapitän Julian Schuster (31). Föhrenbach leidet unter zu wenig Einsatzzeiten, so dass eine Ausleihe nicht ausgeschlossen scheint.

Und Schuster? Der langjährige Anführer hat mit unbändigem Willen nach monatelanger Auszeit zuletzt den Weg zurück ins Team gefunden – und dabei überzeugt. Gibt es ein weiteres "letztes Jahr"? Auszuschließen ist in diesem Fall nichts. Schuster, das ist längst abgemacht, soll dem SC sowieso auch über seine Karriere als Spieler hinaus erhalten bleiben.

Mit dem aus Sion gekommenen Eidgenossen Vincent Sierro (21) hat der Sportclub Saier zufolge schon in den Wintermonaten einen Perspektivwechsel für die Zukunft vollzogen. Der Mittelfeldspieler hat nach ausgestandener Achillessehnenverletzung zuletzt in der zweiten Mannschaft erste, zufriedenstellende Arbeitsproben abgegeben.

Was wird aus den verliehenen Spielern?

Offen ist derzeit noch die Zukunft der vom Sportclub an andere Klubs verliehenen Akteure. Mit dem beim 1. FC Kaiserslautern untergekommenen Sebastian Kerk (22) wird ebenso gesprochen werden wie mit Lucas Hufnagel (23), derzeit beim 1. FC Nürnberg, und Jonas Meffert (22/Karlsruher SC). Ihre Rückkehr darf als eher unwahrscheinlich gelten.

Anders sieht es bei Mats Möller-Daehli (22) und Tim Kleindienst (21) aus. Letzterer kann derzeit in Heidenheim auf die stolze Serie von 19 Einsätzen und sechs Toren verweisen. "Interessant" nennt das Jochen Saier. Auch Möller-Daehli weiß beim FC St. Pauli bislang zu gefallen. Er sammelt dort wichtige Spielpraxis.

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