SC Freiburg: Starke Leistung - aber nur ein Punkt

Hanno Riethmüller

Beim 1:1 gegen den VfL Bochum hat der Sportclub Freiburg den im Kampf gegen den Abstieg den dringend benötigten Heimsieg verpasst. Woran es lag, schildert Hanno Riethmüller.

Der Sportclub macht eines seiner besten Heimspiele in dieser Saison, und nach dem Spiel feiert die Nordtribüne ihre Mannschaft. Das klingt eigentlich nach einem rundum gelungenen Fußballnachmittag. Aber leider hat diese Szenerie einen Haken: Der SC hat nur Unentschieden gespielt und damit im Abstiegskampf deutlich an Boden verloren.


Zunächst lief alles nach Wunsch. Das neue Selbstvertrauen nach guten Leistungen in den letzten Spielen und die zurückgewonnene Spielstärke machten sich im Spiel schnell bemerkbar.

Nach wenigen Minuten schon hatte der SC Spiel und Gegner im Griff und spielte engagiert nach vorne. Trainer Robin Dutt setzte wieder auf das zuletzt erfolgreiche System mit zwei offensiveren Mittelfeldspielern und nur einer Sturmspitze. Personell musste dennoch umgestellt werden, weil Cédric Makiadi gelbgesperrt fehlte.

Für ihn rückte Yacine Abdessadki in die Mitte und Jonathan Jäger wechselte auf die rechte Angriffsseite. Links spielte dafür Mo Idrissou und machte damit Platz für Papiss Cissé im Angriffszentrum.

Diese teils erzwungene Variante erwies sich als kluger Schachzug. Idrissou und Jäger brachten auf ihren Flügeln die Bochumer mit schnellen Vorstößen immer wieder in Verlegenheit, während Abdessadki auf der zentralen Position seine läuferische Stärke besser zur Geltung bringen konnte. Cissé übernahm nahtlos Idrissous sonstige Rolle als Stoßstürmer.

Hochverdientes 1:0

Und wie schon beim vorangegangenen Heimspiel gegen Mainz wurde das couragierte Auftreten der Freiburger früh belohnt. Nach einem von Julian Schuster auf den zweiten Pfosten gezogenen Eckball, legte Heiko Butscher per Kopf auf Cissé ab und der versenkte den Ball mit einem Flachschuss zum hochverdienten 1:0 im Bochumer Tor.

Ein Abwehrfehler - ein Gegentor

Vom VfL Bochum war bis dahin in der Offensive wenig zu sehen gewesen, und eigentlich blieb das auch weiterhin so. Doch aus einer wenig gefährlich anmutenden Freistoßsituation entwickelte sich nur wenige Minuten nach der Freiburger Führung das Ausgleichstor. Idrissou verlor das Kopfballduell an der Strafraumgrenze, zwei Freiburger Abwehrspieler standen zu tief und hoben so ein mögliches Abseits auf. Ein weiterer Kopfball aufs lange Eck ließ Torhüter Simon Pouplin keine Abwehrchance. Dies war der erste und bleib über das ganze Spiel auch der einzige Abwehrfehler der Freiburger.

Chancen, Chancen, Chancen

Zehn Minuten brauchte der SC, um sich von diesem Schock zu erholen. Der Rest des Spiels war Einbahnstraßen-Fußball. Nur einen Torschuss ließ Freiburg noch zu. Alles andere Nennenswerte spielte sich in der Spielhälfte der Bochumer ab. Schuster traf mit einem Eckball den kurzen Pfosten, Abdessadki aus spitzem Winkel nur das Außennetz. Jäger schoss aus kurzer Distanz einem Abwehrspieler und dem Bochumer Torwart durch die Beine, der aber konnte den Ball noch kurz vor der Torlinie stoppen. Die größte Chance jedoch vergab Butscher, der freistehend aus zehn Metern und nur noch einem Abwehrspieler auf der Torlinie, den Ball zwei Meter über die Latte jagte. Das erlösende Tor wollte einfach nicht fallen.

Es gab wenig Auszusetzen am Auftreten der Freiburger Mannschaft. Die Offensive spielte quirlig und durchsetzungsstark. Viele Flanken flogen in den gegnerischen Strafraum, Kopfbälle und Distanzschüsse kamen in Richtung Tor. Aber zu oft gingen die Bälle doch am Tor vorbei oder konnten ohne größere Probleme vom Bochumer Torhüter entschärft werden. Das SC-Mittelfeld zeigte sich außerordentlich zweikampfstark. Flum und Abdessadki erkämpften viele Bälle und verteilten diese mit flexiblem Spiel auf die Flügel.

Der defensivere Schuster ließ sich oft zurückfallen und übernahm von den Innenverteidigern die Spieleröffnung. Zudem fiel auch er mit starkem Zweikampfverhalten auf. Seine Flanken bei Standardsituationen brachten die Bochumer Abwehr zumindest in der ersten Spielhälfte immer wieder in Schwierigkeiten. Die Qualität der Standards ließ aber in der zweiten Hälfte deutlich nach.

Mujdza wird immer besser

Auf der rechten Abwehrseite fügt sich Mensur Mujdza immer besser ins Freiburger Spiel ein. Im Zusammenspiel mit Jäger konnte er viele Angriffsversuche der Bochumer über seine Seite verhindern und schaltete sich mit dynamischen Vorstößen auch in die Offensive ein. Felix Bastians hatte auf seiner defensiven linken Seite deutlich weniger zu tun als Mujdza auf rechts und daher einige Möglichkeiten, sich ins Offensivspiel einzuschalten.

Die Innenverteidigung mit Butscher und Oliver Barth leistete sich nur bei der einen Standardsituation einen Patzer. Ansonsten gab es für die Bochumer kein Durchkommen. Barth unterliefen zwar ein paar Fehlpässe, in der Defensive zeigte er aber eine starke Leistung. Mannschaftkapitän Butscher machte sein bestes Spiel seit langem. Souverän in Abwehr und Spieleröffnung fand er auch immer wieder Gelegenheit - teils sogar bei schnellen Gegenstößen - mit nach vorne zu gehen. Leider vergab er die größte Chance zum Freiburger Siegtreffer. Torwart Pouplin war unterfordert an diesem Nachmittag. Beim Gegentor machtlos, hatte er sonst kaum etwas zu halten und strahlte in jeder Lage Sicherheit aus.

Die Tabellensituation sah für den SC vor dem Spiel deutlich freundlicher aus als danach. Drei Punkte fehlen nun auf die beiden vor dem Sportclub platzierten Bochum und Nürnberg. Die Luft im Abstiegskampf wird immer dünner. Dass die Fans ihre Mannschaft nach dem Spiel trotzdem feierten, spricht für die in letzter Zeit viel gescholtene, aber offenbar immer noch vorhandene Freiburger Fankultur. Und dass Leistung nicht nur in Form von positiven Ergebnissen honoriert wird, kann der Mannschaft, die am Samstag ein wirklich gutes Spiel abgeliefert hat, nur gut tun.