SC Freiburg: Der Trommler auf Nord

David Weigend

Seit drei Jahren schon steht der Gundelfinger Martin Peters (20) auf der Nordtribüne, um den SC Freiburg mit seiner Trommel akustisch zu unterstützen. Wir haben uns beim heutigen 2:1-Sieg gegen Kaiserslautern neben ihn gestellt. Die Ohren pfeifen immer noch.

Dum dugu dukduk

BAM BAM

Dum dugu dukduk

BAM BAM

Dum dugu dukduk Dum dugu dukduk Dum dugu dukduk

BAM BAM


BAM BAM BAMBAMBAM BAMBAMBAMBAM...FREIBURG!

Diesen trotzigen Takt schlägt Martin Peters auf seiner weißen Lefimatrommel unmittelbar nach dem 0:1 in der 8. Minute. Und die Nordtribüne klatscht mit. Außer zwei Eurofighters-Kollegen von Martin, die direkt neben ihm stehen. Sie unterhalten sich über Kopfschmerztabletten. "Hab' heute Morgen prophylaktisch schon eine genommen. Aber bei einer Pulle Wodka hilft das wenig. Magsch noch ne Aspirin?" "Nee, ich bleib lieber beim Pils."



Martin trinkt nichts. Er muss den Rhythmus halten und angedüdelte Trommler machen sich schnell zum Affen. Mit seinen beiden Schlägeln haut er immer wieder aufs Remo-Fell. Links-rechts-links...Freiburg! Er steht leicht rechts hinterm Tor und beobachtet das Spiel aufmerksam, während er trommelt. Sein sperriges Instrument hängt an einem verwaschenen Gürtel, der auch von seinem alten Kinderbademantel stammen könnte. Beim 1:1-Ausgleich durch Cissé klatscht eine Bierfontäne aufs Fell. Martin trommelt munter weiter, der Gerstensaft spritzt in die fröhlichen Gesichter der Umstehenden.

In der Halbzeitpause zündet Martin eine Zigarette an. Seine Hände mit den langen, filigranen Fingern sehen eigentlich nicht aus wie die Hände eines Trommlers. "Ich bin ja von Haus aus auch Pianist und Organist", sagt Martin, der in Freiburg Musik auf Lehramt studiert. Der trommelnde Eurofighter sitzt normalerweise in der Kirche an der Orgel.

Früher ging er immer mit einem Freund zum Sportclub. Irgendwann stand er neben einem Trommler. Dieser hatte Blasen an den Händen und fragte Martin, ob er die Trommel in der zweiten Halbzeit übernehmen könne. Das war Martins Einstieg ins Klopferbusiness. Immer schön drauf, aber immer gut im Takt. Feinheiten wie das Crescendo bei "Nur der SCF!" stellten für ihn keine Herausforderung dar. Seit drei Jahren ist er Mitglied bei den Eurofighter Südbaden, seit drei Jahren holt er vor jedem Heimspiel das runde Ding aus dem Fancontainer und haut 90 Minuten lang rein.

Der Einzige ist er nicht. Heute stehen auf der Nord noch etwa sechs weitere Trommler. Das ist von Spiel zu Spiel unterschiedlich. "Heute ist unser Vorsänger, der Michi, nicht da. Ich finde, die Stimmung leidet darunter schon. Der Michi koordiniert die Fangesänge recht gut."

Es hänge natürlich auch vom Spielverlauf ab, wie stark sich die Fans an den Gesängen beteiligen. "Wenn mehrere Fangesänge gleichzeitig angestimmt werden, muss ich darauf achten, welcher sich durchsetzt und da dann einsteigen", sagt Martin. Am schönsten ist es für ihn, wenn er selbst ein Lied antrommelt und daraufhin alle mitziehen. "Das gibt einem schon ein ganz gutes Gefühl", sagt er.



Martin ist deshalb ein interessanter Anhänger des SCF, weil er gewisse Gegensätze verbindet. Er ist zwar einer der lautesten Fans auf Nord, aber auch einer der gemäßigteren: Das Schwabenschmäh-Anhängsel beim Badnerlied singt er nicht mit, genauso wenig beteiligt er sich an den Fluchorgien seiner Kumpels vom Fanclub, die Schiedsrichter Deniz Aytekin mit einer langen Reihe nicht zitierfähiger Kraftausdrücke titulieren. Er steht inmitten diesem klebrigen Sud aus Spucke, verschüttetem Rothaus und Bratwurstresten und trommelt mit seinen Pianistenhänden stoisch die La Ola-Welle an.

Beim 2:1 durch Reisinger wird es kurz turbulent und unübersichtlich. Leute fallen sich im Jubeltaumel in die Arme und reißen sich selbst zu Boden, irgendeiner landet halb auf der Trommel. Aber es ist wie meist in diesen Situationen: Außer dem Gerstenmalzfestiger in der Frisur passiert keinem was.



Nach Abpfiff beweist Stefan Reisinger, dass er das Humbalied auch ohne Megafon ansingen kann. Die Fans sind glücklich. Die Mannschaft hat wiedermal bewiesen, dass sie den Spieß umdrehen kann und den FCK in die harte Bundesligarealität zurückgeholt. Auf Nord verabschiedet man sich von den Betzefans (auf dem Weg in Liga 2) schonmal vorsorglich mit Taschentuchgewinke. Außer Martin. Der hat keine Hand frei für sowas.

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