SC Freiburg: 10 Gründe warum der Höhenflug weitergeht

David Seitz

Das erste Spiel der Rückrunde steht kurz bevor und noch immer reibt sich der Freiburger Fußballfan verträumt die Augen. Der SC steht auf Platz sechs, nach einer Hinrunde mit der so wohl kaum jemand gerechnet hatte. Alles nur ein glücklicher Zufall? Nein! Meinen zumindest wir: 10 Gründe warum der Tabellenplatz gerechtfertigt ist und warum der SC Freiburg seinen Höhenflug in der Rückrunde fortsetzen wird.

 

1. Der Erfolgsstürmer

"Wichtigster Mann im Team von Robin Dutt ist Angreifer Papiss Demba Cissé" schreibt bundesliga.de. "Der Mittelstürmer ist die Lebensversicherung des Clubs" meint sportal.de. Freiburg hat zum ersten Mal seit Jahren wieder einen echten Top-Stürmer in seinen Reihen, was sich auch im Marktwert niederschlägt. Die Comunio-Zocker haben es wahrscheinlich schon längst festgestellt: Mit etwa 12 Millionen Euro ist der Marktwert von Papiss Demba Cissé so hoch, wie der gesamte Marktwert des restlichen SC-Kaders. Der Sportclub hat das Glück, dass Cissé trotz des Medienhypes um seine Person am Boden geblieben ist. Lockrufen von internationalen Topclubs konnte er bisher widerstehen und auch mannschaftsintern löst der Rummel um ihn keine Unruhe aus. O-Ton Johannes Flum: "Papiss ist ein super Typ, er ist niemals großkotzig gegenüber anderen."

2. Die Erfolgsmannschaft

Was wäre ein Top-Stürmer ohne eine solide Mannschaft im Rücken? An Papiss Demba Cissé alleine kann die erfolgreiche Hinrunde des SC nicht festzumachen sein. Spieler wie Julian Schuster, Oliver Barth, Felix Bastians und speziell Torwart Oliver Baumann zeigten wiederholt starke Leistungen und stehen stellvertretend für eine kompakte Mannschaft, die auf einem konstanten Niveau an der oberen Leistungsgrenze spielt. Dazu kam das Glück, dass es keine schwerwiegenden Verletzungsprobleme gab. Robin Dutt scheint die Mannschaft auch mental gestärkt zu haben, nahezu alle Siege fuhr der SC mit einem Tor Unterschied ein.  



3. Der Erfolgstrainer

Nach dem Weggang von Volker Finke waren viele skeptisch. Wird man einen neuen Trainer finden, der den SC in gleichem Maße verkörpern kann, der mit dem finanziell schwachen SC weiter "Erfolge" feiern kann und vor allem einen Trainer, dem wie Finke die Sympathien von Fans und Spielern gleichermaßen zufliegen? Spätestens nach der Hinrunde kann diese Frage eindeutig bejaht werden. Kaum ein Bundesligatrainer wirkt so natürlich und erfrischend wenn er beispielsweise in der Sport1-Kultsendung Doppelpass das Saisonziel korrigiert: wenig Floskeln,  viel Sachverstand, eine angenehme Dosis Humor und ein symbadischer Akzent.
Seine Lockerheit scheint den gesamten Verein angesteckt und beflügelt zu haben.

4. Der Sonnen-Vorteil

Wenn der südlichste Bundesliga-Verein des Landes schon in der teils extrem winterlichen Hinrunde derart überzeugend spielt, was darf man dann erst von der Rückrunde erwarten? Mal angenommen, der SC nutzt seinen Heim- und Sonnenvorteil im Sommer richtig aus, dann darf man vielleicht sogar von internationalem Fußball in Freiburg träumen.



5. Die Unberechenbarkeit

Selbst wenn Andreas Heuer, Physikprofessor von der Universität Münster, meint er könne den Ausgang der diesjährigen Bundesligasaison mit Hilfe eines mathematischen Modells berechnen, wir sind der Meinung: Fußball lässt sich nicht voraussagen – kein noch so ausgeklügeltes Modell hätte wohl einen 6. Platz nach der Hinrunde vorhergesagt. Mathematik und Fußball passt so wenig zusammen wie Idrissou und Champions League - Deshalb kann man davon ausgehen, dass die Berechnung für die Rückrunde genauso daneben geht. Nur 19 weitere Punkte traut Heuer dem SC zu. Wer diese 10 Gründe gelesen hat sollte überzeugt sein: Da ist mehr drin!

6. Die Sicherheit

Im schlimmstem Fall trifft die Prognose von Andreas Heuer halt doch zu, was aber ohne dramatische Folgen bleiben würde. Der SC braucht noch 13 Punkte um die bewährte Nicht-Abstiegs-Punktemarke zu erreichen. Das klappt, daran zweifelt niemand. Der Druck, gegen den Abstieg punkten zu müssen fällt also schonmal weg. Die Pflicht ist so gut wie erledigt. Die Rückrunde ist nun die Kür der Saison 2010/2011 und der SC hat wirklich nichts zu verlieren – warum also nicht einfach gewinnen?



7. Der Druck auf die Großen

Viele Top-Teams hingegen sind in der Hinrunde weit hinter den Erwartungen zurück geblieben. Bremen, Schalke oder Stuttgart sind nur einige Klubs, die unter ihrem eigentlichen Leistungsniveau spielten. Vor der Saison sagte Robin Dutt noch: "Wir haben nur eine Chance in der Bundesliga zu bleiben, wenn die anderen Teams Fehler machen." Augenscheinlich haben bisher 12 Teams Fehler gemacht und für die wird die Situation in der Rückrunde nicht leichter. Bleibt der SC so konstant wie in der Hinrunde und wird gleichzeitig der Druck für die ein oder andere Mannschaft im hinteren Tabellendrittel doch zu groß, könnte das zu einem ungeahnten Saisonabschluss führen.

8. Das Vorbild

Bevor die SC Männer aber völlig abheben und der Druck komplett wegfällt kommen die SC Frauen ins Spiel. Die haben im Schatten der umjubelten Bundesliga-Profis eine noch unglaublichere Hinrunde gespielt an der sich sogar die erfolgreiche Dutt-Elf noch eine Scheibe abschneiden kann. Zugegeben, die Frauen spielen (noch) in der zweiten Liga, aber ein Torverhältnis von 60:4 aus 15 Spielen und glatte 45 Punkte sind eine echte Hausnummer. Spätestens der Blick vom Badenova-Stadion rüber zum Möslestadion sollte also für die notwendige Bodenhaftung sorgen. Vielleicht gibt's ja sogar ein paar Tipps in Sachen Toreschießen, denn da haben sich die Männer mit Ausnahme von Papiss Demba Cissé (13 von 25 Toren) bislang doch noch sehr zurückgehalten.



9. Qualität statt Quantität

Das Badenova-Stadion ist eines der kleinsten Stadien der Bundesliga, nur Mainz liegt dahinter. Diesen Nachteil machen die Fans des SC aber locker wett. Der kreativste Fangesang der bisherigen Saison kam definitiv aus der Freiburger Nordtribühne, als der SC am 12. Dezember Borussia Mönchengladbach empfing. "Idrissou spielt Champions Leage, Auf PS3 - Die ganze Nacht - Von 12 bis 8" entwickelte sich in kürzester Zeit zum Hit auf Facebook, Youtube und diversen Fanseiten. Ein Team mit derart pfiffigen Fangesängen im Rücken braucht sich auch vor Borussia Dortmund nicht zu verstecken. Spätestens bei Zombie Nation ist die numerische Unterlegenheit sowieso vergessen.

10. Das Gesetz der Serie

Sollte der ein oder andere immernoch nicht überzeugt sein, dann hilft nur der Glaube an das Gesetz der Serie. Vor 10 Jahren, in der Saison 2000/2001 beendete der SC Freiburg die Saison auf Platz 6. Die Saison 2010/2011 scheint wie gemacht um diese Platzierung zu wiederholen, wenn nicht sogar noch zu toppen. Damals spielte der SC die zweitbeste Rückrunde aller Teams und holte 32 Punkte – wenn das mal keine Hoffnung macht.

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  [Bild 1,2,5: dpa; Bild 3: caro, Bild 4: fudder]