SC: Auswärtsfahrt nach Frankfurt

Hannah Allgaier

"Hurra, Hurra, die Freiburger sind da!" Wir haben es uns nicht nehmen lassen, in einem so genannten Entlastungszug Platz zu nehmen, um zum Spiel FSV Frankfurt -SC Freiburg zu gelangen. Obwohl unserer Reporterin bei der Rückfahrt von einem besoffenen SC-Fan aus Versehen der rechte Mittelfinger angebrochen wurde, konnte sie noch einen launigen Fahrtbericht niedertippen.



9.20 Uhr
Hunderte von rot gekleideten Fans stehen am Bahnsteig 2 auf dem Freiburger Hauptbahnhof. Alle warten sie auf den Sonderzug, der die Fans nach Frankfurt befördern soll.


Als der Zug einrollt, herrscht Durcheinander. Alle versuchen, einen Sitzplatz zu ergattern. Der Stärkere gewinnt. Bierkasten-tragende Fans sind im Nachteil gegenüber den Kollegen, die ihre Flaschen in Tüten verpackt haben.

9.30 Uhr

Der Bahnsteig ist leer, der Zug gerammelt voll. Die Fans stimmen Sprechchöre an, machen die ersten Bierchen auf. Gemütlichkeit im Interregio.  Pünktlich auf die Minute setzt sich der Zug in Bewegung. Auf geht's zum Tabellenletzten FSV Frankfurt.



9.50 Uhr

Gerüchte im Abteil besagen, dass mehr SC-Fans ins Stadion kommen sollen als Frankfurter. Da der FSV ein Aufsteiger ist, das Stadion am Bornheimer Hang für die Zweite Liga zu klein und der Lokalrivale Eintracht ungeliebt, ist die Ausweichadresse Waldstadion oft schlecht besetzt.

10.14 Uhr

Wir erreichen Offenburg. Der letzte Halt, bevor der Zug direkt zur, sorry für das blöde Wort, Commerzbank Arena fährt. Langweilig wird es derweil nicht. Alle zehn Minuten darf man sich aus seinem unbequemen Sitz erheben, wenn die Freiburger Fans ein „Steht auf, wenn ihr Badner seid!“ anstimmen.



11 Uhr

Gemütlich tuckern wir durch die Landschaft und genießen die gute Stimmung. Wahrscheinlich liegt das auch an den unzähligen leeren Flaschen, die bereits um 11 Uhr morgens munter übers Hartgummi rollen.

Die Fangemeinschaft Wilde Jungs verkauft rote T-Shirts mit der Aufschrift: „Alle im Breisgau glauben daran, dass der SC aufsteigen kann“, was zu wilden Diskussionen zwischen den Fans führt.



12.15 Uhr

Laute Schreie ertönen im Zug: „Da, ich kann was sehen! Das ist die Commerzbank Arena!“ Schnell werden noch die letzten Schlucke Bier genommen und schon hält der Zug.



12.17 Uhr

Ein lautes „Hurra, Hurra, die Freiburger sind da!“ erschallt über den Bahnsteig und wiederholt sich auf dem gesamten Weg zum Stadion. Mit einem großen Banner führen die Wilden Jungs die anderen SC-Fans zur Arena.



12.28 Uhr

Die SC-Fans stürmen die Ticketschalter. Man konnte sich zwar schon Karten an der Geschäftsstelle des SC kaufen, aber das scheinen nicht viele gemacht zu haben. Die zwei Damen an der Kassen sehen überfordert aus. Eine lange Warteschlange bildet sich und viele Fans sind sauer über diesen schlechten Service.



12.45 Uhr

Nachdem man endlich die Karten in der Hand hält, geht die Warterei weiter. Auch die Abtaster sind überfordert mit so vielen Freiburger Fans. Also wieder warten.

13.15 Uhr

Endlich stehen die Fans vor der Arena. Jetzt nur noch den Gästeblock finden.



13.50 Uhr


Was ist denn hier los? Der Freiburger Fanblock ist gerammelt voll, die Sitzplätze der Frankfurter alle leer. Stimmung? Bei den Freiburger Fans natürlich gut! Bei den Frankfurtern scheint das nicht so der Fall zu sein.

Das Badnerlied ist natürlich Pflicht. Hunderte Schals werden in die Höhe gehalten und es scheint, als würde das ganze Stadion singen. Auch bei der Mannschaftsaufstellung begrüßen die Freiburger Fans ihre Mannschaft viel lauter als die Frankfurter Fans.

14.00–14.44 Uhr

Die erste Halbzeit ist eher schwach. Auch wenn der SC klar dominiert, können sie ihre Chancen nicht umsetzen. Die Stimmung leidet darunter aber überhaupt nicht. Laut werden die Frankfurter Fans übertönt.

14.45 Uhr Torjubel! Ömer Toprak schießt uns in Führung. Freistoß von Suat Türker und direkte Ballannahme von Toprak. Geil.

Halbzeitspause. Neues Bier holen und ein Frankfurter Stadionwürstchen probieren. Allerdings schmecken diese längst nicht so gut wie bei uns im Dreisamstadion.



15 Uhr

Zweite Halbzeit. Die Besucherzahlen werden angezeigt: 5207 Zuschauer. Davon bestimmt 2000 Freiburger Fans. Lustig: beim beliebten „Steht auf, wenn ihr Badner seid“ steht tatsächlich das halbe Stadion. Exilbadner in Hessen? Und so was bei einem Auswärtsspiel. Ja, hier kommt Heimspielatmosphäre auf.

15.32 Uhr


Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt. Oh nein! Strafstoß für den FSV Frankfurt. Unser Torwart Simon Pouplin holte den eingewechselten Frankfurter Qualid Mokhtari im Strafraum von den Beinen.

Georgios Theodoridis verwandelt, 1:1.

15.36 Uhr Schon wieder Elfer? Aber dieses mal für uns. Tommy Bechmann, der sich nach seiner Einwechslung überraschend unlethargisch über den Rasen bewegt, wurde bei einem Konter vom gegnerischen Torwart umgehauen. Und erneut Torjubel im Freiburger Fanblock: Daniel Schwaab verwandelt den Elfmeter souverän.

15.45 Uhr


„Pfeif' doch endlich ab!“, raunt es durch die Freiburger Reihen und der Schiedsrichter erhört diese Bitten. Der SC Freiburg gewinnt 2:1 in Frankfurt und wird seiner Favoritenrolle gerecht. „Heimspiel in Frankfurt“ jubeln die Fans. Leider kommen die Spieler nur kurz zu den Fans und singen ein "Humba, Humba..." mit ihnen. Ömer Toprak bekommt dafür vom Freiburger Murmeltier das Megafon in die Hand gedrückt und ab geht die Sause. Für diese Heimspielatmosphäre ein bisschen wenig Dank, denn nach fünf Minuten verdrücken sich die Spieler schon wieder.



16.15 Uhr

Die Fans bummeln zurück zu ihrem Zug, der um 16.45 Uhr nach Freiburg zurückfahren soll. Wieder geht das Halligalli um die Sitzplätze los.

16.45 Uhr


Die Rückfahrt ist sehr viel leiser als die Hinfahrt. Erschöpfte, betrunkene Gestalten geistern in den Gängen herum. Manchmal dringen noch ein paar Fangesänge durch, aber sonst ist es eine eher ruhige Reise.

Nur einmal steht ein Fan auf und geht zu betrunkenen Teenies, die meinen, im Zug rauchen zu müssen.

19.47 Uhr
Endlich kommen einem die Gebäude wieder bekannt vor: Ankunft in Freiburg. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Die Heimat wird mit Gesang begrüßt. Viele Leute am Bahnhof bleiben stehen und schauen sich die gutgelaunten Fans an.

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