Samstag: Viertel vor Vier feiern ihr neues Album "Stamm" im Artik

Carolin Buchheim

"Handgemachter Postmodern-Underground-Jazz, instrumentale Rockmusik, man kann es nennen wie es möchte." - So beschreibt die Freiburger Band "Viertel vor Vier" ihr drittes Album "Stamm". Am Samstag feiert das Quartett den Release der CD mit einem Konzert im Artik. Gedanken über Genreschubladen und DIY-Kultur:



"Eigentlich sind wir eine verkappte Rockband", urteilt "Viertel vor Vier"-Gitarrist Yannick Sandhofer. Dabei hat das Post-Jazz-Irgendwas-Instrumental-Quartett aus Freiburg immer noch keinen Bassisten und keine Sängerin - und ist stolz darauf. Nicht, dass sie nicht auch im dritten Jahr der Bandgeschichte immer noch danach gefragt würden. "Gerade Musiklehrer sagen häufig Sachen wie 'Jetzt fehlt euch nur noch eine hübsche Sängerin, und ihr seid perfekt", sagt Trompeter Fabian Heßel.


Doch auf Vorschläge dieser Art hat die Band keine Lust. Zu sicher sind sie sich, wie sie klingen und was sie machen wollen - und dafür brauchen sie weder Sängerin, noch Bass, noch Genrebezeichnungen. Im Kern des "Viertel vor Vier"-Sounds steht zwar immer noch der Jazz, doch was die Band so richtig macht, dafür will sie keine Bezeichnung finden müssen. "Verschiedene Songs klingen halt verschieden", sagt Yannick. "Und das Wichtigste an dieser Band, das sind wir vier", erklärt Saxofonist Fabian Willmann.

Fakt ist: Der Klang ist mit dem dritten Album größer geworden und vielfältiger. "Wir haben mehr Instrumente dazugenommen", sagt Fabian Willmann. "Keyboards, Bass-Klarinette, zusätzliche Gitarren." Zwei der drei Bandmitglieder studieren mittlerweile in Basel und Zürich Musik und Aufnahmentechnik - ein weiterer Grund, warum die Band besser denn je klingt. "Die Art, wie wir unsere eigene Musik hören, hat sich dadurch natürlich verändert", sagt Yannick. "Wir sind noch kritischer mit uns selbst geworden."

Für die Aufnahmen zu "Stamm" hat sich die Band zwei Wochen im Proberaum des Musikvereins Holzhausen eingesperrt - dem Keller einer Grundschule. "Wir haben alles dort reingepackt, dort geschlafen, gegessen, aufgenommen", sagt Fabian Willmann. Zwischen gestapelten Stühlen entstanden dort die zwölf Songs des Albums.

Das startet mit dem Song "Forst Date" - "Das ist fast schon Beat mit den ganzen Claps", befindet Fabian Heßel, und erzählt von den Live-Aufnahmen und allerlei Schabernack, den die Band dabei getrieben hat. Wer genau hinhört bemerkt dann auch - irgendwo weit unter der Musik - Selbstanfeuerungen in Keith-Jarrett-Manier - ein Testament an die Freude der Band an ihrem eigenen Klang. Ebendiese Leidenschaft ist dem gesamten Album anzumerken.

"Es hat mehrere Ebenen", urteilt Yannick. "Wer will, kann tief eintauchen und sie sich alle erschließen, aber wer einfach so nebenbei ein paar gute Songs hören will, kann das auch tun." Fabian Heßel hält das Album für zugänglicher als seine Vorgänger. "Das kann man einfach reinlegen in den CD-Player, und gut ist's", sagt er. "Ich glaub', das ist ein gutes Zeichen, wenn man das selbst noch hören mag, obwohl man es schon so oft gehört hat."

Nur fürs Mischen haben sich die Vier Hilfe geholt: gemischt wurde "Stamm" von Mandy Parnell in den Londoner Black Saloon Studios. Die Mischerin hat eine gar illustre Klientenliste von Midlake über Tame Impala bis hin zu Fatboy Slim. "Sie hat unserem Klang gut getan", sagt Fabian Heßel. "Sie hat uns auch gefragt gefragt, ob wir nicht nach London kommen wollten, aber irgendwo ist dann doch das Budget erschöpft."
Das neue Album, der neue Klang hat auch die "Viertel vor Vier"-Live-Auftritte verändert. Auf der Bühne steht das Quartett jetzt mit viel mehr Gadgets, unter anderem zwei MacBooks und einem einem Midi-Keyboard. "Das Problem ist nur, dass wir tatsächlich langsam einen fünften Mann bräuchten", sagt Fabian. "Gleichzeitig Keyboard spielen und Saxophon, das bringt mich an meine Grenzen." Doch ein fünfter Mann, das würde den Bandnamen kaputt machen, deswegen wird einfach mehr geackert. Auch auf der Straße stehen die vier immer noch gerne - dann natürlich ohne Gadgets. "Straßenmusik ist genau deswegen ehrlich", sagt Fabian Willmann.

Dreieinhalb Jahre gibt's die Band jetzt schon. "Wir sind Kleinkinder, aber gut laufen können wir schon", scherzt Yannick. Wie's weiter gehen soll mit Viertel vor Vier, darüber sind sich die Herren einig: Viele CDs verkaufen, am liebsten alle, natürlich, und viel spielen, egal wo. Hauptsache ohne Sängerin, ohne Bassisten.



N3 - live @ ASG Gundelfingen

Quelle: YouTube

7ner - live @ ASG Gundelfingen

Quelle: YouTube

Mehr dazu:

Was: "Viertel vor Vier"-Record-Release-Konzert "Stamm", danach Party mit Luke Le Loup & Mazeltopf
Wann: Samstag, 26. Oktober 2013, 21 Uhr
Wo: Artik Freiburg, Siegesdenkmal
Eintritt: 4,90 Euro