Samstag im Hasen: Vortrag & Konzert der Berliner Rapperin Sookee

Hengameh Yaghoobifarah

Solidarität, Aktivismus und Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern machen die Berliner Rapperin Sookee aus. Wer sagt, als queere Rapperin müsse man so oder so sein, täuscht sich. Feminin, maskulin, androgyn, scheißegal: In eine Schublade lässt sie sich in keiner Hinsicht einordnen, weder was ihren Style, ihre Sexualität oder ihre allgemeine Person angeht. Am Samstag tritt sie im Hasen auf:



Denkt man an typische Merkmale des Hiphops, fällt einem als Erstes die übertriebene Betonung der Maskulinität mit Hilfe von diskriminierenden Mitteln ein. Homophobie, Sexismus und Frauenfeindlichkeit bestimmen das Weltbild des Mainstream-Hiphops. Dieses setzt sich vor allem in den Köpfen seiner jungen Hörerinnen und Hörer fest.


Dass das daneben ist, wird nicht nur in der Prüfstelle jugendgefährdende Medien festgestellt, sondern auch innerhalb der Szene. Längst nicht alle identifizieren sich mit den diskriminierenden Tönen weißer Männer des Labels Aggro Berlin und machen eine Gegenbewegung. Ein schönes Beispiel dafür ist der Zusammenschluss TickTickBoom, in dem 27 Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Nischen des Hiphop – vom Rap bis hin zur Produktion und der Street Art – sich auf den Zecken-Rap als Antwort auf Ausländerfeindlichkeit, Sexismus, Homo- und Transphobie in der Branche geeinigt haben. Eine von ihnen ist die Berliner Rapperin Nora Hantzsch, bekannt unter ihrem Pseudonym Sookee.

Ihre langen, dunklen Haare sind an den Seiten abrasiert, ihren rechten Nasenflügel ziert ein Piercing und ihre Haut wird von Tattoos geschmückt. Die schwarzen Buchstaben auf ihren Fingerknöcheln bilden zusammen den Begriff „Wordnerd“, wie der Titel einer ihrer Songs. Worte sind ihr Ding, das beweist sie sowohl in ihrer Musik, als auch in ihren Vorträgen. Ob in Schulen, Jugendzentren, Camps oder Universitäten ist Sookee ein gern gesehener Gast am Podium. Als ehemalige Studentin der Gender Studies und der Deutschen Linguistik greift ihr Wissen tief genug, um anderen interessante Inhalte zu vermitteln, ganz in der im Hiphop traditionellen „Each one teach one“-Kultur. Über Geschlechterbilder und Homophobie in der Szene kann sie als queere Frau eine Menge erzählen, aber auch darüber hinaus hat sie viel auf dem Herzen.

Auf ihrem aktuellen Album „Bitches, Butches, Dykes and Divas“ macht sie queerfeministischen Rap und lässt es nicht aus, das deutsche Schulsystem, Faschismus, Rape Culture, aber auch latenten Sexismus in der Antifa zu kritisieren. Der Titeltrack ist eine Kampfansage an das Patriarchat und in „Purpleize Hiphop“ geht es darum, wie sie die Szene lila anmalt – in der Farbe der Frauenbewegung: „Endlich feiern alle Queer Hiphop wieder/Und der Grund ist offensichtlich meine Hits sind lila/Queer Leben ist kein Partymotto, dis Teil geht tiefer/Quing is Bitch, Butch, Dyke and Diva“

Sookee lässt sich nicht einschüchtern, sondern wehrt sich gegen alles, was sie stört. Letzten November zum Beispiel diskutierte sie mit Maxim von K.I.Z. hinter dem Podium und zeigte, wie wenig Reflexion hinter der Macho-Fassade im Hiphop steckt.

Sookee - Rapper wissen wer die Zecken sind



Quelle: YouTube


Pro Homo - Sookee und Tapete (official music video HD)



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Deine Elstern - Zwanzigzwölf (Jahresabschluss Exclusive)



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Mehr dazu:


Was: Sookee: "Schwule Rapper, es wird Zeit, dass wir Tacheles sprechen…” – Männlichkeitsentwürfe und (Hetero-)Sexismus im deutschsprachigen Rap" - Vortrag & Konzert
Wann: Samstag, 4. Mai 2013, Vortrag ab 20 Uhr, Konzert ab 22 Uhr
Wo: White Rabbit   [Bild: Promo]