Leute und Listen

Rym Nouioua und Meinhard W. Lutz, (nicht): "Schlussstriche sind immer Quark"

Manuel Fritsch

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: die Spitzenkandidaten von necessary intellectually charging tendency (nicht).

Rym Nouioua und Meinhard W. Lutz treten für die Liste necessary intellectually charging tendency (nicht) an. Mit Foto wollten die beiden Interviewten nicht in der Badischen Zeitung und auf badische-zeitung.de erscheinen.

BZ: Sie wollen keinen Wahlkampf machen, müssen aber doch Wähler ansprechen. Wie lösen Sie diesen Widerspruch?
Nicht: Die Ablehnung des Begriffes und der Praxis des "Kampfes" widerspricht nicht einem respektreichen Sprechen mit WählerInnen. Und ein "Muss" ist es schon gleich gar nicht.
"Die Steuerbarkeit quantitativen Wachstums ist eine Mär. Ein Dahinknallen von Siedlungen in der Größe eines Stadtteils ist eine Sünde."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Nicht: Wenn nach dem Lesen unserer Website noch Unklarheiten bestehen: Suche nach der Wahrheit, Blick über die Stadtmauern hinweg, Aufklärungsresistenzresistenz und Öffnung des öffentlichen Raums, ArmutsvererbungsgegnerInnenschaft, Kulturpositivismus, Kontrollwahnbehebung... und die endgültige Verabschiedung von Gedanken zum Bau von klassenstabilisierenden, Armut identifizierenden "Einfachwohnhäusern".

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Nicht: Nix muss. Gern aber Offenlegung von Masterplänen der Dezernate, Organisierung von Diskursen, zum Beispiel zum Umgang mit Begegnungen mit dem Brunnen des Platzes der alten Synagoge, und mehr Trinkwasserentnahmestellen.
Rym Nouioua, Umweltwissenschaftlerin, und Meinhard W. Lutz, Privatus precarius, antworten für sich und 14 weitere.



BZ:
Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Nicht: Die Steuerbarkeit quantitativen Wachstums ist eine Mär. Ein Dahinknallen von Siedlungen in der Größe eines Stadtteils ist eine Sünde. Die Fragen auch hier sind die von Qualitäten und Entwicklungsprozessen. Schlussstriche sind immer Quark.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Nicht: Die Frage unterstellt zu Unrecht pauschal eine Gleichsetzung von "Schulden machen" und "Griff verlieren". Davon abgesehen: Die schaffen das.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Nicht: Eine zu dokumentierende öffentliche Debatte um Kulturverständnisse unter anderem am Beispiel der Planung eines Stadtjubiläums am Anfang des 21. Jahrhunderts im Südwesten der BRD.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Wir finden den kommunalen Ordnungsdienst …
Nicht: ... wenig überraschend; als peinlichen, Angst produzierenden, hinterrücks wieder eingeführten KOD.
"PartnerInnenschaft mit freundlichen emanzipativen weltoffenen Listen ist je nach Zustand möglich. Eheähnliches eher nie."

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Nicht: Wäre dem so, begriffen wir Scheitern als Chance.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Nicht: Arbeit? Punktuell recht breit. PartnerInnenschaft mit freundlichen emanzipativen weltoffenen Listen ist je nach Zustand möglich. Eheähnliches eher nie.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Nicht: Top: Beschluss über das Plankonzept zur Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge. Flop: Fortführung der Bauarbeiten "wie geplant" nach Begegnung mit dem Fundament.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter:Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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