Ruhige Wohnung direkt an der Höllentalbahn: Grusel-Erlebnisse mit Maklern in Freiburg

Wohnungs-Guru

Groß, ruhig, neu und direkt am Wald: So oder ähnlich präsentierten sich unserem Wohnungs-Guru mehrere Freiburger Wohnungen. Doch was sich im Inserat so traumhaft las, entpuppte sich für fudders Wohnungs-Guru regelmäßig als Albtraum - inklusive diverser Grusel-Makler:

 

Sonnig! Grün! Ruhig!

Drei Zimmer, fast 100 Quadratmeter Wohnfläche, an ruhiger und sonniger Lage am Waldrand, 850 Euro warm: nennt man so ein Angebot nicht Jackpotwohnung? Leseecke, Fernsehecke, Arbeitsbereich, Gäste- oder Kinderzimmer, bei dieser Größe ist alles möglich. Und für diesen Preis nimmt man auch Freiburg-Kappel gerne in Kauf.

Ich rufe die Maklerin an. Die Wohnung ist noch nicht vergeben. Wir vereinbaren einen Besichtigungstermin. Donnerstagnachmittag, 16:30 Uhr. Sie nennt mir die Adresse. Kirchzartener Straße. Ich schaue mir die Lage bei Google Maps an und werde stutzig. Wo ist da der Wald? Und wie ruhig ist ruhig, wenn keine fünf Meter hinter dem Haus die Linie der Höllentalbahn vorbeiführt? Egal. Meine Partnerin und ich suchen schon seit einigen Monaten nach einer Wohnung in Freiburg. Mit der Zeit sinken die Ansprüche.

Zeitgleich mit der Maklerin komme ich an dem Haus in der Kirchzartener Straße an. Wir betreten die Wohnung. Sie liegt im Erdgeschoss. Eine große Terrasse, Rasen- und Nutzgartenfläche gehören dazu. Die einzelnen Zimmer sind geräumig, aber 100 Quadratmeter? Niemals.

Ich frage die Maklerin, mit welchem Anteil die Terrassenfläche zur Wohnfläche angerechnet wird. "Da muss ich in den Unterlagen schauen. Das weiß ich nicht. Ist das denn so wichtig?" Sekunden später zittern die Wände. Die Höllentalbahn. Deutlich vernehme ich das metallische Quietschen und Knacken des Zuges durch die geschlossenen Fenster. Ich zucke zusammen.

Der Maklerin entgeht das nicht. "Ja, gut, das habe ich im Exposé nicht erwähnt, aber wenn sie erst einmal eingezogen sind, werden sie sich daran gewöhnen", sagt sie. Ich lächle sie an, verabschiede mich und entsorge die Unterlagen im nächsten Abfalleimer. So sehr eilt die Wohnungssuche nun auch wieder nicht.

Traumwohnung in der Wiehre

Meine Freundin ruft mich an. Ihre Stimme überschlägt sich. "Ich habe einen Besichtigungstermin für eine wahnsinns Wohnung", sagt sie. Zwei Tage später stehen wir vor einem Stadthaus in der Wiehre. Mit uns stehen 50 oder 60 Mitbewerber auf dem Bürgersteig. Junge Paare, Studentinnen und Studenten, Paare mit Kind, Senioren.

Plötzlich - Motoren brummen. Ein schwarzer Audi Q5 fährt vor. Ein junger Mann steigt aus. Er ist groß gewachsen, hat blondes Haar und eine Gelfrisur, trägt grüne Chinos-Hosen und ein weiß-blau gestreiftes Hemd. Eine Kreuzung aus Surfer-Typ und Guttenberg.

"Sie alle kommen zur Besichtigung? Die Wohnung ist auch wirklich geil", sagt der Mann in die Runde und stellt sich als Makler vor. Und weiter: Studenten und alle, die eine WG-taugliche Wohnung suchen, müsse er enttäuschen. Der Vermieter wünsche das nicht. Ein Drittel der Mitbewerber blickt enttäuscht zu Boden. Davon stand nämlich nichts im Internet. Alle anderen scheinen sich zu freuen. Beim Kampf um eine freie Wohnung wird die Niederlage der Konkurrenz wie ein eigener Sieg gefeiert.

Meine Freundin, ein weiteres Paar und ich dürfen die Wohnung als Erste besichtigen. Der Jung-Makler mustert uns eingehend beim Betreten. "Sie sind noch sehr jung. Können sie sich die Wohnung überhaupt leisten", fragt er uns. Und weiter: "Wie lange sind sie denn schon zusammen? Wollen sie Kinder?" Ich zucke zusammen. So weit ich weiß, ist die Frage nach dem Kinderwunsch tabu, genauso wie Fragen nach der Religion, einer Parteizugehörigkeit, der Mitgliedschaft in einem Mietverein, und so weiter.

Die Wohnung ist wirklich 'wahnsinns'. Parkett, Stuck, das Schlafzimmer mit einer Schiebetür abgetrennt, Flügeltüre zwischen Wohnzimmer und Küche, hohe Decken, und der Preis geht eigentlich auch. Wir füllen die Selbstauskunft aus. Der Jung-Makler glotzt meiner Freundin und der anderen jungen Frau die ganze Zeit auf den Hintern. Er verspricht, sich zu melden, auch wenn er absagen müsse. Wir hören nie wieder etwas von ihm.



Akademiker und Beamte steigern Portfolio

Samstagmorgen, zehn Uhr. Gerade laufe ich über den Markt auf dem Münsterplatz, als mein Handy klingelt. Es ist der Makler, der mich tags zuvor durch zwei Wohnungen im Rieselfeld geführt hat. "Ich habe ihre Unterlagen durchgesehen. Das liest sich alles gut, sehr gut sogar", sagt er. Ich freue mich. Nach drei Monaten intensiver Suche die erste positive Rückmeldung.

Meine Freude währt nur kurz. "Sie können ihr Bewerber-Portfolio steigern, wenn sie mir folgendes anbieten: den Nachweis, dass ihre Eltern Akademiker sind oder, noch besser, dass ihre Eltern beide verbeamtet sind", so der Makler.

Zunächst glaube ich, mich verhört zu haben. Einkommensnachweis und Schufa-Auskunft hat der Makler doch bereits bekommen. Außerdem habe ich mich nicht für eine Villa mit großzügigem Grundstück und prächtiger Aussichtslage beworben, sondern für eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, etwas mehr als 60 Quadratmeter, 650 Euro Kaltmiete im Stadtteil Rieselfeld, Bollerstauden- und Jean-Monnet-Straße. Nicht wirklich 'unique'.

"Hallo? Wann können sie mir den Nachweis bringen? An ihrer Stelle würde ich nicht zögern." Ich lasse den Makler ins Leere sprechen. Sekunden später beende ich das Gespräch.

Erster Stock, ruhig gelegen mit tollem Ausblick ...

... so lautet die Anzeige eines Maklers für eine 56-Quadratmeter-Wohnung mit zwei Zimmern im schönen Brühl. Ein Blick auf die virtuelle Freiburgkarte macht mich vor der Besichtigung jedoch stutzig: Wie kann eine Wohnung ruhig gelegen sein, wenn sie gegenüber vom Güterbahnhof liegt?

Allen Zweifeln zum trotz stehe ich an einem sonnigen Samstagmittag vor einem fremden Hauseingang und warte auf Einlass in das fünfstöckige Gebäude. Gerade einmal zehn Minuten nach dem vereinbarten Termin macht mir ein etwa 50 Jahre alter, solariumbraungebrannter Mann die Türe auf und stellt sich namentlich vor: der Makler.
Der Mann spricht schnell und hat einen sehr starken schwäbischen Akzent. Er trägt einen Champagnerfarbenen Anzug und dazu passend spitz zulaufende Schlangenlederstiefel, die Haare sind pomadig nach hinten gegelt - ich muss unweigerlich an Dieter Bohlen in Modern-Talking-Zeiten denken. Als ich mir selbst die Frage stelle, ob diese Karikatur von Makler echt ist, befinde ich mich auch schon in der Wohnung.

Diese ist auf den ersten Blick einfach sehr klein - viel zu klein für 56 Quadratmeter. Darauf angesprochen, wird mir erläutert, dass sowohl Kellerraum als auch Balkon in die Wohnfläche mit eingerechnet wurden und dass es absolut Usus sei, das so zu machen, dieser Tage. Eigentlich habe ich schon genug, dennoch lasse ich mir nach dem fensterlosen Mini-Badezimmer und dem winzigen Schlafzimmer noch den Wohnbereich mit Balkon zeigen.

Die Küche ist nicht wie auf dem Grundriss im Internet vermerkt separat, sondern mitten im Wohnzimmer. Außerdem ist es keine richtige Küche, sondern eine alte vergilbte Spüle mit zwei verrosteten Herdplatten und einem Minikühlschrank. Der sieht so aus, als ob er aus purem FCKW besteht.

Angesprochen auf den Mietpreis, merke ich, dass die vermutlich ebenfalls braungebrannten Füße des Maklers in seinen Schlangenstiefeln anfangen zu schwitzen. "740 warm - plus Garagenstellplatz für 45", ist seine Antwort. Obendrauf kämen dann noch Strom und Internet. Auf meine Frage, ob das sein ernst sei, antwortet der Mann selbstverliebt und lautstark: "Nirgendwo werden Sie etwas besseres zu diesem Preis bekommen."

Als ein Güterzug vorbeifährt und ich die Stimme des Maklers - trotz geschlossener Türen (!) - nicht mehr hören kann, verlasse ich die Wohnung. Die Mieterselbstauskunft (samt Einverständniserklärung für die Maklerdieste 1480 Euro zu zahlen), die ich beim reinkommen in die Hand gedrückt bekam, landet in der nächsten Grünen Tonne.



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  • fudder: http://fudder.de titel="">Wohnen für Hilfe: Günstige WG mit Familienanschluß
[Symbolbild 1 & 3: © auremar - Fotolia.com; Symbolbild 2: © the_builder - Fotolia.com]