Rollerderby in Freiburg: Rasant auf Rollen

Alexander Preker & Benedikt Nabben

Ihr Sport ist schnell, körperbetont und neu in Deutschland. Er gleicht einer Mischung aus Wettrennen und Eishockey auf Rollschuhen. Rollerderby heißt er und auch in Freiburg hat sich ein Team gegründet: Die Blockforest Roller-Girls. [Mit Fotogalerie und Video!]



Mit ihren Turnschuhen streichen die Frauen das gelb-schwarz gestreifte Klebeband auf dem Linoleumboden der Sporthalle fest, die Luftblasen knacken. Mehr als zwei Rollen Klebeband benötigen sie, um das 25 Meter lange Oval abzukleben, in dem sie dann auf Rollen flitzen. Eigene Markierungs-Linien haben die Blockforest-Roller-Girls in der Jahnhalle in Freiburg-Zähringen noch nicht, der Baumarkt hilft aus.

Vor vier Wochen stand Elena Vent-Schmidt das erste Mal auf Rollschuhen. Vor wenigen Tagen hat sie als Rollerderby-Girl ihren ersten "Bout" gehabt, ihr erstes Spiel. Aggressiv geschminkt, mit Gelenkschützern und Helm geschützt umrundet die Lehramtsstudentin dabei ihre Gegnerinnen. So fährt sie Punkt für Punkt für ihr Team ein.

Die 22-Jährige schlängelt sich geschickt durch den gegnerischen Block. Hat sie mal keinen Platz, rempelt sie sich den Weg frei, viele der Frauen stürzen oder schlittern auf Schonern über den Hallenboden. Verletzte gibt es keine, doch Rollerderby ist nichts für zimperliche Mädchen: Nur wenn Elena Vent-Schmidt mal wieder zu sehr ihre Ellenbogen einsetzt, muss sie auf die Strafbank.

Stoßen, blocken, rempeln sind ausdrücklich erwünscht

Beim Rollerderby laufen zwei Teams mit je fünf Frauen gleichzeitig im Kreis. Jeweils vier von ihnen laufen vorneweg, sie bleiben eng zusammen und bilden Blocks. Die zwei anderen starten mit Abstand als "Jammerinnen" und erzielen für ihr Team Punkte, indem sie die Spielerinnen des gegnerischen Blocks überrunden.



Die Frauen in den Blocks versuchen genau das zu verhindern. Stoßen, blocken, rempeln und abdrängen sind dabei ausdrücklich erwünscht. Nur wenige Dinge wie Schlagen, Kratzen oder Beinstellen dürfen die Frauen nicht, mehrere Schiedsrichter passen auf, dass sich die Frauen an die Regeln halten. In Deutschland wetteifern 19 Vereine bei "Roller Derby Deutschland". Auch die Blockforest Roller Girls sind mit dabei.

Es soll kein Roller-Girl mit gleichem Namen geben

Nach einer halben Stunde ist das Rennen vorbei. Elena Vent-Schmidts Team hat gegen ein zweites Team aus Blockforest-Roller-Girls verloren: mit 124 zu 140 Punkten. Ein echter Bout gegen andere Vereine in Deutschland dauert doppelt so lange. Ihn wollen sie im Oktober fahren, bis dahin müssen alle Frauen zeigen, dass sie bestimmte Techniken beherrschen. Der amerikanische Verband hat hierfür Mindestanforderungen festgelegt, die längst noch nicht alle Freiburger Rollerderby Girls beherrschen. Eine Fahrerin stürzt bereits an der Startlinie.



Bereits heute haben sich die Freiburger Roller-Girls Derby-Namen gegeben. Spielerinnen mit ähnlichen Derby-Namen schreiben Elena Vent-Schmidt alias "Blizz-O" und die anderen rund 20 Blockforest-Roller-Girls weltweit an und bitten um ihr Okay. Aus Respekt. Es soll kein Roller-Girl mit gleichem Namen geben. Doch auch ohne das sind die Freiburger Roller-Girls vielseitig. Bei ihnen läuft die Doktorandin neben der Discounter-Verkäuferin. Künftig wollen sie ein zweites Mal pro Woche trainieren. Zur Not auch auf Beton- oder Asphaltboden, selbst wenn Stürze dort stärker schmerzen.

Seit kurzem gehören die Roller-Girls zum Verein der Breisgau Beasts, deren Skater-Hockeyteam in der zweiten Liga spielt. Der Trainer der Beasts, Dirk Müller, war auf die Frauen aufmerksam geworden, nachdem eine Frau in der Zeitung Mitstreiterinnen gesucht hatte. Viele der Frauen haben sich über fudder gefunden oder sie haben wie Elena Vent-Schmidt auf Facebook nach Gleichgesinnten gesucht, nachdem sie den Film Roller Girl gesehen hatten.



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Fotogalerie: Benedikt Nabben

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