Rock am See im Strom-Chaos

Carolin Buchheim

"I fucking hate playing european festivals when it is riddled with fucking incompetent people", mault Nine Inch Nails-Frontmann Trent Reznor in einem Video, das die Band gestern zu YouTube hochgeladen hat. "Fuck this shit!" Er meckert über das Rock am See-Festival, das am vergangenen Wochenende in Konstanz stattfand und von Koko Entertainment aus Freiburg und Konstanz veranstaltet wurde. Razorlight sagten ihren Auftritt ab, NOFX hatten keinen Strom und Trent Reznor nicht die Lightshow, die er haben wollte. Was war da los? fudder hat bei Koko nachgefragt.



Trent Reznor, ohnehin in der Öffentlichkeit selten fröhlich zu sehen, hat in den beiden Videos, die die Band gestern zu YouTube hochgeladen hat, extrem schlechte Laune.


"I'm Backstage at the Konstanz Rock am See Festival. Extremely irritated to find out that the promoter who put this on is a cheap fucker that didn't bring the right power", moppert das Mastermind von Nine Inch Nails, vor einem Rock am See-Plakat stehend. "So the PAs cut out this afternoon. We can't use any of our lights or production and so we are faced with putting on a fairly terrible show. With no lights at all, an hour late, because these guys can't get it together. So it's an incredibly frustrating situation and I fucking hate playing european festivals when it is riddled with fucking incompetent people. Fuck this Shit!"

Auch die Bilder, die die Band auf die offizielle Band-Website hochgeladen haben, sprechen Bände: Die Innenseite eines Zelt im Backstage-Bereich scheint von der Band mit der Zeichnung eines männlichen Genitals und dem Schriftzug Leck mein Kugelsack versehen worden zu sein.

"Es war eine Laune des Sängers", meint Koko Konstanz Pressesprecherin Monika Kolar. "Es lag wohl ein internes Problem bei Nine Inch Nails vor, dass von Trent Reznor auf die Veranstalter Koko und DTK Entertainment verlagert wurde. Nine Inch Nails haben schon einige Wochen vor Rock am See ihre Bühnenanweisungen bei unserer technischen Leitung eingereicht. Das was dort an Strom angefordert wurde, haben sie bekommen."

"Die Band hat morgens schon aufgebaut und ihre Lampen installiert, und eine Stunde vor der Show ist ihnen aufgefallen, dass sie nicht genug Strom hatten. Deswegen konnte die Band einen Teil ihrer Lichtshow nicht so gestalten, wie sie das vor hatten. Darüber war Trent Reznor anscheinend sehr entrüstet. Um es aber noch einmal ganz deutlich zu sagen: Wir haben die Auflagen der Band erfüllt", erklärt Molar.

Bereits vor dem verspäteten Auftritt von Nine Inch Nails, hatte es Probleme auf dem Festival gegeben: Razorlight mussten ihren Auftritt nach einem Tourbus-Unfall auf dem Weg von München nach Konstanz absagen und wurden durch die Konstanzer Band Mess ersetzt.

"Wir haben Mess telefonisch erreicht, als die Band gerade geschlossen am Strandbad Hörnle lag", erzählt Monika Kolar. "Sie wollten noch was grillen und dann später ohnehin aufs Festival. Sie haben sich über den Anruf gefreut, hatten gerade eben noch Zeit, ihre Instrumente zu holen, und hatten keine Zeit mehr, nervös zu sein und haben einen Super-Gig abgeliefert."

Dann kam es jedoch zu Problemen: Während des Gigs von NOFX fiel  im Bodenseestadtion und im umliegenden Stadtviertel der Strom aus.
Dies habe, so laut.de, nach Angaben der Stadtwerke Konstanz, am hohen Stromverbrauch der Imbissstände gelegen.

NOFX überspielten die halbstündige Zwangspause mit Gags und A-Capella-Einlagen.  Die Auftritte von Billy Talent und den Sportfreude Stiller vor den rund 15.000 Zuschauern im Bodenseestadtion verliefen danach ohne weitere Zwischenfälle, bevor Trent Reznor schließlich fluchend und eine Stunde verspätet mit seiner Band die Bühne betrat, ohne Video-Installation und große Lightshow.

Laut Berichten im Fan-Forum Echoing the sound besserte sich Reznors Laune während des Konzerts kaum, auch wenn er seine Wut in die Show zu stecken schien: Schon vor dem rituellen Gitarren-Zerdeppern am Ende des Gigs flogen Gegenstände auf der Bühne umher. Der Song "Hurt", sonst ein Highlight von NIN-Konzerten, wurde von Reznor nach 20 Sekunden abgebrochen, weil aus dem Publikum ein Zwischenruf kam. Weitere technische Probleme gab es nicht. "Trent Reznor hat irgendwo geschrieben, dass es bei allen europäischen Festivals technische Probleme gegeben habe", bemerkt Monika Kolar. "Wenn dem so ist, dann ist ja vielleicht eher so, dass Nine Inch Nails ihre Bühnenanweisung überarbeiten müssen, und dann alle technischen Probleme wie von Zauberhand verschwinden."

Tatsächlich scheinen NIN-Auftritte bei europäischen Festivals unter keinem guten Stern zu stehen, auch wenn es nicht immr technische Probleme sind, die Trent Reznor die Laune verderben: Im Sommer 2005 ließen Bühnenarbeiter der Toten Hosen beim Greenfield-Festival in Interlaken Teile der Kulisse auf die Gitarren der Bandknallen und erst vor drei Wochen gab es Ärger, als die Band beim Frequency Festival in Salzburg im äußerst unpassenden Time-Slot zwischen den Beatsteaks und den Ärzten spielte. Die Schuld an den misslungenen Gig hatte Trent Reznor in einem Posting bei echoing the sound auf sich genommen.

So schlimm wie Trent Reznor fand Monika Kolar das Rock am See-Festival trotz aller Probleme nicht. "Ich fand die Stimmung sehr entspannt und schön, den ganzen Tag."

Mehr dazu:



Nine Inch Nails - Rock am See Festival Recap Part 1