Unwetter und Brückenarbeiten

Rheintalstrecke ist wieder frei – Nur noch einzelne Verspätungen

Alexandra Röderer & Helmut Seller

Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im Zugverkehr in Baden-Württemberg ist wieder geöffnet: Nach einem schweren Oberleitungsschaden und Brückenarbeiten fahren die Fernzüge auf der Rheintalstrecke wieder.

Stundenlang ging auf der Rheintalstrecke zwischen Offenburg und Freiburg nichts mehr. Ein Unwetter hatte am Sonntag kurz nach 14 Uhr die Oberleitung zwischen Lahr und Orschweier auf einer Länge von 600 Metern beschädigt. Die Bahn brauchte Stunden, um sie zu reparieren. In der Folge war für Fernreisende aus dem Norden in Karlsruhe Schluss, für Passagiere aus dem Süden in Freiburg.



Dort und in Offenburg herrschte buchstäblich Ausnahmezustand. Zahlreiche Reisende strandeten in Lahr, Hunderte am Offenburger Bahnhof, nachdem sie teils mehr als drei Stunden lang auf offener Strecke in den Zügen ausharren mussten. Erst am späten Nachmittag gelang es der Bahn in Richtung Orschweier einen Ersatzverkehr mit sieben Bussen einzurichten. "Es war nicht so einfach, an einem Sonntag die entsprechenden Fahrzeuge zu organisieren", so eine Mitarbeiterin der Bahn.

Der Freiburger Michael-Marcos Hedrich saß in einem der ersten Ersatzbusse, die in Orschweier ankamen. "Dort gab's die Durchsage, dass wir noch eine halbe Stunde auf den Zug aus Freiburg warten müssten." Im Zug dann die zweite Durchsage: "Es hieß, wir müssten auf den Ausgleichszugführer warten – der derzeit in einem der Ersatzbusse saß, der da erst in Lahr war." Die Folge: Weitere 20 Minuten warten. "Dann ging's aber flott. Die Fahrer waren mit ihren Durchsagen sehr freundlich", so Hedrich. "Die Hilfe funktionierte besser als die Kommunikation."



Einsatzkräfte versorgten die Wartenden mit Getränken

Die Bahn stellte in Karlsruhe, Freiburg und Offenburg Aufenthaltszüge bereit, in denen Gestrandete sich ein wenig ausruhen konnten. In Offenburg herrschte bis nach Mitternacht Ungewissheit, wie es für die gestrandeten Reisenden weitergehen wird. Über Stunden stand der EC 9 aus Hamburg am Gleis, im Zug versorgten Einsatzkräfte der Rettungsdienste die Menschen mit Getränken.

Während sich einzelne Reisende ein Hotelzimmer besorgten, bereiteten DRK und Malteser die Einrichtung einer Notunterkunft in der großen Offenburger Nordwesthalle vor. Zunächst war daran gedacht, dort 200 Feldbetten aufzustellen und bei Bedarf weitere aus dem Umland anzufordern. Nahe der Halle hielt sich ein Fahrzeugkonvoi bereit, der die Betten geladen hatte. Auch Paletten mit Getränken wurden vorsorglich in die Halle gebracht. Zur Erfassung der Reisenden hielt sich das Überregionale Kreis-Auskunftsbüro des DRK bereit, zu dessen Führungsteam Josef Steinel gehört. Nach seinen Angaben war der Aufbau des Notlagers am Ende doch nicht nötig, weil sich gegen Mitternacht endlich abzeichnete, dass die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen können.

Frust und Wut bei vielen groß

Trösten konnte das die Gestrandeten nur bedingt, der Frust war bei vielen war groß. "Es gab keinerlei Information, keine Organisation", sagte ein Mann, der bereits kurz nach 14.15 mit seinen zwei kleinen Jungs in Lahr festsaß. Das Problem dort: Der Lahrer Bahnhof hat keine Toilette. Er ließ sich von einem Freund aus Freiburg abholen.

Dort bildeten sich vor dem Informationsschalter in der Bahnhofshalle lange Schlangen, die Menschen wollten nur eins: nach Hause. "Wir haben von der Bahn den Hinweis bekommen, wir sollen uns im Umland umschauen", berichteten zwei Reisende auf der Suche nach einem Hotel der Badischen Zeitung. Aber sie wollten am Bahnhof bleiben, hatten auch um 21 Uhr noch die Hoffnung, irgendwie weiter nach Norden zu kommen.

Bei Malterdingen behinderten Brückenarbeiten den Zugverkehr

Kurz nach Mitternacht dann die Nachricht: Der Schaden ist behoben, die Strecke ist wieder befahrbar. Aus Norden wurden zwei ICE mit Passagieren auf die Strecke geschickt, aus Süden einer. Eile war geboten, denn: Gegen 0:30 Uhr wurde die Strecke zwischen Offenburg und Freiburg wieder für Fernzüge gesperrt. Planmäßig in diesem Fall.

"Grund hierfür waren Brückenarbeiten bei Malterdingen, die voraussichtlich bis 4.30 Uhr beendet sein werden", so ein Mitarbeiter der Bahn. Das habe nicht verschoben werden können, so die Bahn.

Nach 4:30 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben. "Aktuell kommt es auf einigen wenigen Linien zu Verspätungen, aber die Abarbeitung läuft", sagte ein Bahnsprecher der Badischen Zeitung um 6 Uhr.

Mehr zum Thema: