Release the Beats antwortet aufs 'Plädoyer für eine sensiblere Sprache'

Release The Beats

Darf eine Veranstaltung mit dem Begriff 'Amoklauf' für sich werben? fudder-Autorin Fabienne Hurst hat diese Frage am Donnerstag verneint und ein 'Plädoyer für eine sensiblere Sprache' gehalten. Das wollte der Veranstalter Release the Beats nicht auf sich sitzen lassen. Und hat eine Antwort darauf verfasst:



Es ist schon über 130 Jahre her, seitdem der russische Verhaltensforscher Iwan Petrowitsch Pawlow neue Erkenntnisse über relativ simple neuronale Verschaltungen erlangte. Klassische (oder passive) Konditionierung nannte er den Vorgang, den er an Hunden erforschte. Diese Konditionierung bestand darin, einen natürlichen Reflex (in diesem Fall der Speichelfluss des Hundes ) in einem verfremdeten Kontext hervorzurufen (durch ein Glockenklingeln).


Dieser Reflex konnte von den Hunden nicht gesteuert werden und entstand durch ständige Wiederholung des verfremdeten Reizes in Kombination mit dem natürlichen Stimulus. Diese Art der Konditionierung steht der operanten Konditionierung gegenüber, in der das natürliche Verhalten eines Versuchstiers aktiv durch das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern verändert werden konnte. Analoge Reiz-Reaktions Verhaltensmuster können ebenfalls auf den Menschen übertragen werden. Die Metaphern des (denk)faulen Hundes oder der dummen (faulen) Sau wären an dieser Stelle angebrachte Beispiele.

Zudem sind es noch keine zehn Jahre her, seit sich der Germanist und Reinheitsfetischist Wolfgang Thierse über eine "sprachlich-moralische Verluderung" des Deutschen echauffierte. Damit hornte er den selbsternannten Antiverlotterungsverteidigern des deutschen (Lied-)Guts german ängstlich hinterher, die selbst bei Anglizismen bereits einen Angriff auf das 'gute Deutsche' beziehungsweise auf das 'deutsche Gut' witterten. Wenn dem doch bloß so gewesen wäre. Eine Bereicherung wollten sie jedenfalls nicht darin erkennen.

Auf Freiburger Lokalebene ist gewöhnlich keine geistige Glanzleistung zu erwarten. So bläst denn auch die Autorin des Meinungstexts "Gangbang, Neger, Amoklauf: Plädoyer für eine sensiblere Sprache" ein armseliges Windchen aus dem nur vermeintlich pc-len Kleindorfmief, anstatt sich mal des als Vorstufe eines von ihr eingeforderten Nachdenkens notwendigen Lesens zu bemühen und zu versuchen, das mit dem Genetiv mal klarzukriegen.

"Freshness droht mit Amoklauf" beinhaltet den "Amoklauf der Freshness" und ist somit meilenweit entfernt von der Aussage "Amoklauf ist fresh". Klingt zwar wieder so fremdländisch, aber paraphrasieren nennt die Germanistin und der Germanist das, was die Veranstaltenden beim 'Amoklauf der Freshness' als Mittel benutzten. Schreck lass nach.

Das Subjekt des propagierten Laufes ist dabei jene freshness und eben nicht das als solches erscheinende, in Wahrheit Objekt irgendwelcher durchgeknallten gesellschaftlichen Verhältnisse seiende. Abba als Schraibgraft sod ma scho leese könne. Echt unsensibel, faul und dumm gelaufen. Aber so ist's, wenn gutmensch mit der Selbstbeschleunigung nicht zurecht kommt und dabei wirkliche Unterdrückung, strukturelle Ungleichheit, Sexismen und anderes echtes Dummgekwatsche aus den Augen verliert und den Feinsinn fürs Wesentliche verlosend journalistisch verlottert.

Mal schaun, was kommt, wenn der Küchennazi denunziert oder der Schreibtischtäter geoutet wird. Gegen ein Plädoyer gegen prollige Wortkraftmackerei wäre an anderer Stelle nix einzuwenden.

Mehr dazu:

[Anmerkung der Redaktion: Release the Beats hatte für seine Antwort folgende Überschrift vorgeschlagen: "Freiheit, Reinheit, Verluderung, Verlotterung: Statement einer denkfaulen 'HipHop-Crew'" Damit aber auch der unbescholtene Leser versteht, worum es geht, haben wir uns für eine andere Überschrift entschieden.]
[Bild: Release the Beats]