Eröffnung des Akademischen Jahres

Rektor Schiewer liebäugelt in seiner Rede mit den Hochschulplänen des französischen Präsidenten

Anita Rüffer

Dass sich zur Eröffnung des Akademischen Jahres an der Albert-Ludwigs-Universität alles ein Stelldichein gibt, was Rang und Namen hat in Freiburg, gehört zum alljährlichen Ritual. Es zeigt die enge Verbundenheit der Hochschule mit ihren Gönnern aus Politik, Kirche und übriger Hochschullandschaft in Stadt und Land.

Dass sich wie gestern aber ein französischer Staatspräsident – wenn auch nur indirekt – in den Kreis der Unterstützer einreiht, dürfte ein Novum sein. Unirektor Hans-Jochen Schiewer jedenfalls hat die kürzlich gehaltene Grundsatzrede von Emmanuel Macron zu Europa geradezu als "Steilvorlage" für die Freiburger Universität verstanden. Diese sieht sich auf dem besten Weg, im Verbund mit den Universitäten am Oberrhein zu den ersten von Macron anvisierten europäischen Universitäten mit europäischen

Abschlüssen zu werden.

Womöglich muss sie sich dann nicht mehr den in Deutschland üblichen Exzellenzwettbewerben "unterwerfen". Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern zur Förderung der Spitzenforschung gerät laut Schiewer zum "Stresstest für das universitäre System". Sehnsüchtig geht der Blick nach Frankreich mit seinen schnelleren Entscheidungswegen. Seit zwölf Jahren beteiligt sich die Freiburger Uni an den Wettbewerben um die besten Forschungsunis in Deutschland – mit Erfolgen und Enttäuschungen.

Im derzeit laufenden dritten Exzellenzwettbewerb haben zwei von fünf Teams nach der Vorrunde die Chance, mit Vollanträgen an der Endrunde teilzunehmen. "Mit den Lebens- und Materialwissenschaften sind zwei unserer Profilbereiche im Rennen geblieben." Das Engagement der drei anderen Forschungsteams soll nach dem Willen Schiewers nicht sang- und klanglos verpuffen. Dafür sollen andere Förderformate gefunden werden.

Professor Christian Mair, stellvertretender Vorsitzender des Universitätsrates, kann dem Wettbewerb auch Gutes abgewinnen: innovative Forschung, auch in den Geisteswissenschaften und unter Beteiligung so genannter Orchideenfächer.

Studierende fordern

mehr Einbindung

Für Philipp Stöcks von der Verfassten Studierendenschaft dienen Exzellenzförderungen eher dazu, "Luftschlössern Prestige zu verleihen" statt für eine ausreichende Grundförderung der Hochschulen zu sorgen. Für Eucor, den europäischen Campus, können sich auch die Studierenden begeistern. Sie finden es laut Stöcks aber widersprüchlich, gleichzeitig Studiengebühren von ausländischen Studierenden zu erheben. "Binden Sie uns ein in Ihre Entscheidungen", fordert er die Entscheidungsträger auf.

Er spricht damit Susanne Baer aus dem Herzen. "Für kritisches Nachfragen werden Sie dringend benötigt", appelliert sie in ihrem Festvortrag nicht nur an die Studierenden, sondern an das gesamte Universitätspersonal. Seit 2011 ist die Rechtsprofessorin Richterin am Bundesverfassungsgericht.

Die rechtsstaatliche Demokratie sieht sie derzeit in keiner guten Verfassung. Sie hat erlebt, wohin das führen kann: Bis 2010 hat sie zehn Jahre lang an der Central European University in Budapest unterrichtet. Diese wird zunehmend zur Zielscheibe der rechtskonservativen ungarischen Regierung Orban und muss um ihre Existenz bangen.

Die Universitäten als Ort der Wissenschaft haben für Susanne Baer deshalb in diesen Zeiten, da "Fakten und belegbare Urteile statt Falschmeldungen" gefragt sind, eine "zutiefst politische Bedeutung".

Die Freiheit der Wissenschaft, das "Denken ohne Geländer", diene der Verteidigung der Demokratie. "Regieren ohne Wissen" sei nicht demokratisch. "Sie dürfen die Wahrheit wagen", so ihr leidenschaftlicher Appell an Studierende, Forschende und Lehrende.

Preisträger

Mit Nachwuchsförderpreisen für ihre "hervorragenden Forschungsarbeiten" wurden 26 junge Frauen und 28 Männer ausgezeichnet. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 110 900 Euro wurde von zahlreichen Privatpersonen und Institutionen gestiftet. Den Ralf-Dahrendorf-Preis der Badischen Zeitung überreichte Chefredakteur Thomas Fricker an die Historikerin Christa Klein (die BZ berichtete).

Der mit je 5000 Euro dotierte Universitätslehrpreis wurde an Anna Rosen vom Englischen Seminar und den Wirtschaftswissenschaftler Professor Tim Krieger für ihre innovativen Lehrkonzepte überreicht. Die Medizinstudentin Alexandra Haag bekam den Sonderpreis für studentisches Engagement (500 Euro) für ihr Kinderbuch "Paula und die Zauberschuhe". Den Alumni-Preis für soziales Engagement (2000 Euro) teilen sich Shahrzad Mohammadi für "Bike Bridge" (Flüchtlingsfrauen lernen Radfahren) und Philipp Müller für "Duwa Lofunga", ein Bildungsprojekt in Malawi.  

Autor: arü