Reisetipps für Rom

Anna-Lena Zehendner

Wer bei Rom nur an alte Steine und spinnende Römer denkt, liegt daneben: Die italienische Metropole bietet unendlich viel Kunst, es gibt überall Schönes zu entdecken und bei einem einzigen Besuch weiß man kaum, wo man anfangen soll. Anna-Lena kennt sich schon ein bisschen aus und gibt bei fudder wertvolle Tipps.





Die übersehene Sehenswürdigkeit

Rom ist eine einzige gigantische Sehenswürdigkeit. Dem aufmerksamen Auge bieten sich an jeder Ecke geschichtsträchtige, architektonisch bedeutende oder einfach wunderschöne Anblicke. Leider wissen das auch noch ein paar andere Leute, die gesamte Innenstadt ist überschwemmt mit Touristen. Diesem Dilemma kann man in Rom schwer entgehen.

Was einem in dieser Stadt am besten gefällt ist Geschmackssache. Für begeisterte Kirchgänger bieten sich unzählige Möglichkeiten, die barocke Pracht kann aber auch schnell anstrengend werden. Wer gerne ins Museum geht, der kaufe sich eine Eintrittskarte für das Museo Nazionale, die Crypta Balbi, die Diokletiansthermen und die Palazzo Altemps. Drei Tage lang stehen einem dann dort die Türen offen. Der Palazzo nördlich der Piazza Navona ist nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten sicherlich auch einen Besuch wert. Er beherbergt eine der schönsten Kunstsammlungen Roms, die Sammlung Ludovisi, die gleichzeitig sehr überschaubar ist. Besonders beeindruckt hat mich dort die Architektur. Der Innenhof ist auf beiden Etagen durch Galerien begehbar, in den Räumen lassen sich neben den Ausstellungsstücken kunstvolle Holzdecken und Fresken aus der Mitte des 15. Jahrhunderts bestaunen. Mit ein bisschen Fantasie fühlt man sich fast wie ein Adeliger in der Renaissance. Diese Pracht ist trotz der zentralen Lage und der Aufführung in allen Reiseführern von Besucherströmen relativ verschont.



Auch nicht unbekannt, aber definitiv lohnend ist die Ara Pacis Augusti direkt am Tiber gegenüber dem Augustus Mausoleum. Der Altar für Augustus hat nach sieben Jahren Unrast seit dem Frühjahr 2006 eine neue Heimstatt in einem Gebäude des berühmten Architekten Richard Meier gefunden. Der Altar ist das einzige Ausstellungsstück des Museums, doch nicht ohne Grund: Die hier 9 v. Chr. verwendete Symbolik lässt sich nicht nur in der Architektur Roms, sondern überall in der Welt wiederfinden. Ein besonderes Schmankerl für die Kunsthistoriker unter uns und solche, die es werden wollen. Also unbedingt einen Führer erstehen.

Wem das zu Kunst-lastig ist, der sollte sich einfach mal ohne Plan durch die Stadt treiben lassen. Überall sind in den kleinen Gassen und größeren Straßen nette Cafés und Gelaterias versteckt, die zum Ausruhen einladen. Irgendwann findet man immer eine große Straße, eine Metro- oder Busstation an der man sich wieder orientieren kann.

Adressen:

  • Palazzo Altemps, Piazza Sant’Apollinare 44, Website (nur auf Italienisch)
  • Ara Pacis Augusti, Lungotevere Augusto

Nachtquartier


Am besten lässt sich Rom natürlich von der Wohnung eines Freundes aus entdecken. Wer einen solchen Freund nicht hat, der besorge sich einen Freund eines Freundes eines Freundes, denn Rom ist teuer. Leider bin ich die denkbar falsche Ansprechpartnerin für günstige Hotels, deswegen empfehle ich das Internet. Hier findet ihr Verweise auf Preise und Verfügbarkeit. Manchmal ist ein Hotel sogar günstiger als ein Hostel! Letztes Jahr war ich im Yellow nahe Termini und es hat mir sehr gut gefallen, allerdings war das auch nicht ganz billig – 26 Euro die Nacht. Schaut Euch einfach mal im Internet um.

Adresse:
  • The Yellow, Via Palestro 44

Kaffeepause

Na, grad im Kolosseum gewesen und gleichzeitig enttäuscht und sauer, weil sich der horrende Eintrittspreis nicht gelohnt hat? Flucht vor den Touristenströmen gefällig? Und das zu gemäßigten Preisen? Direkt an der Ostseite, hinter der Piazza del Colosseo, lässt es sich im Cafè Cafè sehr gut einen - ja was? genau - Kaffee trinken oder wenn der kleine Hunger kommt auch was essen. Außerdem idealer Ausgangspunkt für die architektonisch bedeutende Kirche Santo Stefano Rotondo und die ähnlich alte Kirche San Clemente mit unterirdischem Mithras Heiligtum.



Ein weiteres Refugium für Touristenstromflüchtlinge ist das Museumscafè des Chiostro del Bramante (mit kostenloser WLAN) nordöstlich der Piazza Navona direkt neben der Kirche Santa Maria della Pace. Für Gäste des Cafés ist der Eintritt natürlich frei, und in der Galerie des Innenhofes lässt sich herrlich Capuccino trinken. Da das die meisten Touristen aber nicht wissen finden sich hier auch viele Italiener ein. Adressen:

  • Cafè Cafè, Via dei Quattri Santi Coronati
  • Chiostro del Bramante, Piazza Santa Maria della Pace, Website


Magengrummeln

An sich lässt es sich in Rom sehr gut snacken. Von Dönern ist im Allgemeinen abzuraten, bitte haltet euch an die Pizze und dergleichen mehr italienische Delikatessen (zum Nachtisch die mit Schokocreme gefüllten Cornetti nicht vergessen!). Wenn’s abends mal etwas mehr sein soll dann lohnt es sich im Studentenviertel San Lorenzo ins Restaurant Da Franco zu gehen. Das Menü ist mit 21 Euro sicherlich nicht billig, aber ihr bekommt eine breite Variation an Fischgerichten und den passenden Wein dazu. Außerdem sieht man, wie Römer wirklich essen, das sieht nämlich ganz anders aus als beim Italiener um die Ecke. Leider ist hier montags geschlossen, vielleicht geht sonntags keiner fischen.

Wem das zu teuer ist, der gehe in die Pizzeria Da Baffetto nahe der Piazza Navona. Dort kann man bei gesitteten Preisen eine große Pizza essen und Rotwein trinken, wenn man mag auch draußen.

Adressen:

  • Pizzeria Da Baffetto, Via Sora
  • Da Franco, Via dei Falisci
 

Shop 'til you drop



Die Via del Corso, die von der Piazza del Popolo zum Monument für Vittorio Emanuele II verläuft, zieht sowohl Touristen wie Einheimische zum Shoppen und Sehen und Gesehen werden an. In den Seitenstraßen finden sich die Nobelläden. Ähnlich sieht es auch auf der Via Nazionale aus. Für den großen Geldbeutel: Die Via dei Condotti mit Gucci und Co. Wem das zu schnieke ist, der besuche den Markt auf dem Campo dei Fiori südlich des Corso Vittorio Emanuele II, auch wenn man dort den schon erwähnten Touristenströmen nicht aus dem Weg gehen kann. Wichtig: Nie den erstgenannten Preis zahlen!

Meet the locals

In Rom findet man eine Mischung aus sehr vielen ausländischen Touristen, vielen inländischen Touristen und Römern. Vor allem die ausländischen Touristen machen es einem natürlich schwer, römische Atmosphäre zu atmen. Alles, was nicht 10 Euro Touristenpreis kostet, zieht Italiener an. Macht am besten etwas, das im Grunde fast kein Geld kostest. Z.B. Wein kaufen und Euch auf die Tiberinsel setzen. In der Innenstadt wird es sehr schwierig werden, Römer von Italienern von Touristen zu unterscheiden. Zieht euer eigenes Ding durch und erfahrt euer eigenes Rom. Immer noch römischer als die meisten Römer, denn die sind oft auch nur zugezogen (neigschmackt)...

Für Romantiker


Die berühmten Hügel Roms sind der beste Anlaufpunkt für schöne Ausblicke und ruhige Momente. Über die konkrete Zahl der Hügel lässt sich streiten, meine Favoriten aber sind Gianicolo und Pincio. Bei einem Spaziergang durch das ehemalige Arbeiterviertel Trastevere einfach mal auf den Gianicolo steigen. Von oben lässt es sich über die ganze Stadt blicken (am schönsten beim Sonnenaufgang), italienischen Handpuppenspielern zuschauen (die Geschichte über die böse Hexe versteht man auch ohne Italienischkenntnisse) oder einfach auf dem Rasen ein wenig entspannen (keine Angst, das machen auch die Römer). Der Pincio, direkt über der Piazza del Popolo gelegen, bietet einen ähnlich guten Blick auf die Stadt, aber einen schöneren Park. Ein Mittagspäuschen und der Blick in das Lichtspiel der Blätter bieten sich an, aber auch zum Sonnenuntergang ist dieses Plätzchen sehr zu empfehlen!



Lesetipp

Teuer aber gut: Für meinen vierten Aufenthalt in Rom habe ich ihn mir endlich geleistet, den Dumont Kunst-Reiseführer von Heinz-Joachim Fischer.

Über Rom ist endlos viel geschrieben worden, und je nach Interessen findet man allerhand feine Reiseliteratur. Für den etwas anspruchsvolleren Touristen aber ist der Dumont der beste Einstieg. Da finden sich Standards wie ein Stadtplan und eine Umgebungskarte, wissenswerte Informationen zur modernen Stadt, eine kleine Geschichte Roms und Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten. Letztere sind jedoch nicht nach drei Zeilen vorbei, sondern wunderbar fundiert und anschaulich. Auf den letzten Seiten findet sich dann noch ein kleines aber feines Literaturverzeichnis mit Büchern für jeden Geschmack. Gibt es bei amazon.de auch gebraucht. Das lohnt sich!

Fischer, Heinz-Joachim, Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur in der Ewigen Stadt, 4. Auflage 2006, DuMont Reiseverlag.




Die Tippgeberin:
Anna-Lena Wollersheim studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt an der Uni Freiburg. Anfang Mai war sie eine Woche in Rom. Ein Satz über ihren Aufenthalt: „Ich war das vierte Mal da und es gibt immer wieder so viel zu sehen. Rom ist eine der schönsten Städte die ich kenne und an jeder Ecke kann man Geschichte schnuppern.“

Mehr dazu:


fudder-Serie: Großstadtgeheimtipps