Reisetipps für Prag

Lisa Adams

Lisa Adams aus Freiburg ist vor einiger Zeit nach Prag gezogen, um dort für den tschechischen Rundfunk zu arbeiten. Inzwischen kennt sie die Stadt so gut, dass sie auf fudder eine Fülle von Insidertipps geben kann. Nach dem Lesen möchte man gleich losfahren.





Bewegen

Innerhalb der Altstadt (Stare Mesto) lassen sich alle Strecken bequem zu Fuß zurücklegen. Für längere Strecken sollte man unbedingt einen Fahrschein kaufen. In der Prager Metro und in den quietschenden Straßenbahnen stehen oft Kontrolleure.

In allen U-Bahn-Stationen, aber an fast keiner Straßenbahnhaltestelle, gibt es zweisprachige Fahrscheinautomaten. Ein Einzelticket kostet 20 Kronen, das ist knapp ein Bier; daher lohnt sich das Schlangestehen für einen günstigeren Zeitcoupon.
An den Verkaufsschaltern (zum Beispiel in den Stationen Andel und Muzeum) verstehen die Menschen in der Regel ein Minimum an Englisch und Deutsch. Stadtplan mitbringen!



Die 1974 eröffnete Metro, nach Moskauer Vorbild gebaut, ist schnell, und die Stationen sind übersichtlich. Aber tief unter der Erde ist es auch zugig und dunkel. Wer das Straßenbahnnetz kennt und nutzt, sieht mehr von der Stadt.

Surfen

Wer im Urlaub mit Laptop unterwegs ist, findet Wireless Lan in den meisten großen Einkaufszentren (z.B. Palác Flora und in den Village Cinemas bei Andel). Allerdings ist die Verbindung im Internetcafé am sichersten und schnellsten.

Gut sitzt es sich zum Beispiel im Kava Kava Kava, ebenfalls am Andel oder in der Innenstadt. Hier gibt es frisch gerösteten Kaffee aus Süd- und Mittelamerika, Milkshakes sowie süßes Backwerk.

Seiten, die bei der Orientierung helfen: mapy ist eine gute online-Karte für Tschechien. Man kann direkt nach einer Adresse suchen und sich die nächsten Haltestellen anzeigen lassen.

Hier findet sich übrigens ein guter und übersichtlicher Übersetzungsdienst. Man kann tschechische Wörter auf Deutsch (cesko - nemecký), Englisch, Spanisch und umgekehrt suchen.

Vermeiden

 
  • Großgruppenfahrten mit "Praha Drinking Team"- Shirts
  • Taxi: Für mittlere Strecken von zirka 15 Minuten sollte man im Allgemeinen nicht mehr als 200 Kronen zahlen, allerdings variieren die Preise. Anrufen ist empfehlenswert, etwa bei AAA Taxi (+420 233 113 311)
 
  • Wertsachen in Hemd- oder Hosentaschen stecken. Besonders in den Straßenbahnen der Innenstadt und in denen, die zur Burg und ins Botschaftsviertel fahren. Alles in eine verschließbare Tasche und dann nah am Körper tragen. Ist zwar lästig. Noch lästiger aber ist es, in der Botschaft einen neuen Pass beantragen zu müssen. Ist meiner Freundin gleich zweimal hintereinander passiert.
 
  • Am Kiosk essen. Wurst und anderen Leckereien an den Kiosks entlang des Wenzelsplatzes oder am Bahnhof sollte man nur in besonderen Fällen trauen.
 

Essen und Trinken

Meine Lieblingskneipe mit böhmischer Küche und dem guten Gambrinus (ein leichtes Pils) ist das U Milosrdnych (Zu den Barmherzigen). Hier kostet ein halber Liter Bier je nach Sorte 22 bis 30 Kronen, ein Schnitzel 125 Kronen.



Die Jungs, die hier bedienen, haben dicke Bäuche, fast immer gute Laune und verstehen ein wenig Deutsch. Auf der Deutsch- Englisch-Tschechischen Karte stehen zwar "Salate aus dem Garten von Ziegenbock Matthias", allerdings habe ich bei den Barmherzigen noch nie jemanden Salat bestellen sehen.

Tschechische Küche bedeutet: Gulasch, Braten, Schnitzel, Knödel, Kartoffelpuffer, Kroketten. Vor zehn Jahren gab es in Prag zu Truthahnkeule und Kartoffeln nicht einmal ein Salatblatt oder ein Viertel Tomate. Inzwischen haben touristische Restaurants sogar Ceasars Salat, Sushi und fettarme Suppen.

Für Figurbewusste ist das U Milosrdnych also nichts. Dafür sitzt man in der Bierstube zwischen Tschechen, die hier ihr Feierabendbier trinken. Im Fernseher läuft Sport. Die Toiletten sind sauber und abschließbar, was in Prager Kneipen eher ungewöhnlich ist.

Am leichtesten findet man die Barmherzigen, wenn man ab der Karlsbrücke an der Moldau entlanggeht und in die "Kozi" (Ziege) einbiegt. Wer aus der Innenstadt kommt, kann auch vom Ziegenplatz zum Restaurant laufen, dass an der Ecke Kozi/U Milosrdnych liegt. Montag bis Samstag ist bis offiziell elf Uhr geöffnet, Sonntags ist der Laden zu.

Wer es noch ungewöhnlicher, billiger und weiter weg vom Schlag mag, für den lohnt sich der Weg zum "Ausgeschossenen Auge". (U Vystrelenýho Oka).

Das Lokal ist von der Deckenbemalung bis zu den Aschenbechern von dem tschechischen Künstler Martin Velišek gestaltet worden. In der Bar ist ein Aquarium eingelassen. Ein Bier (Krušovice) kostet 20 Kronen, ein Schnitzel mit Kartoffelsalat 70 Kronen. Außerdem stehen Ei in Essig und eingelegter Hermelin (Käse) auf der Speisekarte, von vier bis elf wird gekocht. Im Sommer sieht man vom Biergarten aus das Denkmal des Hussitenführers Jan Zizka, nach dessen Kriegsverletzung das Lokal benannt ist.

Wer im Ausgeschossenen Auge ein T-Shirt von Velišek erwirbt, kann ein originelleres Andenken mitnehmen als ein "Ich war in Prag aber erinnere mich nicht" T-Shirt.

Der Weg ist nicht ganz einfach: Am besten fährt man bis zur Metrostation "Florenc" und geht dann links um die Ecke über die Straße. Vor dem McDonalds ist die Bushaltestelle Florenc, von der man mit der Nummer 133 oder 207 eine Station bis "U Památniku" fährt. Von da aus geht es links den Berg hoch, bis man in die Straße "U Bozich Bojovníku" einbiegt und nach ein paar Metern vorm Eingang steht.

Ein weiterer Kneipen-Tipp ist das Shadow bei der Straßenbahnhaltestelle "Ujezd".



Hier gibt es zwar nichts zu essen, dafür aber ab 16 Uhr den halben Liter Gambrinus für 25 Kronen und einen Kickertisch. Musik: Hip Hop, Reggae, Drum'n'Bass, Rock, alles gelegentlich viel zu laut. Manchmal gibt es Liveauftritte halbprofessioneller Bands und DJs.

Die Wandbemalung ist originell, die Sofas gemütlich. Publikum: hauptsächlich junge, kiffende Tschechen und internationale Studenten. Geöffnet bis 1 Uhr nachts.

Meine Lieblingspizza gibt's an einer kleinen “Pizza Factory” Verkaufsbude am Masarýkovo nádrazi. Der historische Masarykbahnhof ist einen Blick wert und ein großes Stück Pizza kostet hier nur etwa 35 Kronen.

Wer mal was Gesundes essen möchte, dem empfiehlt sich zum Beispiel die "Boulevard Bageterie" in der Vodickova. Von der Straßenbahnhaltestelle der 9, 3, 14 und 24 am Wenzelsplatz sind es zur Bageterie nur ein paar Meter. Hier gibt es außer Baguettes, Kaffee und Bagels auch Salat und Joghurt mit Früchten zu Supermarktpreisen. Ein frisch gepresster Saft kostet 20 Kronen.

Grundsätzlich gibt es das beste Obst und Gemüse übrigens auf den kleinen Märkten. Zum Beispiel bei der Metrostation Národní Trida.

Feiern

Kein echter Geheimtipp ist das Roxy in der Dlouha 33. Dafür ist der Club in der Altstadt (Nähe Námesti Republiky) leicht zu finden. Jeden Montag ist der Eintritt frei. Sonst kostet er um die 130 Kronen. Dafür gibt es internationales Publikum und Musikprogramm.

Die Dlouha 33 nennt sich "Experimentalgelände", im Keller ist der Klub Roxy, im ersten Stock das NOD. Ein Theater/Internetcafé/Ausstellungsraum, in dem man sehr nett sitzt. Viele Ausstellungen sind kostenlos.

Wirklich geheim, weil nicht so einfach zu finden, ist der Bunkr. Man fährt mit der Straßenbahn 5, 9 oder 26 bis zum Olšanske Námesti, der zwischen Funkturm und o2Tower liegt. Alternativ kann man auch bis zur Metrostation "Flora" fahren und den Berg runterspazieren.

Hinterm Hotel Olšanka geht es die Propokova runter. Vor der Brücke weist ein Schild (Vorlicek-Plast), das gar nichts mit dem Bunkr zu tun hat, in die richtige Richtung. Hier geht es die Treppen hoch bis man zu einer kleinen, bunt besprayten Tür kommt. Wenn man die öffnet, hört man schon die Musik von weit unten.



Immer im Kreis geht es die Treppen herunter in den Club zwischen Panzertüren, die ein wenig ans Crash erinnern. Hier werden den Nachtschwärmern außer Bier in Plastikbechern auch belegte Baguettes angeboten.

Eine tolle Mischung aus Kneipe und Disco ist das "Château l'enfer rouge" in der Nähe des Altstädter Rings (Staromestke námesti). Man geht links von der Teynkirche durch die Týnská unter zwei Torbögen hindurch, bis man vorm Eingang steht. Mich erinnert das Château mit seiner abstrusen Deko immer ein wenig ans Atlantik.

Hier trifft sich so ziemlich jeder, deshalb sollte man eher unter der Woche oder erst ab ein, zwei Uhr nachts vorbeischauen. Sonst läuft man Gefahr, einer betrunkenen Junggesellenabschieds- oder Touristengruppe zu begegnen.

Unternehmen

Ein noch nicht von Touristen überfülltes Café an der Moldau ist das Sekt Ponton. Genau genommen sitzt man hier auf einem Floß, mit Blick auf den Hradschin, die Karlsbrücke und die vorbeituckernden Boote.



Hier kann man lange und in Ruhe sitzen, der Sekt ist ausgezeichnet, allerdings gibt es kein Essen. Ein Bier kostet etwa 45 Kronen, man zahlt eben für die Aussicht.

Mein Lieblingsort, um in der Sonne zu faulenzen, sind die Vojanovy-Gärten (U Luzického Semináre 17, Nähe Metrostation Malostranska. Man kann aber auch vom Sekt Ponton aus über die Brücke spazieren). Hier blühen die Wiesen, es brummt rund um die Bienenstöcke.



Die öffentlichen WCs sind mit 15 Kronen Benutzungsgebühr zwar die teuersten, aber auch die saubersten Toiletten, die ich in Prag gefunden habe.



Ein paar Häuser weiter (U Luzického Semináre 24) befindet sich die engste Gasse Prags. Das kann einen Freiburger zwar nicht beeindrucken, allerdings haben unsere Gässle keine Ampeln. Hinter dem schmalen Durchgang verbirgt sich ein weiteres Restaurant.
Das Restaurace Certovka ist geringfügig teurer als das Sekt Ponton, aber dafür auch etwas exklusiver und noch näher an der Karlsbrücke.



Kein bisschen geheim ist die John-Lennon-Mauer am Velkoprevorské-Platz. Mein Tipp wäre, sich die wild bemalte Mauer nachts anzusehen. Ein paar Kerzen brennen fast immer, vielleicht trifft man sogar ein paar Leute mit Gitarre und Rotwein.



Wer tagsüber vor den Touristen flüchten möchte, kann hier ins John&George gehen. Sehr schön eingerichtetes Restaurant mit noch schönerem Biergarten.

Der Fernsehturm ist auf jeden Fall einen Blick wert, allerdings nur lohnend, wenn man auch hinauf will. Das Gelände umher ist nämlich nicht gerade Prags schönste Gegend. In Zizkov dient der Funkturm als Orientierungshilfe, nachts wird er rot/blau angestrahlt.

Am einfachsten zu erreichen ist das eigenwillige Gebäude von der Metrostation Jiriho z Podebrad.



Man sieht den Turm von hier aus schon von Weitem. Auf dem Platz Jiriho z Podebrad vor der Kreuzkirche sitzen verliebte Teenager und alte, heruntergekommene Menschen, die schon morgens Wein aus dem Tetrapack trinken.

Wer sich hier am frühen Abend auf die warmen Steinstufen vor der Kirche legt und ein bißchen in die Sterne blickt, wird von niemandem komisch angeschaut.

Gegenüber vom "Shadow", also bei der Straßenbahnhaltestelle Ujezd, fährt ein kleines Bähnchen auf den Berg Petrin. Das Schlangestehen an der Station kann etwas lästig sein.



Dafür kann man mit dem regulären Metroticket alle 15 Minuten den Berg hinauf fahren und anschließend runter spazieren. Der Petrin bietet sich für Picknicks und Sonnenbaden an und man kann die Kinder auf den Spielplatz schicken.

Einkaufen

Für Flohmarktmenschen ist der “Bazar” ein Geheimtipp. In den alten Jugendstilhallen des Hauptbahnhofs (hlavni nadrazi) findet man Kleider, Schuhe, Handtaschen ab 30 Kronen pro Stück.

Was hier unter schwindelerregend hohen Decken auf Wühltischen liegt, sieht auf den ersten Blick nach Ramsch aus, manchmal findet man aber ausgesucht schöne Stücke.

Mozart sagte einmal über Prag:"Ich fahre hier jeden Tag den gleichen Weg nach Hause und sehe immer etwas Neues".

Ich selbst entdecke jeden Tag neue Seiten dieser wunderschönen Stadt und kann nur jedem empfehlen, sich ein bißchen treiben zu lassen und auch in die etwas abseitigen Ecken zu schauen.

Natürlich nicht mitten in der Nacht und auch nicht allein.

Ich bin gespannt auf eure Kommentare und auf Geheimtipps.

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