20. Prozesstag

Rechtsmediziner nimmt an, dass Maria L. während der Vergewaltigung bewusstlos war

Carolin Buchheim & aktualisiert um 14:15 Uhr

Am 20. Tag im Prozess gegen Hussein K. hat der rechtsmedizinische Gutachter Stefan Pollak zu den Ergebnissen der Obduktion ausgesagt. Er nimmt an, dass Maria L. während der Tat bewusstlos war.



Der 20. Prozesstag ist vorbei

14:15 Uhr Der Prozess wird am Dienstag, 27. Februar fortgesetzt. Dann soll es noch einmal um den versuchten Mord auf Korfu gehen, für den Hussein K. verurteilt wurde.

Aussage des Zeugen Mahmoud A.

14:10 Uhr Nach der Mittagspause im Prozess ist Mahmoud A. der erste Zeuge. Der 19-Jährige ist aus Syrien geflohen und lebt in Freiburg. Er sagt mit Hilfe eines Dolmetschers für Arabisch aus. Er habe Hussein K. im Münstertal kennengelernt, wo sie gemeinsam in einer Einrichtung gelebt hätten; sie seien auch gemeinsam zur Schule gegangen und hätten sich mit ein wenig Englisch, Arabisch und Deutsch verständigt. "Haben Sie sich mit Herrn K. einmal über sein Alter unterhalten?", fragt Richterin Schenk den Zeugen. "Er sagte, er sei 18 Jahre alt, aber nicht über 20", sagt A. "Wir waren in einer Einrichtung für Minderjährige untergebracht." Er habe ihm nicht geglaubt, aber das sei egal gewesen. Schenk fragt, ob die Zahlen 23 und 25 im Zusammenhang mit Hussein K. eine Bedeutung hätten. Der Zeuge verneint.

Daraufhin liest Richterin Schenk ihm einen Teil seiner Aussage im April 2017 gegenüber der Polizei vor: "Mit dem K. habe ich darüber gesprochen, wann und wie er es mir gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass er mir gesagt hat, er sei so 23 oder 25 Jahre." "Das kann sein", sagt der Zeuge. Genau erinnern kann er sich nicht. Schenk liest weiter aus der Aussage vor: "Das genaue Alter weiß ich nicht, aber dass er 23 oder 25 gesagt hat, weiß ich noch. Er hat auch angegeben, dass er sich hier als Jugendlicher ausgibt, damit er andere Behandlungsmöglichkeiten erfährt." Gegenüber der Polizei sagte Mahmoud A. auch, dass Hussein K. deutlich älter aussehe als er angab, dass er "groß und stark" sei. Langsam kann A. sich besser an die Gesprächssituation erinnern - aber nicht an die konkreten Zahlen. "Haben Sie damals bei der Polizei die Wahrheit gesagt? War da Ihre Erinnerung noch frischer?", fragt die Vorsitzende Richterin. "Ja."

Staatsanwalt Berger fragt ebenfalls nach. Er mag nicht recht glauben, dass der Zeuge sich nicht mehr erinnert. In der Aussage habe gestanden, er habe den vermeintlich Gleichaltrigen darauf angesprochen, dass er älter aussehe. "An die Details des Gesprächs kann ich mich nicht erinnern", sagt der Zeuge. "Aber sie haben bei der Polizei gesagt, sie hätten es an der Größe und am Gesicht und an der Stärke des Angeklagten festgemacht", entgegnet Berger. "Für mich schien er älter zu sein", sagt der Zeuge.

Verteidiger Glathe fragt nach, ob der Zeuge den Drogen- oder Alkoholkonsum von Hussein K. bemerkt hätte. Mahmoud A. erzählt von einer Feier in Freiburg, bei der alle Alkohol und Marihuana konsumiert hätten, "auch er". Glathe reicht das nicht. "Hat er nach Haschisch oder nach Marihuana gerochen?", fragt er. "Manchmal hat er Zigaretten geraucht, aber es hat nach Haschisch gerochen", sagt der Zeuge. Auch Glathe liest aus der Aussage vor. "Er hat nach Alkohol und Marihuana gerochen. Man hat ihm das irgendwie angesehen." "Können Sie konkrete Situationen nennen?", will der Verteidiger wissen. "Ich kann mich nicht erinnern", sagt der Zeuge.

Wird Verteidiger Glathe als Zeuge aussagen?

Noch einmal geht es zum Abschluss des Prozesstags um eine mögliche Aussage von Verteidiger Glathe als Zeuge zum Telefonat mit dem mutmaßlichen Vater von Hussein K. Dafür müsse Hussein K. ihn von der anwaltlichen Schweigepflicht entbinden und ihm ein anderer Verteidiger als Ersatz beigeordnet werden. Im Rahmen des heutigen Verhandlungstages habe man sich noch einmal verständigt, so Glathe. Hussein K. werde seine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen.

Ergänzende Aussage eines Ermittlers zum Handy von Hussein K.

12:30 Uhr Vor Gericht geht es noch einmal um das Handy von Hussein K.: nicht um Daten, die das Handy automatisch gesammelt hat, sondern um Chats, Fotos und Sprachnachrichten. Der Zeuge, ein Polizeibeamter, hat schon einmal ausgesagt, bevor das Handy von Hussein K. entsperrt worden war. Nach der Entsperrung konnte er die Benutzerkonten auf dem Handy des Angeklagten auswerten. Hussein K. hatte unter anderem Whatsapp, Facebook, Instagram, Musically und Viber auf seinem Handy installiert. "Auf zwei Plattformen wählte er den Nutzernamen Underworld", sagt der Ermittler. In dem Film gehe es um den Kampf von Vampiren gegen Werwölfe.

"Man hat nicht den Eindruck, dass ihm die Tat nachgegangen ist, wenn man weiß, was passiert ist" Ermittler zu privaten Handyfotos von Hussein K. nach der Tat
1400 Kontakte habe Hussein K. gespeichert gehabt, davon aber viele in vielfacher Ausführung. Drei Kontakte mit iranischen Vorwahlen seien dem Beamten aufgefallen: "Mein Bruder A.", "Meine Schwester S." und "Vater". Zum Account "Vater" hätte Kontakt über Snapchat, Whatsapp und Viber bestanden.

Eine Facebook-Konversation sei auffällig gewesen: In dieser habe Hussein K. geschrieben, er sei im Iran geboren und habe dort bis zu seinem 18. Lebensjahr gelebt. In einer Konversation mit der Schwester habe er sich nach der Gesundheit der Mutter erkundigt und gesagt, er könne über den Arzt, bei dem er lebt, möglicherweise eine bessere Versorgung organisieren. In dieser Konversation habe Hussein K. Auch davon geschrieben, dass er mit seinem Vater gesprochen habe. "Ich ging danach davon aus, dass der Vater noch lebt", sagt der Beamte.

"Von der Gesamtschau kann man davon ausgehen, dass er das Handy Ende September oder Anfang Oktober in Betrieb genommen hat", sagt der Ermittler. Auf dem Handy seien viele Musikvideos gespeichert gewesen; iranischer Hiphop und "schnulzige Liebesballaden". Auch Videos mit religiösen Inhalten habe Hussein K. besessen, in denen Männer sich selbst kasteien würden. "Das ist für Menschen shiiitschen Glaubens wohl normal", sagt der Beamte. Manche Videos zeigten auch K. selbst - beim Marihuanakonsum oder beim Feiern mit Freunden. Videos und Fotos kurz nach dem Tattag zeigten ihn laut dem Zeugen in gelöster Stimmung. "Man hat nicht den Eindruck, dass ihm die Tat nachgegangen ist, wenn man weiß, was passiert ist", sagt der Zeuge.

50.000 Fotos seien auf dem Handy gespeichert gewesen, viele davon aber Systembilder. 1.600 Bilder habe man ausgewertet, darunter seien auch pornographische Bilder gewesen, die habe er jedoch nur im Internet angeschaut, nicht gespeichert. Darunter seien auch tierpornographische Darstellungen gewesen, die entsprechende Website habe er mehrfach angeschaut. "Man kann nicht sagen, dass man da zufällig draufgeklickt hat", sagt er. Außerdem habe Hussein K. Wolfsbilder gespeichert, zum Teil mit iranischen Texten. "Eine große Anzahl von Selfies", habe K. auch gespeichert. "Eine gewisse Selbstverliebtheit wird da sichtbar", sagt der Zeuge. Lichtbilder würden auch seine auffällige blondierte Frisur mit Zopf zeigen, sowie Bilder danach, in denen der Zopf abgeschnitten und das Blond entfernt worden sei.

Am Richtertisch schauen die Verfahrensbeteiligte einige der Bilder an, darunter auch solche, die die verschiedenen Frisuren des Angeklagten zeigen. Bei einem Foto bestätigt Hussein K., dass es sich um ein Bild seiner Schwester handelt. Bei anderen weiß er nicht, woher sie stammen. Manche zeigen romantische Sprüche und Wöfle. Ein Bild zeigt wohl auch einen Mann, der eine Frau eine Klippe herunterstürzt. "Ich habe hier aber auch die Extreme ausgewählt", sagt der Beamte.

Schließlich wird eine Aufnahme von Hussein K.s Stimme abgespielt und vom anwesenden Dolmetscher laut übersetzt. Vor Gericht wird sie "Voicemail" genannt, wahrscheinlich ist es jedoch eine Sprachnachricht von Hussein K. Aus einem Chatverlauf: In der bittet der Angeklagte wohl seine Schwester, einen Beipackzettel abzufotografieren, damit er ein besseres Medikament "gegen seine Fußschmerzen" organisieren könne. Staatsanwalt Berger fragt kritisch nach, im Auswerte-Bericht stehe ausdrücklich "Vater", das sei hier jedoch jetzt nicht ausdrücklich gesagt worden. Daraufhin wird eine weitere Sprachnachricht angehört: Hussein K. nimmt darin auf den Vater Bezug: "Vater hat mich zwei Mal angerufen".

Staatsanwalt Berger fragt nach SMS aus der Tatnacht, nur 30 Minuten vor der Tat, die in den Verbindungsdaten vermerkt, aber inhaltlich nicht ausgewertet werden konnten, weil sie gelöscht worden waren. "Es gibt SMS, die nach dem Löschen wiederhergestellt werden können", sagt der Ermittler. "Bei manchen geht das nicht, weil sie wieder überschrieben wurden."

Dann liest die Vorsitzende Richterin zwei übersetzte Chats vor:
  • einen Facebook-Chat mit Mohammed Reza M.: Darin sagt Hussein K., er habe 18 Jahre im Iran gelebt; die beiden jungen Männer tauschen sich über ihren Geburts- und aktuellen Aufenthaltsort aus.
  • einen Facebook-Chat mit Saana K.: In dem Gespräch mit seiner Schwester geht es um die Medikamente der Mutter.

Entscheidung der Kammer zum Ausschluss der Öffentlichkeit

11 Uhr Der Prozesstag beginnt mit der Entscheidung der Kammer zum Ausschluss der Öffentlichkeit: Diese wird abgelehnt. Ein Ausschluss der Öffentlichkeit sei dann möglich, liest die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk vor, wenn Interessen des Opfers geschützt werden müssen, "wenn nicht das Interesse einer öffentlichen Erörterung überwiegt". Das sei hier jedoch der Fall. Das Obduktionsergebnis enthalte maßgebliche Informationen zum Tatablauf; deren öffentlicher Vortrag sei wichtig und auch im Sinne der öffentlichen Kontrolle der Gerichtsbarkeit. Mit einer posthumen Bloßstellung des Opfers sei nicht zu rechnen.

Aussage des Rechtsmediziners Stefan Pollak

Stefan Pollak ist Leiter der Freiburger Rechtsmedizin. Der 68-Jährige strukturiert seine Aussage auf Bitte der Kammer in drei Abschnitte:
  • die Befunde von Maria L.s Obduktion
  • die mögliche Blutalkoholkonzentration von Hussein K. zum Tatzeitpunkt
  • das Risiko eines Todeseintritts bei einem Sturz aus zehn Meter Höhe – wie im Fall von Spiridoula C. auf Korfu.
Er beginnt mit den wesentlichen Erkenntnissen der Obduktion von Maria L. Pollak beschreibt ruhig, in klaren Worten und gut strukturiert zunächst die äußeren Befunde: Schaum in den Atemwegen, der typisch für einen Ertrinkungstod sei. Dann beschreibt er die Verletzungen an Maria L.s Hals: Einblutungen, Male und Quetschungsblutungen, die auf Würgen mit Fingern hindeuten und möglicherweise auf Drosselung mit einem breiten und weichen Gegenstand, wie ihrem Schal. Jeweils einen Menschenbiss habe er an Wange und Unterbauch festgestellt, an den Oberarmen seien Festhaltemale gewesen. Außerdem habe Maria L.s Körper zahlreiche lange Kratzer aufgewiesen, möglicherweise verursacht von Dornengestrüpp.

Die inneren Verletzungen hätten den Ertrinkungstod bestätigt; die Befunde im Genitalbereich wiesen auf vaginale und anale Penetration in zeitlicher Nähe zum Tod hin.

"Ein Ertrinkungsvorgang eines Erwachsenen in einem Gewässer, das so seicht ist, wie es die Dreisam war, ist nur bei einer Aufhebung des Bewusstseins vorstellbar" Stefan Pollak
Richterin Schenk will wissen, ob Pollak eine Aussage zur Dauer des Würgens machen könnte. Der Sachverständige erklärt, dass es naturgemäß keine verlässlichen Daten dazu gebe. Das hänge sehr vom Kräfteverhältnis der beteiligten Personen ab; drei bis fünf Minuten ununterbrochenes Würgen könnten zum Todeseintritt ausreichen. Meist würden die Angriffe jedoch länger dauern, da Opfer sich wehren. "Es ist unrealistisch, dass es sich bei einem Halsangriff um ein adynamisches Geschehen handelt", sagt Pollak. Jedes Opfer versuche alles daran zu setzen, um den Angriff erfolglos zu machen. Richterin Schenk will wissen, wie schnell ein Opfer bewusstlos werde. Das hänge davon ab, wie erfolgreich Atemwege oder Halsschlagadern komprimiert werden; eine Minute könne dazu ausreichen.

Richterin Schenk will wissen, ob Maria L. während der Tat, die möglicherweise eine Stunde gedauert hätte, andauernd bewusstlos war. "Ein Ertrinkungsvorgang eines Erwachsenen in einem Gewässer, das so seicht ist, wie es die Dreisam war, ist nur bei einer Aufhebung des Bewusstseins vorstellbar", sagt Pollak. "Ein Opfer, das nicht an der Fortbewegung gehindert wird, würde versuchen, die Atemwege über Wasser zu bringen." Ein Bewusstloser wache bei einem Ertrinkungstod nicht auf. Pollak verweist auf Erfahrungen nach verhinderten Erhängungstoden: Eine mehrstündige Bewusstlosigkeit sei danach schon beobachtet worden.

Die Vorsitzende Richterin will nun mehr zu den genitalen Verletzungen wissen: Der Sachverständige führt aus, dass es keine Hinweise auf die Penetration mit einem Gegenstand gegeben habe; die Art der Verletzungen deuteten auf Penetration mit der Hand hin.

Richterin Schenk fragt nach, ob es Abwehrverletzungen gegeben habe. Der Experte verneint und erläutert, dass klassische Abwehrverletzungen vor allem bei Messer- oder Schlagangriffen zu sehen seien, nicht bei Halsangriffen.

Die Kammer will dann wissen, ob die Atmung bei einem Bewusstlosen so flach sein kann, dass sie von einem medizinischen Laien übersehen wird. Pollak schließt das in diesem Fall aus - die Ertrinkungsbefunde deuteten auf volle Atemtätigkeit hin. Dann geht es um die Kratzverletzungen, ob das Opfer durch die Dornen gezogen worden sei. "Ein Teil des Kampfes könnte im Dornengestrüpp stattgefunden haben", sagt Pollak.

Richterin Schenk fragt noch einmal nach, ob Maria L. bei Bewusstsein weitere Abwehrverletzungen hätte haben müssen. "Viele Opfer von Sexualverletzungen haben fast keine äußerlichen Spuren", sagt Pollak. "Wir sehen das jeden Tag." Die Beisitzende Richterin will wissen, ob Hussein K.s Aussage, er habe Maria L. den Mund zugehalten und sie mit dem Arm gewürgt, stimmig sei. "Ja", sagt Pollak. Das Würgen mit dem Schal könne er nicht positiv beweisen, es sei aber nicht auszuschließen. Hinweise darauf, dass Maria L. während der Tat noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt haben könnte, hätte es nicht gegeben.

Als nächstes geht es um die Blutalkoholkonzentration von Hussein K. Die Kammer wollte wissen, wie hoch diese gewesen sein könnte, wenn dieser gegen 20 Uhr im Seepark "eine Flasche Vodka" getrunken hätte, in der Innenstadtbar drei Bier oder Bier und Wein und am Tatort noch einmal drei Bier. Pollak berechnet dafür Alkoholmengen von 224g (Vodka), 58 oder 64g (Innenstadtbar) und 58g (Tatort). Bei Alkoholresorption gäbe es jedoch naturgemäß Verluste; der geringstanzunehmende Wert läge daher bei 238 oder 244g. Pollak erklärt seine Berechnungen mit Hussein Ks. Körpergewicht. Bei minimalen Resorptionsverlusten käme man auf den theoretischen Maximalwert von 5,44 Promille oder 4,14 beziehungsweise 4,22 Promille. Mit dem Abbau bis zum Tatzeitpunkt gegen 3 Uhr ergäbe das eine Reduktion von 0,69 oder 0,89 Promille. Pollak weist darauf hin, dass diese scheinbar genauen Werte jedoch allenfalls Anhaltspunkte sein können. Der maximale Blutalkohol betrage - bei Annahme einer geringen Resorption und somit günstig für Hussein K. - zum Beginn der Tat 4,64 Promille oder 4,75 Promille zu. Bei maximaler Elimination käme man auf 2,76 Promille bzw. 2,84 Promille zum Tatzeitpunkt.

"Sie hat Glück gehabt. Noch mehr Glück, als die wohl 70 Prozent der Opfer, die diesen Sturz überlebt hätten." Rechtsmediziner Pollak über den Sturz des Opfers von Korfu
Schließlich sagt Pollak zum Sturz von Spiridoula C. auf Korfu aus. Pollak spricht zunächst grundsätzlich über Sturzverletzungen, erklärt, wie Verformungen und Trägheitskräfte auf den Körper bei Stürzen aus großer Höhe einwirken. Die meisten Todesfälle träten durch Schädel-Hirn-Trauma ein. Die Höhe allein könne nicht Hinweise auf Verletzungsbilder geben: Es gäbe viele Variablen, wie etwa das Alter des Opfers, das Körperteil, mit dem man zuerst aufkomme, mögliche Zwischenkontakt während des Falls und etwa auch die Oberfläche, auf der das Opfer landet.

Trotzdem zeige die Forschung, dass mit größerer Höhe das Tödlichkeitsrisiko ansteige. Bei einer Höhe von über 15 Meter liege die Sterberate etwa bei 50 Prozent. Darunter seien tödliche Ausgänge zwar häufig, aber nicht überwiegend.

Ein Sturz wie der von Spiridoula C. aus acht bis zehn Meter Höhe entspreche etwa einer Kollision mit 50 Stundenkilometern. Ihr Verletzungsmuster sei - zumindest den vorliegenden Materialien nach - mit einem Armbruch und sonst nur Weichteilverletzungen, relativ leicht gewesen. "Sie hat Glück gehabt", sagt Pollak. "Noch mehr Glück als die wohl 70 Prozent der Opfer, die diesen Sturz überlebt hätten." Die Vorsitzende Richtering Schenk weist darauf hin, dass Spiridoula C. kopfüber über das Gelände geworfen worden sei. Gesunde junge Menschen, die körperlich trainiert seien, könnten Fallgeschehen körperlich beeinflussen, erläutert Pollak.

Aussicht auf den weiteren Verlauf des Prozesses

Um die Wartezeit bis zum nächsten Zeugen zu überbrücken, wird das weitere Prozessgeschehen geklärt. Am nächsten Termin am 27.2. sollen weitere Zeugen gehört werden. Am 2.3. soll das psychiatrische Gutachten und das Gutachten der Jugendgerichtshilfe gehört werden. Die Plädoyers könnten am 9. oder 12. März gehalten werden, das Urteil müsse dann innerhalb von zehn Tagen verkündet werden. Ein Urteil werde am 12. März jedoch nicht gesprochen. Wunschtermin der Kammer für das Urteil sei der 19. März. An diesem Termin kann Verteidiger Glathe jedoch nicht.

Richterin Schenk will weitere Dokumente aus der griechischen Akte verlesen; der Verlesung einiger dieser Dokumente stimmt Hussein K. nicht zu. Dann geht es um eine mögliche Aussage von Verteidiger Sebastian Glathe zum Telefonat mit dem mutmaßlichen Vater des Angeklagten. Richterin Schenk weist Hussein K. darauf hin, wie ungewöhnlich dies wäre. "Es könnte ja sein, dass durch die Aussage ihres Verteidigers Ungereimtheiten in ihren Einlassungen in den Raum gestellt würden", sagt Richterin Schenk. K. könne doch stattdessen seine bereits getätigten Einlassungen abändern.
Vorschau auf den 20. Prozesstag

Es war zunächst unklar, ob während der Vorstellung des Obduktionsberichts und den weiteren Ausführungen des Leiters der Freiburger Rechtsmedizin, Stefan Pollak, die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Dies hatte der Anwalt der Familie des Opfers, Bernhard Kramer, in der letzten Sitzung beantragt, um die Intimsphäre des Opfers zu wahren und die Familie der Getöteten zu schützen.

Am Montag hatte das Gericht unter Vorsitz von Richterin Kathrin Schenk noch nicht abschließend über den Ausschluss entschieden. Da hieß es noch, denkbar sei auch, die Öffentlichkeit nur teilweise auszuschließen, etwa wenn es um die Folgen der Vergewaltigung geht. Als Todesursache hat die Staatsanwaltschaft Ertrinken genannt. Demnach hat Hussein K. sein Opfer Maria L. nicht erwürgt, wie er selbst gegenüber dem Gericht angegeben hat.

Am Dienstag, 20. Februar, 13.30 Uhr ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft noch ein weiterer Zeuge geladen, demgegenüber der Angeklagte angegeben haben soll, dass er 23 oder 25 Jahre alt sei. Dies würde sich im Wesentlichen mit den medizinischen Gutachten decken, die mehrere Sachverständigen im November im Prozess vorgestellt haben.

Außerdem ist für den 20. Verhandlungstag die Vernehmung eines Polizisten vorgesehen, der das Smartphone des Tatverdächtigen ausgewertet hat.

Weitere Verhandlungstage sind für den 27. Februar und 2. März geplant. Am Freitag, 9. März, sollen die Plädoyers gehalten werden, voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Innerhalb von zehn Tagen nach den Plädoyers muss das Urteil verkündet werden.

Weitere Termine im Prozess gegen Hussein K.

  • Am 27. Februar, werden zwei Kriminalpolizisten über die Ermittlungen in Griechenland berichten. Auch Spiridoula C., Hussein K.s Opfer aus Griechenland, ist geladen – es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie kommen wird.
  • Für den 2. März ist die Aussage des forensischen Psychiaters Hartmut Pleines terminiert.
  • Am 9. März sollen nichtöffentlich die Plädoyers stattfinden.

Übersicht: Der Prozess gegen Hussein K.


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