Rapport von Nord: Südbaden gegen Hoffenheim

Clemens Geißler

Der SC Freiburg hat gegen 1899 Hoffenheim nichts riskiert und wurde mit einem Unentschieden belohnt. Wie fudder-Autor Clemens das Wiedersehen mit Oli Baumann, Immanuel Höhns Tor und die Rote Karte für Marc Torrejón erlebt hat:



Vor dem Spiel...

gibt es jede Menge Rivalität. Wer vergessen hat, warum eigentlich, wird durch die Fans beider Lager erinnert, die "Südbaden" und "Nordbaden" anstimmen. Zudem ist Hoffenheim, dieser traditionslose Emporkömmling aus der Provinz, so ziemlich der einzige Klub, auf den man als Freiburger herabblicken kann. Fürwahr, liebe Freunde aus dem Kraichgau, wir haben bereits anderthalb Jahrzehnte Bundesligageschichte auf dem Buckel! Außerdem sind wir echte Badner und ihr gar keine. Diese Meinung vertreten wir gegebenenfalls lautstark und lassen uns dabei von anderslautenden Fakten nicht verwirren.

Anders lautet inzwischen auch der Arbeitgeber von Oli Baumann, ehedem Krozinger Torwartjuwel aus der Freiburger Talentschmiede. Inzwischen, so kündet wenigstens ein Spruchband von Nord-Mitte, sammelt der Kurstädter Scheine fernab der Heimat und wird dafür von der Kulisse wenig frenetisch empfangen. Er schien das geahnt zu haben, beschränkte sich sein Aufwärmprogramm doch auf ein fünfminütiges Herumschnuppern vor der Südtribüne.

Überall, Oli, Idol unserer Kinder, die in Deiner Bettwäsche schlafen, überall hättest Du hingehen dürfen, nur nicht zu Hopps Millionen! Nun wirst Du auf ewig damit vorliebnehmen müssen, dass dich nur ein paar Fans zu Auswärtsspielen begleiten. Auch heute ist nicht einmal das ganze Dorf da, wofür Umstehende naheliegende Erklärungen liefern: "Sie hatten einen weiten Anfahrtsweg!" und "Heute ist ja auch Samstag!"

Das Spiel...

endet Unentschieden, weil beide Mannschaften ein Tor schießen und nicht mehr zustande bekommen. Das Resultat ist gerecht, sofern es solcherlei im Fußball überhaupt gibt: Der Sportclub hat insgesamt mehr Spielkontrolle und kann Hälfte eins auf seiner Habenseite verbuchen, wohingegen die Gäste nach dem Seitenwechsel stärker aufkommen und die klareren Gelegenheiten erwirken. Der Rest ist taktische Neutralisation und nukleares Patt bis hin zu Remis nach Zugwiederholung.

Das letzte Risiko will keiner der Beteiligten gehen, ergo gibt es wenig Raum. Und wenn es diesen gibt, braucht es für den entscheidenden Pass in etwa so viel Zeit wie Kirchhofen zur Beendigung der inzwischen schon berühmten Baustelle. Auch die bejubelte Einwechslung von Allzweckwaffe Mehmedi bringt nichts mehr ein, am Ende müssen und können beide Seiten mit dem Punkt leben.



Der König des Platzes...

ist kein bestimmter Akteur. Vielmehr krönen wir zu seiner Majestät: den Standard. Einst, in längst vergangenen Zeiten, stand er mit dem Sportclub überhaupt nicht im Bunde, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Freistöße oder Eckbälle führte der SC nämlich in aller Regel kurz aus. Manchmal wurde der Ball dabei auch im Dribbling verloren oder 85 Meter zum eigenen Torwächter zurückgespielt.

Inzwischen - man höre und staune - besitzt die Streich-Elf gar die Unverfrorenheit, die Kugel direkt und ohne Umschweife vor das gegnerische Tor zu schlagen. Das ist schon allerhand! Und erfolgreich ist es auch: Fast die Hälfte ihrer Tore haben die Breisgauer inzwischen nach ruhenden Bällen erzielt. In der letzten Woche sicherte Philipps Flugkopfball den Sieg in der Hauptstadt, heuer vollendete Youngster Immanuel Höhn technisch gekonnt. Mehr davon!

Die 91. Minute...

bereitet dieses Mal keinen Ergebnis-Genickbruch, aber einen personellen. Schiedsrichter Gagelmann stellt Marc Torrejón vom Platz. Zuvor hatte er El Younoussi mit einem Tackling nach Hausmacher Art umgesenst. Eine sehr harte Entscheidung, die den Sportclub noch einen Innenverteidiger kostet. Und ärgerlich ist sie außerdem: Hätte der Unparteiische bei zwei Szenen auf der Gegenseite ähnlich durchgegriffen, hätten auch die Hoffenheimer Schwegler und Kim die Dusche für sich gehabt. Der Mann aus Bremen hatte allerdings auch schon schlechtere Tage.

Fazit

Sieben Punkte nach fünf Rückrundenpartien sind eine brauchbare Ausbeute, mit der es am Ende wohl reichen würde. Das Unentschieden gegen Hoffenheim ist zudem von ganz anderer Sorte als viele vor der Winterpause. Bedenkt man die Personalsituation in Abwehr und Sturm, ist man sogar geneigt, von einem gewonnenen Punkt sprechen. Wenn das Trainerteam wieder personell aus dem Vollen schöpfen kann, sollte auch die spielerische Konstanz aus der Hinrunde zurückkehren, für welche man diese Partie getrost als ersten Schritt heranziehen darf. Bis dahin würden wir auch einen Sieg nach einem Standardtor bejubeln.