Rapport von Nord: Sensationssieg gegen Bayern München

Marius Buhl

Karim "Iron-Willen" Guédé auf "Nils "Sniper" Petersen: Der Rest war ausflippen, Stadion abreißen, brüllen, vor Glück weinen. Freiburg hat die Bayern aus dem Stadion geschossen - und sich selbst aus dem Keller. Der Rapporter war dabei:



Vor dem Spiel

... liegt etwas in der Luft. Der Rapporter spürt das, in der Straßenbahn wird leiser geredet als sonst, sogar die Besoffkis grölen mezzoforte. Die Anspannung ist riesig. Klar, sind da auch die Pessimisten: "Die schießen uns ab", sagen die. Die Optimisten halten dagegen: "Es würde doch zu unserem SC passen, wenn wir jetzt die Bayern schlagen!" Die Realisten schlichten: "Mit dieser Mannschaft gehe ich auch in Liga 2."

Im Stadion ist schließlich Superstimmung. Nord singt schon vor dem Spiel, als die SC-Kicker zu ihren Sprintübungen ganz nah an den Zaun kommen, werden sie frenetisch bejubelt. Es scheint, als wolle jeder Fan seine ganze Energie in die Spieler pumpen, sodass diese Superkräfte haben. Als die Spieler ganz nah sind, schreit einer: "Pawall!" Pawall? "Ja, Pavel, aber weil er steht wie eine Wand, Pawall!" Es ist dies eine Liebesbekundung an den größten Malocher dieses Teams, Pavel Krmas, der heute sein wahrscheinlich letztes Heimspiel für den SC Freiburg macht. Auch Nord dankt - mit Schildern , auf denen die Nummer 2 zu sehen ist. Die 2, sie bedeutet Kampf, Geradlinigkeit und aufgeschürfte Knie. In Freiburg bedeutet sie heute: "Dekulji Pavel! -Danke Pavel!"

Das Spiel

… Boateng auf Schweinsteiger, der auf Xabi Alonso, der lang zu Lewandowski, der legt ab für Weiser, der zurück zu Rafinha, der auf Boateng, der auf Schweinsteiger und, und, und. Die Bayern haben den Ball - und geben ihn nicht her. Nord ist das wurscht. Minutenlang ergrölt der Schlachtruf: "Sportclub Freiburg olé, Sportclub Freiburg olé!"

Und auf dem Spielfeld beginnt das Drama. Wahnsinnspass auf Mitchell Weiser, der lässt Günter mit katharinawittscher Leichtigkeit stehen und selbigen wie einen St. Märgener Libero aussehen und legt auf Schweinsteiger, diesen uralten Mann, der den Ball mit dem Rollator ins Tor murmelt. Und wenn die Ausgangslage dieses Spiels ein hübsches Vögelchen auf einer Bierbank war, dann wurde dieses soeben zerquetscht unter einem dicken, lederbehosten Bayernarsch - befurzt mit Kaltschnäuzigkeit.

Dann aber kommt alles anders - aus der Trag- wird eine Komödie. Und wer, wenn nicht er, wäre in der Lage, die Peripetie einzuläuten und dabei keine Miene zu verziehen. Admir fucking Mehmedi. Tanzt Boateng und Co aus, als seien sie brennende Käsefonduetonnen und bläst den Ball mit dem Alphorn ins untere Eck. Täterääää! Nord flippt aus. Boateng massiert sich den Gluteus Maximus. Gefallen auf Beton.

Der Rest des Spiels im Schnelldurchlauf:

Boateng auf Schweinsteiger, der auf Xabi Alonso, der lang zu Lewandowski, der legt ab für Weiser, der zurück zu Rafinha, der auf Boateng, der auf Schweinsteiger, der auf Xabi Alonso, der lang zu Lewandowski, der legt ab für Weiser, Götze köpft, Bürki Weltklasse, Rafinha, der auf Boateng, der auf Schweinsteiger, ELFMETER für Freiburg nicht gegeben, Stadion rastet aus, Xabi Alonso, der lang zu Lewandowski, der legt ab für Weiser, der zurück zu Rafinha, der auf Boateng, der auf Schweinsteiger, Traumschuss Thiago, BÜRKI Weltklasse, Xabi Alonso, der lang zu Lewandowski, der legt ab für Weiser, der zurück zu Rafinha, der auf Boateng, der auf Schweinsteiger, KARIM GUÉDÉ mit 100.000 Kilo Willen auf PEEEETEEEEERSEEEEEEEEEEN!

Der Rest ist ausflippen, gegen den Zaun springen, schreien, alle umarmen, Stadion abreißen, brüllen, hüpfen, jubeln, freuen!

Der König des Platzes

Es gab deren vier.

1. Bürki - again! Wie er gegen Götze per Fuß klärt, dann im Spagat landet und dabei immer noch besser aussieht als Ryan Gosling in "Drive", das ist ziemlich fresh. Nastassja rutschte auf der Bühne das Höschen etwas tiefer. Und womit? Mit Recht!

2. Admir Mehmedi. War eine Saison lang nur bei seinem Lieblingsitaliener in Topform. Dann hat ihm der die Pizza verweigert - mit der Auflage, doch endlich mal wieder gscheit zu kicken. Mehmedi tat wie ihm gehießen - und zeigte nach seinem Monster-Tor seine gesamte Gefühlspalette: Er streichelte sich kurz den Bauch. Endlich wieder Pizza.

3. Karim "Iron-Willen" Guédé. Tankte sich vor dem 2:1 gegen Rafinha durch, nahm dann den Ball, puderzuckerte ihn zu Nils Petersen - alles andere ist Gefühlschaos. Es bleibt zu sagen: Wir wollen den Bronze-Karim. 4. Nils "Sniper" Petersen. 2. Ballkontakt, Tor. 8 in einer Halbrunde, bei gefühlt 30 Spielminuten - insgesamt. Wie gut ist dieser Mann? Könnte aus dem Schwarzwaldstadion einem Stadiongegner im Mooswald den Aluhut vom Kopf schießen. Un-fucking-fassbar.

Fazit

Jetzt bleiben wir drin!

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[Foto: Marius Buhl]