Rapport von Nord: SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg

SC-Rapporter

SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg - das erste Heimspiel nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale. Die Fans sind noch immer euphorisch, die Mannschaft zuversichtlich auf einen Sieg. Der würde die Chancen auf internationale Spiele an der Dreisam im nächsten Jahr stark erhöhen. In dieser Situation empfängt der Sportclub als Tabellenfünfter den abstiegsgefährdeten VfL Wolfsburg - und bekommt bei einer 2:5-Klatsche vorgeführt, wie Toreschießen funktioniert. Der Rapporter war dabei.



Vor dem Spiel

Obwohl sich die Spieler von Freiburg und Wolfsburg auf dem Rasen warmlaufen, wird vor dem Anpfiff rings um den SC-Rapporter immer wieder über eine ganz andere Stadt geredet: Berlin. Nach dem Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Mainz und den Einzug ins Halbfinale ist die Euphorie auf Nord förmlich zu greifen und jeder träumt vom Finaleinzug und dem Endspiel in der Hauptstadt.

Die Fans skandieren "über Stuttgart, fahrn wir nach Berlin” während die 22.900 Zuschauer bei Frühjahrsonne auf ein spannedes Spiel gegen die Millionentruppe aus Wolfsburg hoffen, die um den Klassenerhalt kämpfen muss.

Sekunde 93

“Es ist so schön, Freiburg spielen zu sehen” schallte es nach einem herrlichen Schlenzer von Max Kruse über den wehrlosen Wölfe-Keeper Diego Benaglio hinweg aus tausenden Kehlen. Solch ein Tor gibt es nicht alle Tage, dachte sich so mancher Fan und feierte den furiosen Freiburger Start in Erwartung eines herrlichen Bundesliga-Nachmittags.



Die restlichen Minuten

Von der Sonne ist nichts mehr zu spüren, stattdessen erschwert heftiger Regen die Sicht für die Zuschauer und die Standfestigkeit für die Spieler. Passend zum Wetter verläuft das Spiel nun so, dass es dem SC-Rapporter schwer fällt, darüber zu erzählen.

Nachdem Makiadi mit einem Kopfball über den eigenen Keeper das Übel eingeleitet hat, folgt ein Torregen, wie er nur selten in einem Spiel zu bewundern ist. Leider ist es diese Woche nicht der Sportclub, der verzaubert, sondern er wird von den Wölfen regelrecht zerlegt: Volley in den Winkel, Fallrückzieher, Kopfball - schon steht es eins zu vier gegen den SC. Bei jedem weiteren Gegentor werden die Fans hoffnungsloser und die Mundwinkel der Zuschauer sinken immer weiter nach unten.

Als der Rückstand noch aufholbar scheint, singt Nord lautstark “Auf gehts Freiburg kämpfen und siegen”. Doch spätestens ab dem eins zu vier glaubt auch der größte Optimist nicht mehr ans Gewinnen. Passend resümiert ein Fan die Gemütslage der SC-Anhänger: “Die Euphorie war groß, aber kurz”.

Doch eins fällt positiv auf in dieser Situation: Die Freiburger kämpfen trotz aussichtsloser Lage weiter. Und so schafft es der eingewechselte Johannes Flum zwischenzeitlich auf zwei zu vier zu verkürzen, bevor die Wölfe mit dem siebten Tor der Partie den Sack endgültig zumachen. Einige Zuschauer sind zu dem Zeitpunkt schon längst auf dem Heimweg - doch wie reagiert der wahre SC-Fan nach dem Schlusspfiff?



Nach dem Spiel

Die SC-Fans singen und feiern. Ob wahrer Optimismus oder zum Verdrängen des gerade erlebten, schallt von der Nordtribüne lautstark: “Wir feiern trotzdem, hejo” und “Über Stuttgart, fahrn wir nach Berlin” - womit die Fans wieder beim Lieblingsthema des Tages sind.

Fazit

Für einen neutralen Fußballfan wäre der Nachmittag sicherlich ein geniales Fußballerlebnis gewesen. Gleich siebenmal zappelte der Ball im Netz, meistens nach Aktionen, wie sie sonst nur beim “Tor der Woche” in der Sportschau zu bewundern sind.

Doch der SC-Rapporter leidet an diesem dunklen Nachmittag für den Sportclub. SC-Trainer Streich bewertet die Partie nach dem Schlusspfiff ganz realistisch: “Wolfsburg war in allen Belangen überlegen”. Um dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen bleibt für den SC-Rapporter nur die Hoffnung, dass die Freiburger Mannschaft das Schockerlebnis nutzt, um nach dem Triumph im DFB-Pokal auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren und nun konzentriert in den Endspurt der Saison zu gehen.