Rapport von Nord: SC Freiburg vs. Bayern München

SC-Rapporter

In der Straßenbahn Richtung Stadion war am Samstag Galgenhumor angesagt: Schafft es der SC, mit weniger als sieben Toren zu verlieren? Eine heißdiskutierte Frage. Optimisten prognostizierten 20 Minuten bis zum ersten Bayern-Tor. Aber dann kam alles ganz anders.



Vor dem Anpfiff...

... würde Nord die gesamte Mannschaft des FC Bayern am liebsten gleich wieder aus dem Stadion schmeißen. In der Gästekurve werden ein paar Bengalos abgefackelt. Aber ansonsten ist alles friedlich. Jeder zweite hält auch diesmal wieder einen Klatschomat des neuen Hauptsponsors in der Hand, ein paar Indianer, Eckfahnen und sonstige Narren sind auch am Start.

Das Stadion...

...ist voll. Die Stimmung ist geprägt von Optimismus, Kampfesmut und dem Wunsch, den Bayern die Lederhosen auszuziehen. Je länger das Spiel andauert, desto mehr steigert sich all das. Während nach 15 Minuten manch einer noch nicht glauben kann, dass es immer noch 0:0 steht, der SC munter mitspielt und dem großen FC Bayern den Schneid abkauft, lässt sich nach der Pause sogar das sitzende Publikum mehrfach zum Aufstehen motivieren und klatscht, was das Zeug hält. Nur der Gästeblock ist sehr still.

Fan-Aktion

Vor dem Spiel werden drei überdimensionale Plakate entrollt mit den Gesichtern vergangener Helden - unter ihnen der unvergessene Rodolfo Esteban Cardoso -, denen es vor langer, langer Zeit einmal gelang die Bayern zu besiegen. Eine schöne Aktion! Und fast wäre es dazu gekommen, dass sich einige weitere in die Liste hätten einreihen können.



Die 84. Minute

Kurz vor Schluss scheint alles möglich. Anstatt sich mit Mann und Maus hinten rein zu stellen und Angriffswelle um Angriffswelle des Rekordmeisters abzuwehren, stürmen die Freiburger selbst und drückten auf den Sieg. In der 84. Minute hat Daniel Caligiuri das 1:0 auf dem Schlappen, aber Neuer kann abwehren.

Der König des Platzes

Klar, ein paar Freiburger waren noch ein wenig stärker als andere, aber an solch einem Tag wäre es ungerecht, einen hervorzuheben. Diese Mannschaft war mit Herzblut dabei, hat nicht nur gekämpft, sondern auch munter mitgespielt. Mit diesem Extra an Motivation können die nächsten Gegner kommen – vorausgesetzt, Streichs Team legt denselben Ehrgeiz an den Tag, wenn die andere Mannschaft nicht „FC Bayern“ heißt.

Fail

Nach dem Spiel bleiben hunderte der Klatschomats auf dem Boden liegen – und das, obwohl der neue Freiburger Hauptsponsor mit seiner Umweltfreundlichkeit wirbt. Dabei würde die stabile Pappe sicherlich auch ein weiteres Spiel aushalten. Schade!

Fazit

Wenn der SC bis zum Ende gegen die Bayern auf Sieg drückt; wenn kurz vor Schluss ein Raunen durchs Stadion geht, weil das 1:0 zum Greifen nah ist; wenn dann alle aufstehen und singen „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“; wenn man nach Abpfiff Uli Hoeneß auf der Großbildleinwand mit beängstigend rotem Gesicht davontrotten sieht; wenn die Gästekurve leer ist, noch ehe ein einziger Freiburger die Nordkurve verlassen hat und wenn ein 0:0 sich anfühlt wie ein Triumph, dann ist das Leben selbst von Rang 18 grüßend schön.