Rapport von Nord: SC Freiburg gegen Slovan Liberec

SC-Rapporter

Was! Für! Ein! Spiel! Zwischen Himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt erlebte unser SC-Rapporter gestern im Dreisam-Stadion das erste Europa-League-Spiel des SC Freiburgs gegen die tschechische Mannschaft Liberec. Wie so ein Abend abläuft, wenn im Stadion kein Bier verkauft werden darf:



Vor dem Spiel

Wie könnte es anders sein: Freiburg begrüßt die wenigen tschechischen Gäste mit strahlendem Sonnenschein. Das Wetter hält, und auch der Abend startet vielversprechend mit einem Eröffnungsbierchen im Feierling.

Allein, die Freude ist von kurzer Dauer, denn sowohl die Sonne verschwindet, als auch die Aussicht, während des Spiels ein Radler zu bekommen. Denn, so klären SC-Fans am Nebentisch auf, durch die UEFA-Richtlinien sind keine alkoholischen Getränke im Stadion erlaubt. Kurz überlegen wir, ob wir uns ein Bier-to-go kaufen sollen ...

Ist es also der fehlende Pegel oder doch Nervosität oder gar Pessimismus, der die Fans veranlasst, auf dem Weg zum Spiel keinerlei Stimmung zu machen?

Auf Nord selber lockert sich das Ganze jedoch schnell, schon eine Stunde vor Spielbeginn werden die Fahnen geschwenkt und lauthals SC-Lieder gegrölt.



Während dem Spiel

Kurz vor dem Anpfiff beschweren sich einige Fans lautstark über die neuen Sitze: „Viel zu unbequem! Jeder normal gewachsene Europäer hätte da keinen Platz!“ Aber was soll's, die Nordtribüne steht trotz den Schalen, die für einen sechsstelligen Betrag angebrachten worden sind, und feiert die Mannschaft in der überlegenen ersten Halbzeit.

Tatsächlich tritt der SC souverän auf und gewinnt nach einem Foulelfmeter, den Schuster gekonnt verwandelt, an Selbstvertrauen. Mehmedi trifft zehn Minuten später zum 2:0, und sowohl die Spieler als auch die Fans sehen Freiburg schon als Sieger.

Vielleicht zu selbstsicher geht der SC somit in die zweite Hälfte und spielt auf einmal das komplette Gegenteil des schönen Fußballs der ersten Hälfte.

Zu viele Fehlpässe, zu hektischer Spielaufbau, zu viel Unachtsamkeit bewirken, dass der Sportclub die Führung verspielen. Als Liberec dann tatsächlich ein Tor schießt, entgleitet dem SC das Spiel vollkommen. Und dann fällt auch noch das 2:2.



Nach dem Spiel

Trotz eines Remis fühlt es sich an, als hätte Freiburg verloren. Die Enttäuschung über die zweite Halbzeit sieht man den Zuschauern merklich an. Beim anschließenden Abschlussbier beim PTSV sind die Gesichter lang, und auch danach in der Stadt gibt es kein anderes Thema als den verschenkten Sieg.



König des Platzes

Oliver Baumann, sonst eine "Bank", der einen eher ungefährlichen Ball durch die Hände rutschen lässt? Karim Guédé, der, kaum ist er eingewechselt, innerhalb kürzester Zeit zweimal Hand spielt und mit Gelb-Rot vom Platz fliegt? Nein. Im Ernst. König geht anders.

Fazit

„Zwei Eigentore, Sitzplätze und alkoholfreies Bier – schlimmer geht’s nicht!“ Eine schöne erste Halbzeit, eine katastrophale zweite und ein bitteres Unentschieden – das ist das Resultat des ersten Europa-League-Spiels des SC.

Kein befriedigendes Ergebnis, aber was soll's, der Sportclub kämpft ja eigentlich immer noch für den Klassenerhalt.

Etwas traurig sahen auch die leeren Sitzreihen auf Süd-, Ost- und Westtribüne aus - das ändert sich hoffentlich beim nächsten Euro-League-Spiel gegen Estoril.

Am Sonntag darf dann gegen Tante Hertha genauso gespielt werden, wie in den ersten 45 Minuten heute - aber dann bitte auch in der zweiten Halbzeit!