Rapport von Nord: Der SC Freiburg unterliegt Mainz

Clemens Geißler

Der SC Freiburg hat die beste Offensivleistung der Saison hingelegt. Gereicht hat es am Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 wieder nicht. Trotz Mehmedi-Traumtor verlor die Streich-Elf mit 2-3:



Vor dem Spiel

"Die Richtung stimmt. Mit weißer Weste zur Ü-30-Party", lautet die Botschaft einer stimmungsvollen Choreo von der Gegengeraden. Hierzu drei Anmerkungen: Zunächst empfinden es viele Besucher der Südränge als Ärgernis, dass die formschöne Darbietung von drei meterhohen Mainz-Flaggen verdeckt wird.

Wir fragen an dieser Stelle: Sollte Gastfreundschaft wirklich so weit gehen? Zweitens: In den weißen Trikots treten die SC-Profis wiederum an, was seit dem Bock-Umstoßen gegen Augsburg gewissermaßen ein symbolisches Muss ist. Leider - und damit kommen wir zu drittens - bleibt die Weste heute nicht weiß, weder im übertragenen noch im konkreten Sinn.

Das Spiel

Das Zustandekommen der drei Gegentreffer gibt einem wirklich Rätsel auf, stand doch die Sportclub-Defensive zuletzt gut und ließ aus den letzten vier Pflichtspielen nur einen Treffer zu - per Strafstoß. So ist es im Aufeinandertreffen gegen die Rheinhessen wieder einmal Bruder Leichtsinn, der die Streich-Elf um den Lohn ihres durchaus ansehnlichen Bemühens bringt.

Ein langer Abschlag des Mainzer Goalies öffnet eine Eins-zu-Eins-Situation, in welcher Christian Günter zunächst nicht richtig hingeht und dann auch noch eine Flanke zulässt. Diese rutscht an Freund und Feind vorbei zu Okazaki, der einschiebt. Niemand im Stadion hat mit so etwas gerechnet und das gilt wohl auch für den Mainzer Anhang, dessen ungläubiges "Allez, allez" fortan monoton vor sich hinplätschern wird.

Unterdessen leistet sich der Sportclub gleich den nächsten Aussetzer. Dieses Mal missverstehen sich Krmas und Bürki, welcher auf Kosten einer Ecke klären muss. Diese hätte sicher drei Mal von irgendeinem SC-Akteur aus der Gefahrenzone befördert werden können, doch am Ende des Flipperspiels sorgt Okazakis großer Onkel für den 2-0 Pausenstand aus Sicht der Gäste.

Dieser ist wahrhaft traurig, denn das dominante, bessere und gefährlichere Team ist bis dahin eindeutig das aus dem Breisgau. Gelegenheiten gibt es zuhauf, doch zum letzten Glück fehlt immer ein bisschen. Bei den Gelegenheiten von Mehmedi, Frantz, Günter und Schmid stehen die Latte oder ein Mainzer Fuß im Weg, einige Male auch Torwart Karius.

Ähnliches Bild in Hälfte zwei: Mainz tief in seiner Hälfte, macht es dem Sportclub schwer. Doch immer wieder - meist über außen - kommt es zu Gelegenheiten, deren aussichtsreichste sich bis dato fraglos Petersen bietet. Leider scheitert der personifizierte Über-Joker aus nächster Nähe am Schlussmann.



Der König des Platzes

Dann, als die Hoffnung schon fast geschwunden ist, ein Geniestreich von Admir Mehmedi in einer für ihn typischen Szene. Angespielt auf halblinks, schlägt er einen kurzen Haken und schlenzt das Leder in den langen Torgiebel. Das ganze Stadion erwacht. Jeder gönnt dem unermüdlichen und heute freudvoll aufspielenden Schweizer dieses Traumtor. Ein Fluch, der 1081 Minuten andauerte, ist beendet.

Mehmedis Tore könnten noch zum Schlüssel werden in diesem Spitze auf Knopf stehenden Abstiegskampf. Wohl den kleinen Jungs, die sich unter Woche ein Foto mit dem Freiburger Stürmerstar sichern konnten! Das Warten hat sich gelohnt, Mehmedi schlenderte als allerletzter nach dem Training aus den Katakomben.

Erkenntnisse

Zu einem Sieg oder wenigstens einem Punkt reicht es heuer trotzdem nicht, weil der Sportclub bereits das nächste Gegentor kassiert, als der Jubel über den Anschluss noch nicht vollends verklungen ist. Dieses Mal ist es Daridas Zweikampfverhalten, das Stirnrunzeln hervorruft.

Schmids schön herausgespieltes 2-3 kommt zu spät und so kann sich die Truppe von Christian Streich wieder einmal nur damit trösten, über ganz weite Strecken das bessere Team gewesen zu sein. 10-5 Ecken sind ein Indiz, 25 Torschüsse bedeuten gar die beste Offensivleistung der Saison. Das kann man mit nach Stuttgart nehmen, zumal die Schwaben nach der erneuten Pleite in Augsburg nicht gerade mit breitester Brust ins Derby gehen werden.

Nostalgien

Wer angesichts dieses Ausblicks immer noch Trübsal bläst, sei daran erinnert, dass der Sportclub seinerzeit auch einen Dreier aus Rheinhessen entführen konnte, der nicht unbedingt hochverdient war. Banovic und Idrissou hießen fast auf den Tag genau vor sechs Jahren am alten Mainzer Bruchweg die Freiburger Torschützen, die das Spiel drehten und den Sportclub damit so gut wie zurück in die Bundesliga schossen.

Am Ende sollte es ein gemeinsamer Aufstieg sein und bestimmt würden beide Vereine sofort einschlagen, wenn dieses Mal der gemeinsame Klassenerhalt stünde. Dieser Zug ist noch nicht abgefahren.