Ramsch und Raritäten: Bei der VAG Fundsachenauktion

Julian Schwizler

Regenschirme, Mützen, Handschuhe, Uhren, eine Wäscheleine und ein Kinderdreirad. Diese und viele weitere Gegenstände – insgesamt über 1200 Stück - wurden im Jahr 2011 in Freiburger Bussen und Bahnen verloren. Am Freitag hat die VAG die Sachen versteigert. Julian war dabei.



Freitag, 14 Uhr.
Auf einem gut versteckten Betriebshof in Hochdorf trotzen etwa 20 Menschen der Kälte. Einige Erfahrene unter ihnen waren so klug, sich heißen Glühwein mitzubringen. Die Objekte der Begierde befinden sich abgesperrt hinter einem Bauzaun, zu großen Teilen in Kartons gebündelt. Die Befürchtung, dass alle zuvor aufgelisteten Fundsachen einzeln versteigert werden, scheint sich also nicht zu bewahrheiten: Regenschirme werden in 10er und 20er Packs feilgeboten.

Überdacht von einem Wellblechdach eröffnet Obergerichtsvollzieher Karl-Heinz Sütterlin pünktlich die Fundsachenauktion. Mit Sinn für Humor preist er die zu versteigernden Gegenstände an, einen echten Auktionshammer sucht man allerdings vergeblich. Assistiert wird ihm von zwei Frauen; eine ist zuständig für das Kassieren, die andere für das Erfassen der Daten.

Denn wer hier was für wie viel Geld ersteigert, muß genau dokumentiert werden. Die Freiburger Verkehrs AG bewahrt die verlorenen Gegenstände nur ein halbes Jahr auf, bevor sie versteigert werden, doch auch noch 3 Jahre nach dem Verlust hat man als Eigentümer die Möglichkeit, den Erlös seines Verlustes zu erhalten. Der übriggebliebene Gewinn fällt nach dieser Frist der VAG zu.



Ein paar neugierige Studierende haben sich auf dem Hof der Spedition Renner eingefunden, die meisten sind jedoch deutlich älter. Gesprochen wird badisch, trotz des Konkurrenzkampfes um die Fundsachen wird mit den Nachbarn gescherzt, hier wird jeder und jede geduzt. Für die meisten Anwesenden scheint dies nicht die erste Versteigerung dieser Art zu sein: Dass die Freiburger unter anderem zahlreiche Cityroller, eine teure Schuhzange, einen Laptop oder neugekaufte Kleidung in den öffentlichen Verkehrsmitteln verlieren, kann sie nicht mehr verwundern. Auch nicht die Tatsache, dass diese Gegenstände eine halbe Garage füllen.

Anfangs eher etwas zäh kommt im Verlauf der Auktion Stimmung auf. Neben Schaulustigen und Hobby-Schnäppchenjägern hat sich auch ein Versteigerungs-Profi mit vier Helfern unter die Bieter gemischt. Etwas abseits stehen zwei große Mercedes Sprinter zum Abtransport der gekauften Ware bereit. Wie aus der Pistole geschossen schleudert dieser dem Auktionator seine Gebote entgegen. Eingeschüchtert von der Routine und dem dicken Bündel Geld in der Hand werden die Gesichter der anderen Bieter immer länger. Die ersteigerten Fundsachen des Profi-Bieters werden sofort von seinen Begleitern weggetragen und auf einem großen Haufen gestapelt. Auf Nachfrage erzählt er, dass die Regenschirme, Handschuhe, Schals und Mützen auf  Flohmärkten und bei Ebay weiterverkaufen will.

Wer seine Großfamilie über Jahre hinweg mit Winterkleidung ausrüsten wollte, ist bei dieser Auktion genau richtig. Wer jedoch nur ein paar Handschuhe billig ergattern wollte, und nicht eine ganze Kiste, wird wahrscheinlich mit leeren Händen nach Hause gehen.

Plötzlich kommt Aufregung auf: Eine Kiste voller Elektroartikel - darunter Smartphones, iPods, Kophörer und vieles mehr - wird auf den hölzernen Auktionstisch gestellt. Viele der Besucher sind nur hier, um ihren darin enthaltenen Wunschartikel zu ersteigern. Doch der Auktionator macht diesem Anliegen einen Strich durch die Rechnung: Auch dieses Mal wird die Kiste als Ganzes versteigert. Wieder an den Herrn, der sich durch seine große Kauflust auszeichnet. 300 Euro muss er für diese wertvollen Karton hinblättern. Enttäuscht verlassen einige Schnäppchenjäger die Auktion.

Nach knapp 80 Minuten sind alle Kisten und losen Fundsachen versteigert. Obergerichtsvollzieher Karl-Heinz Sütterlin ist zufrieden: "Alles in allem haben wir wohl mehr als 3000 Euro eingenommen." Auch der Profi-Bieter - er selbst beschreibt sich als einer der größen Einkäufer der Gegend - scheint einigermaßen zufrieden mit seinem Erstandenem zu sein. Auf anderen Auktionen sei die Beute allerdings schon wesentlich größer gewesen. Die zwei Sprinter werden dieses Mal nicht ganz gefüllt davon waren.



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