Rainer Trübys Kotztütensammlung

David Weigend

Rainer Trüby sammelt Spuckbeutel. Leidenschaftlich. Oft sitzt der Freiburger DJ im Flieger, stets packt er eines dieser praktischen Hygieneaccessoires ein. Bei fudder packt er sie erstmals aus und legt die Kotztüten auf den Tisch.

Rainer Trüby: „Ich war eigentlich immer schon ein Sammler. Als Jugendlicher habe ich Streichholzbriefchen gesammelt. Bis zum Exzess. Ich habe sogar Hotels in Hongkong angerufen und dort an der Rezeption gefragt, ob sie mir nicht ihre Streichholzschachteln zuschicken können. Das ging alles auf die Telefonrechnung meiner Eltern. Ich war 14 und konnte gerade soviel Englisch, um die Streichholzbriefchen anzufordern.


Ich habe die Briefchen nach Branchen geordnet und legte Subkategorien an: Frisöre, Restaurants, Klemptnermeister. All das habe ich im Keller meiner Eltern aufbewahrt. Dort stehen sie heute noch, in Schubladen.

Anschließend kam eine kurze Phase, in der ich Hotelseifen gesammelt habe. Mein Liebling: Hotel "Drei Könige" in Basel. Ein schickes Fünfstern-Oldschoolhotel. Die hatten immer die Hermes-Kosmetikserien in dieser gediegenen, grünen Schachtel. Von denen habe ich noch eine zehn Jahre alte Seife. Ich glaube, die tut’s immer noch. Ich bin ja Schwabe. Wenn die Qualität stimmt, nehme ich noch heute so ein Shampoo aus dem Hotel mit und benutze es zu Hause.

Dann kamen Schallplatten, die sammle ich immer noch. Vor gut fünf Jahren ging es mit den Kotztüten los. Ich habe mal in Washington bei der 18th Street Lounge aufgelegt, bei der Thievery Corporation. Bei denen im Büro an der Wand hingen etwa 20 Kotztüten von verschiedenen Airlines. Das hat mich inspiriert. Beim nächsten Flug habe ich meine erste Kotztüte eingesackt. Eine von United Airlines.

Hier, das ist eine ganz rare. Capo Verde Airlines. Eine Fluggesellschaft mit nur zwei Maschinen. Diese Spucktüte ist so zusagen meine blaue Mauritius. Hat mir Compost-Labelchef Michael Reinboth aus dem Urlaub mitgebracht.

Zum Glück musste ich noch nie eine benutzen. Ich habe auch nicht mitbekommen, wie jemand eine Tüte gefüllt hat. 2001 allerdings hätte ich eine dieser Spuckbeutel griffbereit gebraucht. Da hat sich ein belgischer Promoter im Club direkt in meinen Plattenkoffer erbrochen.

Ich sammle übrigens auch diese Flugsicherheitsblätter, mit den lustigen Comics drauf. Die chinesischen Fluggesellschaften lassen da meist die Gesichtszüge weg.

Ich horte die Spucktüten in Oschis Büro (Jürgen Oschwald, Root down-Veranstalter, Deko- und Grafikmann, d.Red.). Oschi ist ja Künstler. Der hat mir mal zum Geburtstag versprochen, ein Kunstwerk daraus zu basteln. Das war vor vier Jahren. Nun ja, der Mann ist viel beschäftigt. Aber irgendwann kommt’s. Ich glaub’ an ihn.

Meistens sind die Tüten aus Papier, ich bin mir gar nicht sicher, ob die ganz dicht sind. Die Japaner und die Portugiesen sind da ganz vorne, weil die schöne Plastiktüten haben. Hier zum Beispiel, Air Portugal (zeigt stolz). Oder Warig, die sieht auch recht dicht aus. Warig ist eine brasilianische Regionalairline. Schön sind auch die Aufschriften. „Keep things tidy“. Oder hier: „In the event of sickness please fold this back and hand to cabine crew.” Die hier ist auch ganz schön, von Virgin Atlantic. "Kotztüte" steht nirgends drauf. Könnte man der Lufthansa mal vorschlagen. „Abfall“, „Air Sickness Litter Disposal Bag“. Oder die hier: aus Papier, aber innen mit Plastik getunt. Hier habe ich auch Exemplare von Airlines, die es gar nicht mehr gibt. Crossair zum Beispiel. Mit denen bin ich früher immer gern geflogen. Oder hier: Sabena. Deren Tüte hat historischen Wert.

Inzwischen habe ich die Thievery Corporation deutlich überholt. Ich dürfte etwa hundert verschiedene Modelle haben.

Finnair haben eine riesige Kotztüte, weil die Finnen immer soviel saufen im Flugzeug. Hier: Bangkok Airlines, die schaut ziemlich gebraucht aus. Und hier: die aktuelle von Japanese Airlines. Ein echtes Highendteil. Schenk’ ich dir. Willst du auch anfangen, zu sammeln? Irgendwann will ich mal so eine Kotztüten-Tauschbörse im Jazzhaus machen.“
 

Mehr dazu:


Was:
Root down mit Matty Heilbronn (Wave Music, NY), Rainer Trüby
(Spuckbeutelsammler, Esslingen) und MC Pierre Piccarde (Basel)
Wann: Samstag, 28. Oktober, 22 Uhr
Wo: Waldsee