Rahzel in der Basler Kaserne

Sarah Nagel

Mehr als 600 Menschen sind am Samstagabend in die Basler Kaserne gekommen, um sich die Künste der lebenden Beatbox Rahzel reinzutun. Scratchen, trommeln, rappen, loopen und knarzen: alles gleichzeitig möglich zwischen und mit den Zähnen der Superzunge Rahzel.



"Rahzel, Alter!" sagte der Freiburger Beatboxer Paul Brenning von Acoustic Instinct begeistert, als er am Samstag von der Bühne kam. Einen kräftigen Klapps hatte er von der Beatbox-Legende als Belohnung für seinen Gastauftritt bekommen und großen Applaus aus dem Publikum. Ein paar ambitionierte Mundakrobaten hatten es auf die Bühne in Rahzels "Drop it like it's hot"-Contest geschafft.




Die Aufgabe: Das Lied von Snoop Dog - inklusive Gesang, Bass und dem Rest des Stücks - mit dem Mund allein zu kreieren. Mehr als 600 Leute waren in die Basler Kaserne gekommen, um ein paar der großen Köpfe der HipHop-Geschichte zu erleben: DJ JS1 von der legendären Rocksteady Crew, die schon Anfang der 80er durch Filme wie Wild Style und Beat Street weltbekannt wurde, spielte zum Auftakt.

DJ Muggs von Cypress Hill zerrte die Leute anschließend direkt vom Eingang auf die Tanzfläche - unter anderem mit Cypress Hill-Klassikern, wie zu erwarten war, und einem Set der Lieder, aus denen sich die Cannabis-HipHopper an Samples bedient hatten. JS1 setzte wieder an und leitete den Höhepunkt des Abends ein: Rahzels Auftritt.



DJ JS1 spielte anschließend den Auftakt zum Höhepunkt des Abends: RahzelIn seiner Daunenjacke schwitzte Rahzel, presste Drum-Töne durch die Lippen, summte nebenbei und stieß aus dem Rachen kehlige Laute hervor.

Heraus kamen Superhits, die seine DJs nicht besser hätten auflegen können, wie Gold Digger von Kanye West, Wu Tang Clan ain't Nuthin to Fuck With und natürlich seinem Klassiker wie If your Mother Only Knew. Beatbox ist die Kunst, Instrumente mit der Stimme zu imitieren und den Mund einen Beat spielen zu lassen. Viele im Publikum machten ihre eigenen Sessions auf den Gängen - oder sprangen eben gleich zu Rahzel auf die Bühne.



HipHop als Mitmach-Kultur: "Es ist einfach inspirierend, Leute wie Rahzel und Mix Master Mike hier zu sehen", sagt Laurence Desarzens, die die Künstler für den Abend gebucht hatte. Dabei bedienten sich die DJs nicht nur an HipHop-Beats - schon gar nicht an denen, die derzeit in der Dauerschleife auf den gängigen Musiksendern laufen.

Mix Master Mike etwa, seines Zeichens erster DJ-Weltmeister, mixte bei seinem Auftritt auch derbe Metal-Klänge in sein Set. "Nur Kracher" habe er aufgelegt, kommentierte einer der Zuhörer.



HipHop lebe von der Kreativität aller Beteiligten, es sei eine Kultur, die alle Sinne anspreche, findet Desarzens. Zu Recht: Die Künstler des Abends suchten selbst den Kontakt zum Publikum, wenn es nicht laut genug schrie, schmollten sie.



Rahzel war der erste, der mit Beatboxen wirklich kommerzielle Erfolge feierte. Künstler wie ihm so nahe sein zu dürfen, hat auch viele Freiburger am Samstag nach Basel gelockt. Nur die konsequentesten unter den HipHop-Fans, wurden gegen Ende kritisch: "Der spinnt doch", sagt eine Frankfurter Tänzerin, als Mix Master Mike am Ende im unregelmäßigen Wechsel immer mehr in elektronische und rockige Klänge abdriftete. Ungestört davon feierten viele ander trotzdem noch bis 4 Uhr.