Rabattkarten für Familien: Die Freiburger Familiencard

Rebekka Sommer

"Sammeln Sie Punkte?" Rabattkarten bekommt man ja regelrecht hinterher geworfen. "Nein danke", lautet Rebekkas Standardantwort. Mit dem stets aufgeschobenen Ziel, sich später mal über den Nutzen des jeweiligen Angebots zu informieren. Für den Elternblog wird sie das jetzt endlich tun und einige Familienrabatte bewerten. Folge Nummer 2: Die Freiburger Familiencard.

„Punkte sammeln – nein danke?“ Manchmal nerven Rabattangebote. Die Freiburger Familiencard ist allerdings kein Marketinginstrument, sondern ein städtisches Angebot, das besonders für Kulturinteressierte und Familien mit mehreren Kindern ab Kindergartenalter interessant ist.


Streng genommen ist die Freiburger Familiencard keine Rabattkarte, sondern eine „besondere Wertschätzung, die die Stadt Freiburg den Familien zukommen lassen möchte“. So steht es auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Familienorganisationen (AGF). Deshalb gilt sie – seit 2004 – auch nicht mehr nur für bedürftige Familien, sondern für alle, die mit Kind in Freiburg leben. Wer die Einkommensgrenze für das Wohngeld überschreitet, bezahlt 30 Euro für eine Laufzeit von zwölf Monaten, alle anderen bekommen die Karte kostenlos.

Das Angebot

Darin sind vor allem städtische Angebote enthalten, wie fünf Schwimmbadeintritte à 40 Cent pro Kind und Jahr, 50 Prozent Rabatt auf Theaterkarten (keine Online-Buchung), freier Eintritt in die städtischen Museen und bei Mundenhof-Veranstaltungen. Das Theater- und Museums-Angebot gilt auch für Eltern, die ohne Begleitung ihrer Kinder kommen. Besonders für Kulturinteressierte also eine interessante Sache.

Neben den städtischen sind es privatwirtschaftliche Unternehmen, die meist einen Rabatt von 5 bis 10 Prozent auf ihr Sortiment geben. Für eine Familie am Existenzminimum wird ein Großeinkauf bei Jako-o deshalb zwar nicht attraktiver – in dem Fall profitieren diejenigen, die sowieso dort, und nicht im Second Hand-Laden, einkaufen.

Mit den Rabatten verschiedener Bäckereien und Metzgereien kann man dagegen – je nach Wohnort – bei einem Großeinkauf einiges sparen, und auch im Kirchzartener Restaurant Fiesta bekommen Inhaber der Familiencard beispielweise 10 Prozent Ermäßigung auf Speisen und Getränke. Alle Angebote findet man auf der Website der Freiburger Familiencard.

Antragstellung

Zur Antragstellung in einer der neun Ausgabestellen sind mitzubringen: Als Nachweis über die Kinder das Familienstammbuch oder der Kindergeldbescheid, der Personalausweis und bei kostenloser Ausstellung Einkommensnachweise.

Ein Beispiel: Familie Berenz, Unterwiehre, 3 Kinder

Familien Berenz hat drei Kinder und bezahlt 30 Euro für die Freiburger Familiencard. Für Artur, Sophie und Emilia bekommen die Berenz 15 Schwimmbadeintritte für insgesamt 6 Euro. Allein dadurch sind bereits 4,5 Euro gespart (regulärer Kindereintrittspreis: 2,70 Euro). Im Juli besuchen die Eltern gemeinsam das Stück „Diese Kinder sind in Ordnung“ im Stadttheater (2 Karten für 22 Euro statt 44 Euro in der Kategorie 1), gemeinsam mit einer Freundin geht Mama Berenz zum „Tom Waits Liederabend“ (8 Euro Mindestpreis statt 13 Euro). Zweimal im Jahr gehen die Berenz geschlossen zu einer Mundenhof-Veranstaltung – dieses Jahr „Kameltag“ und „Wasserbaustelle“ – und sparen damit 8 Euro Erwachseneneintritt (Kinder sind frei). Im Oktober machen die Berenz einen größeren Kleidereinkauf bei Jako-o und bezahlt 83,36 Euro statt 87,75 Euro. Von den gesparten fünf Euro kauft Mama Berenz ein Eis für alle.

Damit hat die Familie Berenz über 40 Euro gespart und wird im Lauf der restlichen 8 Monate noch gelegentlich bei auf die Freiburger Familiencard zurückgreifen. Schön finden die Berenz den Gedanken, mit den eingesetzten 30 Euro diesen familienpolitischen Baustein zu unterstützen und damit indirekt bedürftigen Familien zu helfen.

Familie Wiebert, Stühlinger, ein Kind

Die Studentin Tatjana Wiebert lebt alleine mit Claudius, zwei Jahre. Neben BAföG und Unterhalt bekommt sie für ihren Sohn zusätzliches Wohngeld und beantragt die Freiburger Familiencard so kostenlos. Da Claudius sowieso keinen Eintritt bezahlt, verzichtet sie auf die fünf Bademarken, die sie für ihn bekommen würde. Einmal fährt Tatjana mit Claudius zu einer Mundenhof-Veranstaltung (gesparter Preis: 2 Euro), findet aber, dass ihr Sohn dafür noch zu klein ist, ebenso wie für das Museum. Im Theater bezahlt Tatjana als Studentin sowieso nur den ermäßigten Preis von 8 Euro.

Für ihre Einstandsparty nach einem Umzug in eine größere Wohnung macht Tatjana schließlich einen Großeinkauf bei Bäckerei Schrempp in der Habsburgerstraße und bezahlt 18,36 Euro statt 20,40 Euro. Für alltägliche Einkäufe ist ihr der Umweg allerdings zu weit. Schlussendlich kauft Tatjana bei Jako-o noch das Buch „Rituale für Kinder“ und spart dabei 65 Cent, eine geringelte Radlerhose, die sie noch aussucht ist sowieso ermäßigt - und damit nicht rabattfähig.

Insgesamt findet Tatjana, dass die Familiencard sich mit einem Kind unter drei bis vier Jahren nicht lohnt, wenn man als sowieso viele Studentenvergünstigungen bekommt. Andererseits hat die Karte nichts gekostet und weiterempfehlen wird sie sie trotzdem, vor allem an größere Familien. Wenn Claudius etwas älter ist, wird Tatjana ihre Karte wieder verlängern lassen.



Tipps

 
  • Bei kleinen Händlern, die offenbar keinen hohen Andrang von Familiencard-Kunden haben, ist es in jedem Fall sinnvoll, die Verkäufer vor dem Kauf auf den Rabatt anzusprechen. Schließlich können das auch Aushilfen sein, die darüber nicht informiert sind. Bei einer Anfrage im Restaurant Fiesta weiß mein telefonisches Gegenüber zunächst nichts von diesem Angebot, lässt sich dann aber vom Chef bestätigen, dass es noch gilt.
  • Bei den RegioBädern müssen Kinder zwar erst ab vier Jahren Eintritt bezahlen, die AGF gibt aber auch schon für jüngere Kinder Marken aus, die dann an die Größeren weiter gegeben oder verschenkt werden können. Auch das wurde zwar in den verschiedenen Ausgabestellen schon unterschiedlich gehandhabt, ist aber laut AGF die korrekte Vorgehensweise.
  • Studierende, die für ihre Kinder keine zusätzlichen Sozialleistungen beziehen, können sich daran orientieren, dass die Bemessungsgrenze ungefähr beim BAföG-Höchstsatz plus Kindesunterhalt und einem 400-Euro-Job liegt – der Kinderbetreuungszuschlag des Bafög fließt in die Wohngeldberechnung nicht ein. Einkommensnachweise zur Antragstellung mitbringen.
 

Mehr dazu:

  [Bild 1: Fotolia; Bild 2: Familiencard]