Publikationsbilanz: Uni Freiburg im Mittelfeld der Elite

Regina Kleissler

Oh nein! Verglichen mit den anderen deutschen Elite-Unis veröffentlicht die Uni Freiburg nur mittelmäßig viel! Zu diesem Ergebnis kam die Deutsche Universitätszeitung (duz). Was aber sagt das über die Uni Freiburg aus? Ist sie innerhalb der Elite nur Mittelmaß? Was Rektor Hans-Jochen Schiewer und die FRIAS, eine der Freiburger Exzellenzeinrichtungen, dazu sagen.



Die Deutsche Universitätszeitung beruft sich in ihrer Auswertung auf eine Erhebung des Deutschen Bibliometriezentrums Jülich, die die Anzahl der Publikationen aller Universitäten der Exzellenzinitiative erfasst. Die Grafik offenbart, dass Freiburg unter den Eliteunis – oh Schreck! – nur mittelmäßig ist – zumindest in Sachen Schreiben und Veröffentlichen.


Die Krone trägt die Universität Heidelberg davon, die zwischen 2003 und 2009 ihre Anzahl der Veröffentlichungen um 63 Prozent steigern konnte. Dahinter folgen die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (47 Prozent), die Ludwig-Maximilians-Universität München sowie die Universitäten Göttingen, Freiburg und die Technische Universität München (44 Prozent, 42 Prozent, 41 Prozent beziehungsweise 39 Prozent). Mit einer Steigerung von 32 Prozent liegt die Universität Konstanz knapp unterhalb des Durchschnittswertes.

Muss die Freiburger Wissenschaft nachsitzen?

"Unter den besten neun Universitäten im Mittelfeld zu sein, ist kein Grund sich zu verstecken“, sagt Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Uni Freiburg. „Die Anzahl sagt nur wenig über die Qualität der Publikationen aus.“ Entscheidender sei, wie oft und von wem zitiert würde. „Und hier kann die Universität Freiburg richtige Spitzenergebnisse vorweisen: Ihre Publikationen gehören zu den weltweit bestzitierten.“

Problematisch ist auch, dass es innerhalb der Exzellenzinitiative sowohl Universitäten mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt, als auch eher naturwissenschaftlich orientierte Universitäten gibt, die bei der Erhebung im Bezug auf ihre Publikationen gleich behandelt wurden. Denn beide Bereiche dokumentieren ihre Forschungsergebnisse auf höchst unterschiedliche Art und Weise: Während der Zeitschriftenartikel für die Naturwissenschaftler das wichtigste Publikationsmedium ist, spielen in den Geisteswissenschaften Monographien eine größere Rolle. Aber auch Konferenzen, Seminare oder Rezensionen gehören zur Öffentlichkeitsarbeit. Genau diese Formate wurden bei der Erhebung von der dabei verwendeten Datenbank allerdings nicht erfasst.

Neben fachspezifischen Schwerpunkten spielen gleichzeitig auch die Größe einer Universität und die Anzahl der dort lehrenden und forschenden Wissenschaftler für die Anzahl der Publikationen eine Rolle. „Man kann die Publikationszahlen einer Technischen Universität wie Aachen oder der TU München nicht mit denen einer Volluniversität wie Freiburg oder Göttingen vergleichen“, sagt Karin Bundschuh, Sprecherin des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).



Das FRIAS wurde im Zuge der Exzellenzinitiative gegründet und ist ein Beispiel dafür, was mit den 1,9 Milliarden, die insgesamt an die Universitäten der Exzellenzinitiative vergeben wurden, umgesetzt wurde. Das Forschungskolleg soll Freiräume sowohl für Angehörige der Freiburger Universität, als auch für Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt bieten und in Freiburg einen gemeinsamen Raum für verschiedene Forschungsprojekte schaffen. Die interdisziplinäre Begegnung und Zusammenarbeit sollen voran getrieben werden - eine neue, international vernetzte Universitas ist die Vision am Horizont.

„Wenn ein Projekt gestartet wird, dann dauert es zwei bis vier Jahre, bis die ersten Publikationen veröffentlicht werden“, sagt Bundschuh. „Und es kann fünf oder sechs Jahre dauern, bis überhaupt der gesamte Output erkennbar wird.“

Und: „Ich finde, die Deutsche Universitätszeitung (duz) hat sich verdient gemacht, indem sie gezeigt hat, wie unterschiedlich die Universitäten sind, die im Rahmen der Exzellenzinitiative ausgewählt wurden. Aber man darf jetzt nicht hergehen und sagen: Die Uni X hat 1000 Publikationen und die Uni Y nur 700, also ist X besser und muss weiter gefördert werden. Dann vergleicht man nicht einmal Äpfel mit Birnen, sondern mit Trauben.“

In Freiburg ist man sich offenbar einig: Publikationen sind wichtig, Erhebungen auch. Beides braucht Zeit. Die Publikations-Bilanz führt uns vor Augen, wie „output-orientiert“ die Spitzenunis sind. Das scheint aber doch nicht wirklich etwas über die Qualität dieser Unis auszusagen, weil andere wichtige Untersuchungsparameter bei der Erhebung nicht beachtet wurden.

Freiburg bleibt vorerst exzellent

 
Im Juni 2012 werden die Karten allerdings neu gemischt: Dann werden die Exzellenz-Titel neu vergeben. Hat die Erhebung im Hinblick darauf Auswirkungen auf den Uni-Betrieb? „Wir gehen gelassen mit dem Fortsetzungsantrag um“, sagt Rektor Schiewer. „Wir können auf eine ausgezeichnete Bilanz in der ersten Förderphase verweisen.“ Insgesamt zwölf Universitäten haben die Chance, Fördergelder zu bekommen - Gelder für neue Projekte der Einrichtungen der Exzellenzinitiative. Wie viel ist bisher aber tatsächlich davon im Unialltag zu spüren gewesen? Was haltet ihr von der Vergabe der Exzellenztitel?





Das sagen Freiburger Studenten dazu:


Sarah, 26 (ohne Bild):
„Die Exzellenztitel gab es noch nicht, als ich meinen Magister angefangen habe. Ich finde sie auch eher abschreckend, peinlich und übertrieben. Die Effekte bekommen nur die Naturwissenschaftler zu spüren. Ich würde lieber keine Titel vergeben.“

Hannah, 24: "In Germanistik merkt man nicht viel von Fördergeldern durch die Exzellenzinitiative. Die Naturwissenschaftler haben den Titel für uns geholt und kriegen nun auch das ganze Geld. Die Fördergelder sollten von vornherein fachsbereichsweise verteilt werden."

Clara, 23 (ohne Bild):
"Ich habe mich 2008 fürs Studium beworben und dabei vor allem auf Hochschul-Rankings, zum Beispiel von der Wochenzeitung DIE ZEIT, geachtet. Die Titel waren nicht so wichtig. Ich finde die Vergabe der Titel schwierig, weil nicht alle Aspekte beachtet werden können. Nur die Unis, die eh schon einen guten Ruf haben, werden unterstützt."

Mario, 24 und Aleksandre, 25:

Aleksandre:
"Ich habe die Vergabe der Exzellenztitel gar nicht so wirklich mitbekommen. Ich finde sie okay. Ist doch ein Vorteil für Studenten, wenn sie sagen können, dass sie an einer Uni mit Exzellenztitel studiert haben." Marc: "Es läuft auf jeden Fall besser als in Spanien. Da wurden an die Uni in Oviedo im Zuge des Bologna-Prozesses 7 Millionen Euro vergeben. Und man weiß nicht wirklich, wofür das Geld verwendet wurde. Da stehen jedenfalls Veranstaltungen im Semesterapparat, die so gar nicht existieren."

Marc, 22 und Max, 23 (ohne Bild):


Max:
"Wir haben 2008 angefangen zu studieren. Die Exzellenztitel haben mich dabei nur ein bisschen interessiert. Freiburg ist eine gute Uni – ob mit Exzellenz oder ohne.“

Marc:
"Und ich bin hergekommen, weil er hergekommen ist."

Max:
"Es gibt fakultative Übungen und eigentlich auch eine gute Betreuung, aber es ist schwer zu beurteilen, ob das jetzt mit dem Exzellenztitel oder mit den Studiengebühren zusammenhängt. Ich finde die Titel gut, aber man sollte den Titel 'Elite' ändern. Aber das ist auf jeden Fall ein Anreiz für die Unis."

Marc:
"Ich find's auch gut."

Max:
"Man sollte aber auf jeden Fall die Anzahl der Unis begrenzen, die so einen Titel bekommen können. Maximal 10!"

Marc:
"Und in Baden-Württemberg!"

Charlotte, 23:

"Ich wusste, als ich mich 2008 beworben habe, gar nicht, dass es Exzellenzunis in Deutschland gibt. Ich habe es erst später mitgekriegt, und dann war es mir egal. Aber insgesamt ist Förderung doch eine gute Sache. Ich hab nur das Gefühl, dass immer die Naturwissenschaftler von den Fördergeldern profitieren."

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