Protokoll: Der Tagesablauf einer Pendlerin

Leona Strohm

fudder-Mitarbeiterin Leona Strohm lebt in Herbolzheim und studiert in Freiburg. Das bedeutet, sie muss ihren Tag und ihre Züge genau planen – dabei bleibt vor allem das Partyleben auf der Strecke.

6.15 Uhr: Mein Radiowecker klingelt und reißt mich abrupt vom warmen Strand in das dunkle kalte Zimmer, das mich nun erwartet. Motivation habe ich keine, allerdings hilft alles nichts: Ich muss aufstehen, denn die Uni wartet nicht.


6.20 Uhr: Ich steige mit meinen nackten Füßen aus dem Bett und laufe über das kalte Parkett hinüber zum Bad und hinein in die Dusche. Bis das Wasser endlich warm ist, bin ich deutlich wacher, als zuvor.

7.15 Uhr: Es geht frisch geduscht und mit vollem Magen zum Herbolzheimer Bahnhof. Vielleicht habe ich diesen morgen Glück und es steigen keine Kindergartengruppen oder Grundschulklassen dazu. Denn bei den vielen Berufstätigen, Schülern und Studenten ist der Bahnhofssteg schon voll genug. Innerlich bereite ich mich auf den bevorstehenden Kampf um einen Sitzplatz vor.

7.29 Uhr: Der Zug fährt ein. Wie üblich wird von hinten geschoben, von der Seite kommt plötzlich eine Tasche geflogen und vorne versuche ich, nicht über die Stufen zu fallen. Endlich, nach einem Ringkampf mit Anzugträgern, großen Handtaschen und den spitzen Ellbogen der Schüler, sitze ich zufrieden auf einem Platz in Fahrtrichtung. Challenge accepted und auf geht es zur Uni, die um 8 Uhr beginnt. Mit 30 Minuten Fahrtzeit gehöre ich zu den Pendlern, die gerade noch so mit dem Semesterticket nach Hause kommen.

Seit fünf Jahren Pendlerin

Ich gehöre zu der großen Menge an Berufstätigen, Studenten und vor allem auch Schülern, die täglich auf die Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, denn ich studiere seit diesem Semester Wirtschaftswissenschaften und Latein auf Lehramt an der Freiburger Uni.

Seit etwa fünf Jahren wohne ich schon in Herbolzheim und bin bereits in meiner Schulzeit nach Freiburg zur Schule gependelt. Daher bin ich es gewohnt, auf den Zug angewiesen zu sein und meinen Tag nach den Abfahrten zu planen. Ich habe es nicht allzu schwer: Meine Züge fahren tagsüber alle halbe Stunde, doch je später der Tag, desto seltener die Züge.

Die Abende zum Feiern in Freiburg sind kurz

Einer der großen Nachteile zeichnen sich genau darin ab, dass die Züge abends nur jede Stunde fahren und schließlich ab halb eins nachts gar nicht mehr. Wenn man keine Möglichkeit hat, bei Freunden zu übernachten, werden die Abende des Feiern in Freiburg also ein bisschen kurz.

Als Pendler plane ich meinen Tag wahrscheinlich genauer, als manch einer, der in Freiburg selbst wohnt. Durch die Zeit, die beim Zugfahren abhandenkommt, überlege ich mir zweimal, ob ich in einer Freistunde überhaupt nach Hause fahren sollte oder ob die Zeit nicht besser genutzt ist, wenn ich mich in die Unibibliothek setze und lerne. Doch ich kann nicht jeden Tag für die Uni arbeiten und so wird die Zeit auch des Öfteren durch Stadtbummel und Lesen versäumt.

Das Leben in der Stadt ist zu teuer

An den Tagen, an denen ich erst abends nach Hause komme, fehlt mir die Motivation noch einmal rauszugehen. Die Treffen mit meinen Freunden werden immer weniger, und vor allem im dunklen Winter ist schwierig die Begeisterung für das erneute Zugfahren aufzubringen. Nach Freiburg zu ziehen, kann ich mir dennoch nicht vorstellen. Trotz der Einschränkungen, ist mir das Leben in der Stadt selber einfach zu teuer.

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