Project X am Opfinger See: Steigt am 4. August eine Facebook-Party in Freiburg?

Manuel Lorenz & Carolin Buchheim

Mehr als 20.000 Facebook-User wurden bisher eingeladen, 2.341 haben bis heute ihre Teilnahme schon zugesagt: Dabei soll die große Project-X-Party am Opfinger See doch erst am 4. August stattfinden - illegal, versteht sich. Das scheint dem 17-jährigen Veranstalter bislang keine großen Sorgen zu machen.

Wer eine illegale Facebook-Party veranstaltet, versteckt sich gerne hinter einem Pseudonym. Auch bei Facebook-User Jamal E. könnte es sich um eine Fakeprofil handeln. Das Profil existiert erst seit gut drei Wochen, als Beruf ist 'Zuhälter beim FKK-Palast' angegeben und die einzigen zwei Fotos zeigen Szenen aus einem Club names Lima bei Neu-Ulm. Tatsache ist: Jamal E.,  17 Jahre alt, ursprünglich aus Heidenheim, seit drei Monaten in Freiburg, ist echt.


Am vergangenen Samstag um 1:10 Uhr morgens hat er auf Facebook die Veranstaltungs-Seite Project X Opfinger Baggersee erstellt. Mittlerweile sind dazu über 20.000 Leute eingeladen; über 2300 von ihnen haben ihre Teilnahme schon bestätigt - und dass, obwohl die Party erst in gut drei Wochen, am 4. August 2012 stattfinden soll.

Project-X-Partys sind der neueste Trend in Sachen Facebook-Partys und verbreiten sich zur Zeit wie ein Lauffeuer. Sie beziehen sich auf die US-amerikanische Filmkommödie Project X, der im Mai in die deutschen Kinos kam. Darin planen zwei Jugendliche eine riesige Party, um von ihren Mitschülern nicht mehr als Loser angesehen zu werden. Die Party schlägt voll ein - und endet in der kompletten Eskalation.

In Backnang hätte es am 30. Juni genauso ausgehen können. Über 1000 Feierwillige waren zur dortigen Project-X-Party gekommen. Außerdem: 300 Polizisten. Im Verlauf der Party kam es zu Randale und hitzigen Auseinandersetzungen. Es gab drei Verletzte. Die Polizei zählte 23 Straftaten. Gegen 21:30 Uhr fing es an zu hageln, so dass sich die Feiergemeinde von selbst auflöste.

Knapp eine Woche später gelang es der Polizei, zwei Verursacher zu identifizieren. Sie sollen für die Kosten des Polizeieinsatzes und die Ausgaben der Stadt aufkommen – insgesamt mehr als 140.000 Euro.

In Konstanz konnte die Stadt vergangenen Samstag eine Project-X-Party verhindern, indem sie das Strandbad Horn - der Ort, wo das Event stattfinden sollte - kurzerhand einen ganzen Tag lang schloss. An den Donau-Ufern in Ulm kommt der Party eine andere ins Gehege: das Donaufest. Mittendrin: Jamal.

Auf die Idee, eine Project-X-Party in Freiburg zu veranstalten, sei er gekommen, als er auf RTL den Bericht über die Backnanger Party gesehen habe. "Ich will sehen, ob das in Freiburg auch so abgeht wie dort, ob da auch so viele Leute kommen", sagt er. Und die Polizei? "Wenn die kommt, feiern wir einfach weiter." Angst vor etwaigen Strafen hat er nur bedingt. "Ich glaub nicht, dass irgendwas passiert. Ich bin ja auch nicht der einzige Veranstalter." Außerdem habe er schon mal zwei Partys veranstaltet - eine im einem Jugendzentrum und eine an einem Baggersee bei Heidenheim.



Indes: Mit der Project-X-Party macht sich Jamal in Freiburg nicht nur Freunde. Philipp Kellner, DJ und Partyveranstalter, kritisiert den 17-Jährigen harsch: "Irgendein Jugendlicher, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, lädt Tausende von Leuten ein, zum Opfinger See zu kommen. Jeder bringt seine Getränke mit, jeder lässt seinen Müll liegen, alles wird platt getrampelt, es wird randaliert, es gibt Stress."

Eigentlich ist Philipp ein Freund von spontanen Open-Air-Partys in der Region. Er selbst nimmt regelmäßig an solchen Veranstaltungen teil. Manchmal werden sie erst am Vortag kommuniziert, und zwar nicht über Facebook, sondern Mund zu Mund. Einen richtigen Veranstalter gibt es meist nicht. Ein paar Leute, die sich irgendwoher kennen, werfen ihr Equipment zusammen, und hundert andere Leute, die man vom Feiern kennt, stoßen hinzu. Die Szene ist übersichtlich. "Man kennt sich", sagt Philipp.

In Freiburg, so Philipp, hätte man es ohnehin schon schwer genug. Selbst kleinere Privat-Events - eine Party in einer Hütte - würde man schwer bei der Stadt durchbekommen. Veranstaltungen wie die Project-X-Partys würden die Szene endgültig kaputt machen. "Das Freiburger Ordnungsamt schert doch alles über einen Kamm. Die stürmen dann auch andere, schöne Open-Airs", sagt Philipp - so wie 2011 die "Kreuzeiche" bei Lörrach.

Auf der Facebook-Seite der Freiburger Project-X-Party findet der DJ deshalb klare Worte: "JEDER der HIER eine ZUSAGE erteilt oder vorhat bei diesem schwachsinnigen Müll TEILZUNEHMEN ist in Zukunft auf UNSEREN Parties, sei es in einem der Clubs oder bei einem Open Air UNERWÜNSCHT und wird rausgeschmissen oder weggeschickt!" Die Antwort folgt auf den Fuß: "hahaha schon wieder du homo !? :D wenn du nicht hin willst dann lass es aber erspar uns doch mit deinem gelabber du Lutscher ! ;)"

Bei der Stadt Freiburg schrillen derweil die Alarmglocken. "Uns sind die Vorgänge in anderen Städten bekannt", sagt Toni Klein von der Pressestelle der Stadt. "Wir beobachten die Entwicklung dieser Party und nehmen sie ernst. In der kommenden Woche setzen sich alle zuständigen Stellen zuzsammen. Dann wird entschieden, wie wir damit umgehen werden."

Auch die Polizei beobachtet die Partyplanung aufmerksam. "Zielrichtung kann nur sein, diese illegale Party nicht stattfinden zu lassen", sagt Mirko Steffl, Pressesprecher der Polizei Freiburg. "Die zuständigen Kollegen vom Polizeirevier Süd stehen in engem Kontakt mit Kollegen in Backnang, um einen Erfahrungsaustausch durchzuführen." Eine derartige illegale Party sei aus vielen Gründen problematisch: "Es geht da um Naturschutz, Sondernutzung und natur- und waldschutzrechtliche Verstöße. Es geht um Parkmöglichkeiten, die nicht gegeben sind."

In Panik verfällt man bei der Polizei allerdings nicht. "Im Zuge der vielen angekündigten Facebook-Partys sinken die Teilnehmerzahlen. Wo anfangs zwei- oder dreitausend Menschen gekommen sind, kommen jetzt noch einige hundert." Warum Jugendliche sich über das Internet zu Großpartys verabreden, kann Steffl sich leicht erklären: "Es geht um das Event an sich, um das Gemeinschaftsgefühl. Es geht auch um Anarchie, das Ausleben von Freiheiten und Grenzüberschreitung. Und um das Feiern von virtueller Gemeinschaft."

Sollte die Party tatsächlich stattfinden, droht Jamal eine empfindliche Geldbuße. "Für alle Ordnungsstörungen und Ordnungswidrigkeiten, die ihm Rahmen dieser Veranstaltung geschehen, muss der Veranstalter eintreten", sagt Steffl. Aber auch eventuelle Partyteilnehmer müssten mit Geldbußen rechnen. "Jeder, der an so einer Party teilnimmt und in ihrem Rahmen Ordnungswidrigkeiten begeht, zum Beispiel falsch parkt, seine Notdurft verrichtet, eine Ruhestörung begeht oder ein Lagerfeuer anzündet, bekommt ein dementsprechendes Bußgeld."

Der 17-Jährige müsste jetzt aktiv alles tun, damit die Party nicht stattfindet, um die Gefahr eines empfindlichen Bußgeldes abzuwenden. "Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass selbst dann, wenn der Veranstalter die Party absagt, Trittbrettfahrer übernehmen und sagen 'Dann machen wir es halt'", sagt Steffl.

Jamal sieht die Sache gelassen: "Wir wollen einfach nur feiern und trinken. Mehr nicht."

Mehr dazu:

  [Bild 1: BZ-Archiv/Brigitte Sasse; Bild 2: Screenshot]