Proberaumbesuch: Dieser Freiburger macht elektronische Musik mit analogen Synthesizern

Alexander Ochs

Kling & Klang, das klingt wie Yin & Yang – oder zumindest wie zwei. Aus dem Ex-Duo ist seit längerem ein Ein-Mann-Musikprojekt geworden. Wer und was dahinter steckt, erfahrt ihr hier.

Ein noch kühler Mittwochabend im frühen Frühling. Ein Mann mit braunem Vollbart und Beanie wartet vorm Café Atlantik mit einem Retrostyle-Kinderwagen, auf dem ein 1,80 Meter großer Kasten liegt. "Ich wusste nicht, wie ich mein Equipment von Zuhause hierher transportieren soll. Also habe ich kurzerhand den Kinderwagen genommen", erklärt er ruhig.


Er, das ist André Jenaro, 31, von Beruf Sozialarbeiter, Vater einer Tochter. Wenn Familie und Freizeit es zulassen, geht er mit seinem Synthesizer in den Proberaum, der nur wenige Meter hinter dem Atlantik liegt, und bastelt an neuen Tracks. Meist einmal die Woche für etwa vier Stunden. Wir schauen und hören mal rein.

"Ich habe etwas mit Gameboy-Sound gesucht und bin dann auf den Twisted Electrons AY3 gestoßen." André Jenaro
Entspannte Dubmucke wabert aus den Boxen. Der Kellerraum, kühl und klamm, ist nur spärlich beleuchtet. Den vielleicht 30 Quadratmeter großen Raum füllen ein Conga- und ein Drumset, ein Keyboard, Verstärker, Kabel, Effektgeräte, ein großes und ein kleines Regal, ein Sofa, ein Sessel und ein Sofatisch. Als einziger "Schmuck" dient ein Miles-Davis-Kalenderblatt vom Mai eines unbestimmten Jahres, schwarz-weiß, quadratisch, weißer Rahmen. Die sonstige Farbigkeit im Dämmerlicht beschränkt sich auf rötlich, bräunlich oder einfach dumpf-dunkel.

Nach 10, 15 Minuten hat André Jenaro sein Set aufgebaut. Es besteht aus einem großen analogen Synthesizer, einem analogen Drumcomputer, einem Moog Minitaur und einer "kleinen Box, Plastik pur", wie André sagt, ein sogenannter Chiptune-Synthesizer. "Ich habe etwas mit Gameboy-Sound gesucht und bin dann auf den Twisted Electrons AY3 gestoßen", erklärt der Musiker.

Kling & Klang: Vom Duo zum Solo-Projekt

Sechs Drehregler, sechs Stimmen, zwei Chips. "Alles läuft in meinem Mischpult zusammen, dort kann ich dann den Sound über die angeschlossenen Effektgeräte verändern, also live eingreifen. Das heißt: am Delay schrauben oder eben Filter drüberlegen", so André, dessen Augen immer größer werden. "Ständiges Knöpfchendrehen, das ist eigentlich das Hauptgeschäft!", strahlt er übers ganze Gesicht, "am liebsten überall!"

André führt aus: "Das Ganze nennt sich ’Kling & Klang’. Ein Projekt, das ich zunächst mit einem Freund begonnen hatte und seit einigen Monaten alleine als Solo-Projekt weiterführe, da uns meist die Zeit gefehlt hat, uns zusammenzusetzen. Kling & Klang ist elektronische Musik hauptsächlich mit Klängen von analogen Synthesizern, die ich auch live – ohne PC! – benutze."

Neben Kling & Klang noch Dub-Musik

Warum er auf Computer verzichtet? Früher habe er selbst Beats gebaut und geschrieben, das sei aber sehr computerlastig gewesen, so der Soundtüftler. "Das Gefühl, wenn du auf der Bühne stehst, und der PC abschmiert", erzählt André, "das ist schrecklich, das muss ich nicht nochmal haben." Da ist man als Musiker ohne echtes Instrument machtlos. So kam er darauf, "basic Mucke zu machen ohne PC." Seit gut einem Jahr macht er das jetzt.

Aber was er neben dem Elektroprojekt Kling & Klang auch macht: Dub-Musik. Einmal mit seiner Band Steinregen, zum anderen auch als Solokünstler, auch in diesem Proberaum. Das Ganze nennt er dann "Golden Dub". Bei einem seiner letzten Dub-Experimente hat er beispielsweise Trap-Drums und Breakbeats mit einem entspannten Dub-Reggae-Beat verquirlt. Dabei wippt er unablässig vor seinen Gerätschaften auf und ab und hin und her und dreht ständig an den Knöpfen und Reglern.

Engagement für eine geringe Gage

Den Ablauf schildert er so: "Ich arbeite nur mit Loops. Ungefähr zwei Stunden baue ich an einem Loop. Dann fange ich an, damit live zu spielen und dann schalte ich die Kameras an und lege los!" Dann performt er vor der Kamera und geht am Ende des Tages mit einem fertigen Video aus seinem kleinen Musikreich raus. Upload gedrückt, "und dann mal gucken, was passiert", so André.

Am meisten würde er sich freuen, wenn ihn jemand gegen geringe Gage engagiert. Einige Male ist er schon mit seiner Live-Mucke aufgetreten, "nur für ’n Essen und ’n Bier." Nur beim letzten Mal hat er abgelehnt; schließlich ist der Aufwand für ihn alleine groß – und allein das Equipment hat einige Tausend Euro gekostet.

Doch auch seine frei gewählte Allein-im-Proberaum-zuhause-Situation gefällt ihm. So gut wie jedes Mal, wenn André Jenaro in den Proberaum abtaucht, kreiert er einen Sound, also einen Sound pro Session. Danach bearbeitet er die Tracks nicht weiter, sondern belässt sie so, wie sie entstanden sind. "Wie andere zum Fußball gehen, gehe ich in den Proberaum", sagt André lakonisch. Und fügt doppeldeutig hinzu: "Ich mag das Abgeschlossene."
Wie sich das Ganze anhört? Schaut und hört einfach selbst.
Fine Place (Elektron AK & Rytm & Moog Minitaur)



Golden Dub – Trap Dub (Live Synthesizer Jam)